fudder-Umfrage

Hat man’s als Geflüchteter geschafft, wenn man in Deutschland studiert?

Tamara Keller

Um in Deutschland studieren zu können, müssen Geflüchtete viele Hürden überwinden. Ob sich diejenigen, die es geschafft haben, wirklich integriert fühlen, hat Tamara Keller drei Studierende mit Fluchterfahrungen gefragt.

"Jeder sollte frei sein"

  • Afrah Abdy, 22, studiert ab dem Wintersemester Bauingenieurwesen in Karlsruhe.
"Integration ist, wenn man offen ist, andere Leute und Kulturen kennenzulernen und zusammen zu leben. Ich bin ein sehr offener Mensch. Ich habe hier viele deutsche Freunde. Hier in Freiburg sind die Leute sehr nett. Ich habe keine Schwierigkeiten, außer manchmal, wenn ich durch die Straßen laufe: Weil ich ein Kopftuch trage. Das passiert selten hier in Freiburg, aber es passiert auch. Ich werde böse angeschaut und es wird zu mir gesagt: ’Geh’ doch in dein Land zurück!’ Das finde ich schade. Ich verstehe nicht, warum jemand so etwas macht. Für uns ist das hier auch eine andere Kultur, aber wir versuchen, offen und positiv zu sein. Ich kann dich aber nicht fragen: Warum trägst du dieses Kleidungsstück? Warum machst du so etwas? Warum redest du so? Jeder sollte frei sein und tragen was er will."

"Integration funktioniert nicht"

  • Tarek (Name von der Redaktion geändert), 22, fängt im September sein duales Studium an der DHBW in Lörrach an.
"Integration hat so viele Bedeutungen. Für mich bedeutet es, dass ich die richtige Kultur kennenlerne und mit den Menschen klarkomme. Ich habe innerhalb von acht Monaten Deutsch gelernt und das C1-Sprachniveau erreicht. Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland aufgenommen wurde und dass ich bald anfangen kann zu studieren. Ich sage immer, dass ich in Freiburg verliebt bin. Es ist meine zweite Heimat. Es gibt aber auch Gründe für mich zu sagen, dass Integration nicht funktioniert. Ich bin seit zweieinhalb Jahren hier und ich bin nicht hier aufgewachsen. Deshalb fallen mir manche Sachen schwer. Ich habe im vergangenen Jahr über 24 Bewerbungen geschrieben. Einmal habe ich an die gleiche Firma zwei Bewerbungen geschickt – mit meinem echten und mit einem ausgedachten deutschen Namen. Die mit dem deutschen Namen ist angenommen worden. Seit acht Monaten ist klar, dass meine Schwester nicht nach Deutschland kommen darf, weil sie über 18 Jahre alt ist. Sie ist jetzt alleine im irakischen Kurdistan."

"Mich nervt das Wort Integration"

  • Nour Gazzal, 25, studiert seit einem Jahr Wirtschaftsinformatik an der DHBW in Lörrach.
"Integration – dieses Wort klingt für jeden anders. Ich habe dieses Wort so oft gehört, dass ich dieses Wort hasse, weil das irgendwie so oft wiederholt wird: Integration, Integration, Integration. Das nervt mich ein bisschen. Integration ist für mich, wenn man sich mit den anderen versteht und wenn man gut Kontakt mit den Leuten hat. Wenn man einfach so friedlich ist miteinander. Das finde ich ist Integration. Seit zwei Jahren bin ich hier und habe immer versucht, die Sprache zu beherrschen. Das hilft auch. Das ist die erste grundlegende Sache, die man machen muss, um sich besser integrieren zu können. Am Ende ist Integration für mich auch schwierig zu erklären: Es ist halt Sprache, Kontakt, vielleicht das Studentenleben, weil es zeigt, wie man hier lebt, wenn man studieren kann. Ich glaube, das Studium hilft bei der Integration. Ich integriere mich automatisch."

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