Hat RB Leipzig Freiburger Fotografen gedroht?

Daniel Laufer

Ein Sicherheitsmann des RB Leipzig hat Fanfotografen des SC Freiburg mit dem Rauswurf gedroht, sollten sie Bilder von Red Bull-kritischen Protestaktionen machen - das werfen zwei Fanmagazine dem Verein vor. Es bleibt nicht der einzige Konflikt mit den Medien. Auch ein Leipziger Journalist kritisiert jetzt RB:



Hat ein Sicherheitsmann von RB Leipzig Freiburger Fotografen gedroht und versucht, ihre Arbeit einzuschränken? Das zumindest werfen die Freiburger Fan-Magazine "Nordtribuene.Org" und "Nur der SCF" dem Verein vor.


Beim Zweitligaspiel des Sportclubs in Leipzig sollen am vergangenen Donnerstag zwei akkreditierte Fotografen mit einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes aneinander geraten sein. Kurz vor Spielbeginn standen Daniel Sand und Simon P. (Name der Redaktion bekannt) hinter einem der Tore im Innenraum des Stadions, als der Sicherheitsmann die Warnung ausgesprochen haben soll. "Wenn ihr Protestaktionen eurer Fans auf Bild oder Ton festhaltet, werden wir eure Speicherkarten einziehen und euch des Stadions verweisen", habe der Sicherheitsmann gesagt, so Simon P.

Sein Kollege Daniel Sand betreibt seit einigen Jahren das Online-Magazin "Nur der SCF". Bei den Spielen fotografiert er vor allem die eigenen Fans, reist dem Sportclub auch auswärts hinterher. Zur Europa League-Saison vor zwei Jahren drehte er einen ganzen Dokumentarfilm. "Dass man gesagt kriegt, was man fotografieren darf und was nicht, habe ich so noch nicht erlebt", sagt Sand, der auch einen Presseausweis hat. "In Leizpig habe ich dann auf die Pressefreiheit beharrt, aber das hat den Sicherheitsmann nicht interessiert."

"Ihr Fanfotografen seid die Wurzel des Problems"

Beim Gespräch zwischen dem Sicherheitsmann und den Fotografen soll ein Leipziger Fankoordinator dabei gewesen sein. Trotzdem hat der Verein den Vorfall selbst eine Woche nach dem Spiel weder bestätigt noch dementiert, Aussagen bleiben im Konjunktiv: "Wenn [es tatsächlich zu Drohungen gegenüber den Fotografen kam], dann ist das definitiv nicht die Vorgabe unseres Vereins", zitiert das Online-Magazin "Faszination Fankurve" RB-Pressesprecher Benjamin Ippoliti.

"Wie auf der entsprechenden Homepage zu sehen ist, konnten die Fan-Fotografen ihrer Arbeit nachkommen", so Ippoliti weiter. Er bezieht sich wohl auf ein kritisches Transparent, das auf Fotos im SC-Fanblock zu sehen ist: "Nai hämmer gsait!" Der badisch-alemannische Spruch (Foto oben) hat seinen Ursprung in der Protestbewegung gegen das in den Siebzigern geplante Atomkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl. Simon P. vermutet: "Das hing auch nur, weil die Leipziger nicht wussten, was es bedeutet."

Eine Anfrage von fudder wollte Ippoliti nicht beantworten. "Wir werden uns von Vereinsseite aus dazu nicht mehr äußern", teilte er schriftlich mit.

"Anweisung von oben"

Dabei widersprechen die Freiburger Fotografen der Aussage des Vereins. "Der Sicherheitsmann sagte, er habe Anweisung von oben", so Sand. Simon P. zitiert ihn mit den Worten: "Ihr Fanfotografen seid die Wurzel des Problems. Durch euch wird der Protest nach außen getragen!"

RasenBallsport Leipzig - ursprünglich Red Bull Leizpig - steht unter dem Einfluss des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull. Der Konzern war auch treibende Kraft bei der Vereinsgründung vor sechs Jahren. Immer wieder kritisieren Fußballfans RB Leipzig: Für viele von ihnen gilt der Verein als Exempel für die Kapitalisierung des Sports. Mittlerweile haben sich Fans mehrerer Vereine gar zu einem Bündnis zusammengeschlossen: "Nein zu RB".

Im Konflikt um die Freiburger Fotografen hat sich nun auch André Wunder, Fankoordinator des SC Freiburg, eingeschaltet und mit seinem Gegenüber bei RB gesprochen. "Eigentlich kommt so etwas überhaupt nicht vor", sagt auch er. "Ich möchte das Fehlverhalten eines einzigen Ordners allerdings nicht als Handlung von RB Leipzig hinstellen."

Auch ein Leipziger Medium kritisiert RB

Doch nicht nur die Freiburger Fotografen beklagen Probleme mit RB. Normalerweise berichtet die "Leipziger Internet Zeitung" in Bild und Text von den Spielen des Vereins. Nicht so von der Partie gegen den SC Freiburg. Statt eines Fotos ziert den Artikel diesmal ein schwarzes Viereck. "Unsere Foto-Akkreditierung wurde vom Verein ohne Angabe von Gründen abgelehnt", sagt L-IZ-Redakteur Martin Schöler, der RB Leipzig seit dreieinhalb Jahren journalistisch begleitet. "In dieser Form ist das zum ersten Mal vorgekommen."

Warum die L-IZ dann überhaupt berichte, fragt ein Leser in einem Kommentar auf deren Webseite. Schölers Antwort: "Warum sollten wir unsere Pressefreiheit vorauseilend weiter einschränken als es dieser Verein getan hat?"

Nur Tage vor dem Akkreditierungsantrag habe er eine Anfrage zu einem geplanten Benefizspiel des RB gestellt und dessen Hintergründe kritisch hinterfragt. "Die Antworten kamen nicht, dafür die Absage der Akkreditierung. Ob da ein Zusammenhang besteht, kann man natürlich nur spekulieren. Es sieht aber so aus, als wolle man einer eher kritischen Berichterstattung Steine in den Weg legen."

Ein Vorwurf, den der Verein nicht kommentieren möchte.

Mehr dazu:

[Foto: Simon P./Nordtribuene.Org]