Hartz IV-Blog: Aus zweiter Hand

Nora

359 Euro – so viel Geld hat ein alleinstehender Hartz IV-Empfänger monatlich zur Verfügung. Für unsere Autorin Nora ist der Hartz IV-Satz in diesem Monat eine finanzielle Herausforderung. Nach der ersten Eingewöhnungsphase sucht sie nach günstigeren Alternativen zu ihrem bisherigen (kostspieligen) Lebensstil während der Studentenzeit. Eine kleine Tour durch die Freiburger Secondhand-Landschaft.

Früher, in meiner Heimatstadt, war ich öfter auf dem Flohmarkt. Ich habe es geliebt, zwischen alten Büchern, Kassetten und CDs zu stöbern, mich durch Berge von Klamotten zu wühlen und dabei immer wieder auf kleine Schätze zu stoßen. Regelmäßig kam ich mit Tüten und Rucksäcken beladen nach Hause, breitete meine Fundstücke auf dem Fußboden meines Zimmers aus und freute mich, wie viele schöne und außergewöhnliche Dinge ich doch erstanden hatte – und das alles für sehr wenig Geld.


In Freiburg ist meine Flohmarktleidenschaft vorerst eingeschlafen. Das liegt wohl daran, dass ich bisher noch keinen regelmäßig stattfindenden Flohmarkt in der Stadt gefunden habe, der mich überzeugt hätte. Diesen Monat bedauere ich das ganz besonders. Ich bin gerade umgezogen und könnte noch einiges an Einrichtungsgegenständen für mein neues Zimmer gebrauchen. Und aufgrund meiner derzeitigen finanziellen Mittel darf das nicht viel kosten.

Auf der Website des 'Runden Tisch Freiburg' – einer Internetseite für Hartz IV-Empfänger und Menschen mit geringem Einkommen, auf die mich ein fudder-User aufmerksam gemacht hat – stoße ich auf einige Adressen verschiedener Secondhand- und Trödelläden. Dort werden vor allem Kleider, Bücher, Möbel und Haushaltswaren angeboten. Ist zwar kein richtiger Flohmarkt, aber dennoch scheinen mir die Geschäfte einen Besuch wert.

Mein erster Ausflug führt mich ins „hand2hand“ in der Oltmannstraße. Ein kleiner, auf den ersten Blick etwas uriger Laden mit allerlei Geschirr, Porzellan, Bücher, Kleider und Schmuck. Beim Taschenstand bleibe ich stehen. „Jede Tasche nur 2 Euro“, prangt dort auf einem Schild in großen roten Buchstaben. Ein guter Preis, leider ist aber nichts für mich dabei.

Dafür gefallen mir die Armreifen aus Holz und Metall. Die wiederum kosten sechs Euro. Noch vor ein paar Wochen hätte ich sie für diesen Preis sofort mitgenommen. Jetzt scheinen mir die sechs Euro plötzlich ziemlich viel Geld zu sein, für ein einfaches kleines Accessoire. Ich lege die Armreifen zurück ins Regal.

Möbel stehen im Laden selbst kaum, dafür gibt es aber eine recht große Auswahl im Lager, in das man durch die Holzwerkstatt über den Hinterhof gelangt. Mein Blick fällt auf ein solides Regal aus hellem Holz. Es kostet 18 Euro. Ich ärgere mich, dass ich mir bereits ein viel hässlicheres Regal für einen höheren Preis bei Ikea gekauft habe. Auch wenn ich bei diesem Besuch nichts kaufe – die Adresse ist vorgemerkt. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, ab und an mal reinzuschauen.

Weiter geht es zum nächsten Geschäft. Das Troc Internationalbezeichnet sich als „Europas größtes Second Hand Kaufhaus“. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen; die Auswahl an Möbeln, Lampen und Haushaltswaren, die man in der Verkaufshalle in der Ensisheimer Straße vorfindet, ist jedenfalls beachtlich. Zudem sind viele wirklich schöne Stücke dabei. Aber: Trotz Secondhand gar nicht billig. Mein Lieblingsstück - ein Lehnstuhl mit rotem Samtbezug - kostet über 100 Euro. Auch Klaviere gibt es, Waschmaschinen, Vitrinen und Wandschränke und eine große Auswahl an Decken- und Stehlampen. Hier würde man sicherlich einiges finden, aber nicht mit meinem derzeitigen Monatsbudget.

Richtig erfolgreich bin ich erst bei der letzten Adresse: Der „Umsonstladen“ in der Basler Straße verschenkt brauchbare Dinge und nimmt ebensolche an. Eine Art flexibles und ungezwungenes Tauschgeschäft also. Zwischen allerlei Ramsch werde ich am Ende tatsächlich fündig, als ich das Bücherregal entdecke: Ich entscheide mich für ein paar Klassiker von Max Frisch, Heinrich Böll und Günter Grass, die ich einfach so mitnehmen darf. Zudem kenne ich jetzt einen Ort, an dem ich Sachen abgeben kann, für die ich selbst keine Verwendung mehr habe. Äußerst praktisch.

Die Rennerei hat mich müde und durstig gemacht. Wieder in der Innenstadt angekommen, will ich instinktiv zum nächsten Starbucks gehen, um mir einen schönen, kalten, ach-so-von-mir-geliebten Frappuccino zu holen. Wobei – knappe 4 Euro für einen kleinen Becher sind schon ganz schön viel. Ich verkneife mir Starbucks und fahre nach Hause.

Am Abend treffe ich ein paar Freunde im Biergarten. Eine laue Sommernacht, es ist gesellig, und der Kaffee kostet hier nicht mal die Hälfte.