Hate Poetry in der Passage46: Journalisten lesen rassistische Leserbriefe

Okan Bellikli

"Linker, gehirnamputierter, christlicher Islam-Speichellecker-Journalisten-Oberdepp": Die Journalisten Özlem Gezer, Yassin Musharbash und Deniz Yücel erhalten andauernd Hass-Post. Am Sonntag verwandeln sie und andere diese in Poetry-Slam - daraus wird: Hate-Poetry!



Özlem Gezer, Yassin Musharbash und Deniz Yücel haben etwas gemeinsam: Sie sind Journalisten bei großen deutschen Medien wie dem SPIEGEL, der ZEIT oder der taz. Und sie haben einen Namen, der nach Einwanderungsgeschichte im Stammbaum klingt. Manchen Leser stört das offenbar: Immer wieder erhalten die drei rassistische Mails oder Briefe, deren Inhalt schockiert.


"Türkische Islam-Muschi" und "linker, gehirnamputierter, christlicher Islam-Speichellecker-Journalisten-Oberdepp" sind da vermutlich nicht einmal die krassesten Beispiele.

Seit 2012 sind die drei Journalisten mit weiteren Leidensgenossen in ganz Deutschland unterwegs, um die Zuschriften vorzulesen und zu kommentieren. Der Gedanke dahinter: Warum den Frust über so viel Hass in sich herumtragen, wenn man zusammen mit anderen darüber lachen kann?

Also wird versucht, in vier Kategorien die Lächerlichkeit der Äußerungen zu entlarven: "Sehr geehrte Frau Fotze, lieber Herr Arschloch", "Abokündigungen", "Große Oper" sowie "Kurz und schmutzig". Während manche Leser ausführlich begründen, warum man ohne deutsche Herkunft nicht für eine deutsche Zeitung schreiben dürfe, beschränken sich andere auf Kommentare wie: "Geh endlich sterben, du Faschistensau!"

Ebru Taşdemir, eine freie Publizistin, hatte die Idee zur Hate-Poetry. "Das war eine spontane Eingebung", sagt sie. Dass Hassmails ein Problem sind, sei ihr nicht bewusst gewesen, bis ihr Kollegen einige Zusendungen zeigten. Das Poetry-Slam-Format sei erst im Nachhinein entstanden. Ihr Showcharakter zeichnet die Hate-Poetry aus: Da wird gelacht, getrunken und auch mal gerappt. Wer am Ende den größten Applaus bekommt, der gewinnt Preise wie zum Beispiel eine Weste mit der Aufschrift "Scharia-Polizei" - Augenzwinkern inklusive.



Mehr dazu:

Was: Hate Poetry (im Rahmen des Festivals Politik im Freien Theater)
Wann: Sonntag, 16. November, 20.30 Uhr
Wo: Passage46, Bertoldstraße 46
Eintritt: frei [Foto: Thies Rätzke/Promo]