Harald Schmidt ignoriert "Ein Stück heile Welt"

Fabian

Die Idee der Freiburger Band "Ein Stück heile Welt" (Foto oben) hat was von Guerilla-Marketing: Harald Schmidt wird so lange genervt, bis er die vier Jungs zu sich in seine Sendung einlädt (die Badische Zeitung berichtete im Februar). Also schickten sie ihm vom 1. März bis zum 1. April an jedem Werktag eine CD mit einem neuen Song. Die einfache Formel: Möglichst viele nerven, um möglichst schnell berühmt zu werden. Ob dies geklappt hat, verrät uns Uli Gmeiner.



Dürfen "Ein Stück heile Welt" nun bei Harald Schmidt auftreten oder nicht? Uli Gmeiner, bei der Freiburger Band zuständig für die Trompete und alles was mit Tasten zu tun hat, verrät es uns.


Habt ihr irgendeine Reaktion von "Dirrty Harry" bekommen?

Uli Gmeiner: Nein, leider. Es kam noch gar nichts. Aber ein bisschen Hoffnung haben wir immer noch. Wir müssen jetzt schauen, wie wir da nachbohren können, um irgendeine Reaktion von Harald Schmidt zu bekommen. Die Zeitungen, an die wir unsere Songs auch geschickt haben, haben uns ein paar kleine Presente zukommen lassen. Aber die werden das Thema natürlich auch erst aufgreifen, wenn wir Erfolg mit unserer Idee haben.

Ihr habt jeden Tag einen anderen, extra für Schmidt komponierten Song geschickt. Hat sich dieser Aufwand trotzdem gelohnt?

Gmeiner: Auf jeden Fall. Die ganze Aktion war ein Riesenerfolg für uns. Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, auch von Leuten, die wir musikalisch schätzen. Durch die Medien kennt man uns jetzt in Freiburg. Außerdem haben wir als Band selbst viel gelernt, ich denke da jetzt zum Beispiel an den Umgang mit Midisounds oder auch an das Orchestrieren.

Habt ihr die ganze Sache eigentlich ernst genommen?

Gmeiner: Natürlich kann man so etwas nur mit einem Augenzwinkern machen. Wir sind ja auch alle Studenten und haben nicht die Zeit das richtig professionell aufzuziehen. Aber es ist trotzdem gut geworden und hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Und falls letztendlich doch ein Auftritt bei Harald Schmidt herauskommt... umso besser!

Und wie sollts jetzt weitergehen?

Gmeiner: Am 21. April geben wir im Auditorium in Freiburg ein Konzert, das den gebührenden Abschluss dieser Aktion darstellen soll. Dort wird man neben vielen Stücken, die wir Harald Schmidt geschickt haben, auch unser Standardprogramm hören. Das Konzert soll übrigens auf Video aufgenommen werden. Mit den Filmteam geht's dann am nächsten Tag gleich nach Spanien, wo wir ein Musikvideo für unser Lied "Anne-Sophie" einspielen wollen. Zusammen mit dem Auftritt wird das dann so eine Art Dokumentation geben.




  • Die Songs von "Wertekanon des Abendlandes" könnt Ihr Euch als mp3  auf wertekanon.de anhören.
  • Zu hören sind "Ein Stück heile Welt" am Freitag, 21. April im Auditorium der Jazz- und Rockschule.

Bandinfo:

"Ein Stück heile Welt" ist Kennern der Freiburger Musikszene spätestens seit dem Erfolg beim Bandwettbewerb "Rampe 05" ein Begriff. Doch die regionale Bekanntheit reicht ihnen nicht. Sie wollen groß rauskommen und haben sich deshalb Deutschlands berühmtesten Late-Night-Talker Harald Schmidt ausgesucht. Aber auch, weil er der "Moralapostel der Nation" ist, kein Blatt vor den Mund nimmt und die "Missstände"aufdeckt, heißt es auf ihrer Homepage. Eben deshalb nennen sie ihre Liederkampagne "Wertekanon des Abendlandes". Das passt zu Schmidt.

Jeder der 24 Titel behandelt eine Tugend (Unbestechlichkeit, Verschwiegenheit, Nächstenliebe etc.) und wird mit ein paar netten Sätzen verdeutlicht. Musikalisch sind sie am ehesten zwischen Element Of Crime und Kettcar einzuordnen. Dass sie Sinn für Humor haben, beweisen sie mit "Respekt" (Tag 20). Die elektronischen, stampfende Beats, die mit der dunklen Stimme Konrad Bechlers und der Textzeile "Das ist, was du kriegst, wenn du mit uns herumspielst" kombiniert werden, verheißen nichts Gutes und lassen an Rammstein erinnern - ein bisschen Angst macht sich breit.

Doch kurze Zeit später hört man eine Orgel fröhlich "Azzuro" anstimmen und schallendes Gelächter ist zu hören. Gerade noch mal Glück gehabt! Stücke wie dieses sind es, die "Wertekanon des Abendlandes" empfehlenswert machen.