Haudraufhumor von Oliver Pocher

David Weigend

Der boulevardeske Schmierenkomödiant Oliver Pocher hat gestern im ausverkauften Konzerthaus zwei Stunden lang den Kasper gemacht. Dumm, distanzlos und stets unter die Gürtellinie. fudder lädt zum Pocherbashing.

Zunächst eine Aufzählung derjenigen, die Medienaugust Pocher in seinem aktuellem Programm „Aus dem Leben eines B-Promis“ thematisiert: Volker Finke, die türkische Fußballnationalmannschaft, Halil Altintop, Micky Mouse, Amerikaner im allgemeinen, Rammstein, ZDF-Mainzelmännchen, Italiener im allgemeinen, Franzosen im allgemeinen, islamische Terroristen, Lucy (No Angels), Boris Beckers uneheliche Tochter, Oliver Geißen, Barbara Salesch, Jenny Elvers, Verona Pooth, Heidi Klum, Kai Pflaume, die Supernanny, Oliver Kahn, Jürgen Klinsmann, Lukas Podolski, Thomas Gottschalk, Robbie Williams.


Ein Pausengespräch zweier Zuschauerinnen. Die Eine: „Und, wie findsches?“ Die Andere: „Voll witzig. Des isch so e freche Sau.“Ja, das ist er. Oliver Pocher, Ziehsohn des Schmalspurhumoristen Stefan Raab, ist zur Zeit vielleicht der primitivste unter den Stichlern. Wobei Stichler der falsche Ausdruck ist. Pocher comedyiert nach dem Motto: Warum das Florett, wenn es auch mit dem Vorschlaghammer geht. Pocher bricht Tabus nicht, um Stammtischfaschismus zu entlarven.

Nein, er bricht Tabus um des Tabubruchs willen. Voll in die Eier, aus Prinzip. Pocher entblödet sich nicht, das ehrenwerte Handwerk des Bäckers in den Dreck zu ziehen, nachdem er erfährt, dass der Sicherheitsmann am Bühnenrand gelernter Bäcker ist.

Der Hannoveraner leckt den Bodensatz des Alltags auf und spuckt ihn ins Publikum: Fäkalhumor, Pornowitzchen, Spermagags, Kackbratzensprüche. Der selbsternannte „B-Promi“ versucht, sein Publikum mit Rassismus und dem Verulken von Übergewichtigen zu ködern. Stumpfer geht’s nicht. Was bei jemandem wie Borat symphatisch rüberkommt, wirkt bei Pocher notorisch bemüht. Und spießig dazu. Die Jungs von der Bloodhound Gang sind wenigstens konsequent in ihrer Geschmacklosigkeit, pissen von der Bühne und kotzen während den Songs in Mülleimer. Pocher dagegen wirkt wie der biedere Klassenclown, der seine Unbeliebtheit mit möglichst krassen Scherzen zu übertünchen versucht. Pocher, ein Abfallprodukt des Privatfernsehens, dessen Leichenfledderer obendrein.

Wenigstens ein Restmaß an Spontanität muss man dem Prosieben-Jambo zugestehen. Wenn Pocher durch die Stuhlreihen des Konzerthauses geht und seine Zuschauer anlabert, sie ein wenig bloßstellt, kommt so etwas wie Heiterkeit auf.

Pocher: „Wie heißt du?“ Mädchen: „Menja“. Pocher: „Was ist das denn für ein Name? So unter dem Motto, wie siehts aus mit dem Rasen?, Mehn‘ ja!“ Gut, das sind Albernheiten, die jedem Achtklässler nach einem Jointzug auch einfallen würden. Aber immerhin.

Lachpopulist Pocher versucht in der Zugabe, Kritikern von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er tut dies, indem er mit gespielter Süffisanz die negative Auftrittsbesprechung eines Kollegen von der Süddeutschen Zeitung vorliest. Flucht nach vorn. Das TV-Bummerl will sich mit dem Publikum gegen die Bösen von der Presse verbrüdern. Pocher erzielt mit diesem Griff in die dramaturgische Notapotheke einige, wenige Lacher, die nicht darüber hinweg täuschen, dass Pochers Programm vor Langeweile schwermütig macht.

Eine Sitznachbarin hat übrigens erzählt, dass Pochers Tourmanager früher einmal ein Hotel auf Mallorca geführt hat. Offenbar sind die erforderlichen Qualitäten für diese beiden Jobs recht ähnlich.