Hartz IV-Blog: Das Geburtstagsgeschenk

Nora

359 Euro – so viel Geld hat ein alleinstehender Hartz IV-Empfänger monatlich zur Verfügung. Ganz schön wenig, findet unsere Autorin Nora. In einem einmonatigen Selbstversuch will sie herausfinden, wie man klarkommt, wenn man plötzlich mit Arbeitslosengeld II auskommen muss. Sparen ist angesagt, auch bei der Suche nach einem passenden Geburtstagsgeschenk.



Zehn Tage lebe ich jetzt schon von HARTZ-IV. Für mich ist das nur ein Experiment, keine harte Realität. Ich habe keine wirklichen Geldsorgen, keine Zukunftsängste, keine schlaflosen Nächte, weil ich nicht weiß, wie ich meine Rechnungen bezahlen soll. Und doch waren die letzten Tage eine ganz schöne Umstellung für mich, die ich sonst nie so besonders sparsam leben musste.


Dafür ich schlug mich ganz gut, fand ich. Mit meinem Tagesbudget kam ich irgendwie hin. Bisher war ich bei 75,52 Euro angelangt, also gab ich im Durchschnitt 7,55 Euro am Tag aus. Das fiel mir (bis jetzt noch) nicht besonders schwer. Ich verzichtete auf meinen täglichen Kaffee unterwegs, machte einen Bogen um Kaufhäuser und Klamottenläden, kaufte sparsam beim Discounter und beim Weggehen mit Freunden beschränkte ich mich auf ein günstiges Getränk am Abend. Es ging irgendwie. War ja auch kein Wunder, schließlich passierte nichts Außergewöhnliches. Es standen keine großen Anschaffungen oder Reparaturen an, mein Kleiderschrank war noch prall gefüllt, und so gab ich lediglich nur Geld für Lebensmittel aus. Und - im Gegensatz zu einem richtigen HARTZ IV-Empfänger – wusste ich, dass ich nach diesem Monat wieder in mein „altes Leben“ zurückkehren konnte.

Mir war klar, dass ich, an Tagen, wo alles glatt lief, Geld sparen musste, für den Fall, dass auch mal schlechte Tage kamen. Und sie kamen. Vergangenen Donnerstag ging beispielsweise meine Fahrradbremse kaputt. Ganz schön unpraktisch, denn ich brauchte mein Fahrrad, fuhr jeden Tag damit. Eine Regiokarte wollte und konnte ich mir nicht leisten – schon gar nicht in diesem Monat. Es half also alles nichts und ich begab mich in den nächsten Fahrradladen. Für Profis war das Problem schnell behoben, der Preis allerdings trotzdem ganz schön happig. 12,95 Euro. Das waren drei Tage essen. Einfach weg, für eine blöde Bremse. Aber ich hatte keine Wahl. Die nächsten Tage fielen meine Mahlzeiten um einiges bescheidener aus. Warum hatte neben all den tausend Diät-Programmen eigentlich noch niemand ein Buch über die HARTZ IV-Diät herausgebracht?, dachte ich grimmig. Das war wahrscheinlich endlich mal eine Hungerkur, die tatsächlich funktionierte.

Vor dem nächsten Problem stand ich, als ich eine Geburtstagseinladung von einer guten Freundin bekam. Für sie brauchte ich ein Geschenk. Nur was schenkt man, wenn einem am Tag nur knapp neun Euro zur Verfügung stehen, wovon man erst mal vier Euro allein für Essen abziehen muss? Ich fragte mich, was HARTZ IV-Empfänger ihren Freunden wohl zum Geburtstag schenkten? Konnten sie überhaupt etwas schenken? Ich war mir nicht sicher, aber da ich nicht mit ganz leeren Händen auf die Feier gehen wollte, beschloss ich, mich nach etwas Nettem und gleichzeitig Preiswertem umzusehen.

Normalerweise schenkte ich Bücher, CDs, Kinogutscheine, ein paar Ohrringe… Leider kostete das alles zwischen zehn und zwanzig Euro. So Leid es mir für meine Freundin tat, aber das war beim besten Willen nicht drin. Nicht weiter schlimm, dachte ich. Schließlich kam es auf die Geste an.

Meine Suche führte mich zuerst zu H&M. Doch dort fand ich nichts, was mir gefiel, geschweige denn wirklich günstig war. Die Sale-Artikel waren fast alle nur noch in XXL vorhanden oder teilweise so gruselig, dass mir sofort klar war, warum die Teile heruntergesetzt waren. Auch bei den Accessoires wurde ich nicht fündig. Ein simpler Armreif aus Holz mit ein paar lächerlichen Verzierungen – 9,95 Euro! Ich konnte auf einmal gar nicht mehr nachvollziehen, wie ich noch vor kurzem so leicht Geld ausgeben konnte. Jetzt schienen mir das auf einmal horrende Summen zu sein, unnötiger Luxus.

Weiter ging’s in die Drogerie. Doch auch Kosmetik gab’s leider nicht geschenkt. Und wonach sah schon ein kleines Lipgloss oder ein Mini-Nagellack aus? Ganz schön mickrig als Geschenk…

Nach ganzen zwei Stunden endete meine Geschenksuche schließlich in einem Buchladen. Dort entdeckte ich ein kleines, hübsches Kochbuch der „Mediterranen Küche“. Kostenpunkt: 2,99 Euro. Das war im Bereich des Machbaren. Zu Hause bastelte ich noch einen Gutschein dazu, der meine Freundin zu einem mediterranen Abend bei mir zu Hause einlud. Mit Rotwein, Käse und Oliven. Passte doch. Das Geschenk war persönlich und würde uns beiden einen netten Abend bescheren. So teuer waren eine Flasche Wein und ein paar Snacks ja schließlich auch nicht… Oder?

Insgeheim hoffe ich, dass meine Freundin den Gutschein erst nächsten Monat einlösen wird.

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[Foto: http://www.flickr.com/photos/judson/" titel="">http://www.flickr.com/photos/judson/ / http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" titel="">CC BY-SA 2.0]