Hartz IV im Selbstversuch

Nora

359 Euro – so viel Geld hat ein alleinstehender HARTZ IV-Empfänger monatlich zur Verfügung. Abgesehen von den Miet- und den Heizkosten, die vom Arbeitsamt übernommen werden, muss der Betroffene davon sein komplettes Leben finanzieren. Was für viele Studenten normaler Alltag ist, empfindet unsere Autorin – Lebensgenießerin und leidenschaftlicher Shoppingfan –als echte Herausforderung. Ob man in Freiburg von so wenig Geld leben kann? Ein Monat, eine Studentin, ein Selbstversuch.

Ich habe mich in meinem Freundeskreis einmal umgehört. Für Lebensmittel, Klamotten, Kino, Handy und Party geben meine Freunde und Kommilitonen in der Regel zwischen 300 und 400 Euro im Monat aus. Das entspricht ungefähr dem Regelsatz, der einem alleinstehenden HARTZ IV-Empfänger zusteht.


Seit dem 1. Juli 2009 sind es genau 359 Euro. Bei diesen Zahlen komme ich ins Grübeln. Um auf meine Ausgaben zu kommen, müsste man den HARTZ IV-Regelsatz mit 2,5 multiplizieren. Und das wäre dann ein guter Monat. Der Juli war ein schlechter Monat. Nach der Bilanz meiner letzten Ausgaben-Liste, die ich jeden Tag aufs Genauste führe und ergänze, bekam ich einen Schock: 1285 Euro! Und da war die Miete noch nicht einmal mit eingerechnet. Das war zu viel des Guten – ein Sparplan musste her.
Dabei bin ich von Natur aus eigentlich gar nicht verschwenderisch. Ich bin auch kein Bonze oder verwöhntes Gör, dem Mami und Papi jeden Wunsch erfüllen, sondern stamme aus gewöhnlichen Mittelschichtverhältnissen. Ich habe nie übermäßig viel Taschengeld bekommen und daher schon früh gelernt, für mein Geld zu arbeiten. Nachhilfe, Babysitting, Kellnern… Das Übliche eben.

Wenn ich aber Geld habe, dann gebe ich es auch gerne aus.
Für gutes Essen, Klamotten, für Kino und Theater oder eine ausgelassene Party-Nacht mit Freunden. Und im Moment habe ich Geld. Seit ich studiere, habe ich seltsamerweise sogar mehr davon als je zuvor. Ich bekomme ein monatliches Stipendium, einen kleinen Zuschuss von meinen Eltern und mein Kindergeld. Außerdem wurde mir mit 18 ein großer Teil meiner Lebensversicherung ausgezahlt. Als ich zu Beginn meines Studiums im Oktober vergangenen Jahres zum ersten Mal einen Blick auf meinen neuen Kontostand warf, fühlte ich mich auf einmal wahnsinnig reich. Doch leider gewöhnt man sich auch viel zu schnell ans Geldausgeben. Und da ich in ein paar Jahren weder verschuldet sein, noch an chronischer Verschwenderitis leiden möchte, kam mir eine Idee: Wie wäre es, wenn ich mein Budget-Limit wenigstens für einen Monat einfach mal drastisch herunterschrauben würde? Wenn viele meiner Freunde und Kommilitonen von rund 360 Euro gut leben konnten und Hartz IV-Empfänger davon sogar leben mussten, dann würde ich das doch auch locker hinkriegen. Oder?

Ich will es auf ein Experiment ankommen lassen. Und welche Zeit ist dafür besser geeignet als die Semesterferien? 359 Euro für den August - keinen Cent mehr. So schwer kann das eigentlich nicht sein. Das Leben in Freiburg muss schließlich auch in einer günstigeren Variante zu haben sein. Ein bisschen weniger Starbucks, H&M statt ESPRIT und Party nur noch an Studententagen, dann werde ich mit diesem Budget schon auskommen. Dachte sie und war gespannt, was der kommende Monat so bringen würde.

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