Jubiläum

Happy Birthday! Schwulesdance feiert am Samstag 25. Geburtstag

Carolin Buchheim

Für Schwule und Lesben in der Region ist sie ein Pflichttermin: Einmal im Monat trifft sich die Szene bei Schwulesdance in Freiburg. Warum hat die Party des Vereins Rosa Hilfe überlebt?

Die Veranstalter glauben: Weil die Stimmung so familiär ist. Und weil man in einer Stadt mit kleiner schwullesbischer Szene eben auch in Zeiten von Dating-Apps wie Grindr noch echte Szenetreffpunkte braucht.


Eine Party, die mehr ist, als eine Party

Auf der Maiparty ist es passiert. Ein junger Schwuler Anfang Zwanzig war zum ersten Mal bei Schwulesdance. Doch nach der ersten Runde durch den Waldsee-Saal lief er gleich wieder raus. "Jemand aus dem Team ist dann hinterher", sagt Stefan Zimmermann. "Er war Flüchtling aus Syrien. Eine offene schwullesbische Szene hatte er noch nie gesehen. Da war’s ihm ein bisschen zu viel." Der Gast kam zurück zur Party, traute sich zu feiern – und bedankte sich am Ende des Abends dafür, wie toll die Party gewesen sei.

Für Zimmermann, der Schwulesdance seit 13 Jahren organisiert, ist das einer dieser Momente, in denen er merkt: Hier geht’s immer noch um mehr, als nur um Feiern. Es geht auch um Selbstverwirklichung und Gemeinschaft, um Ankommen in der eigenen Identität.

Das war vor 25 Jahren noch viel mehr Thema. "Anfang der 90er dominierte das Thema AIDS die Schwulenszene", sagt Robert Sandermann. "Die Rosa Hilfe, Freiburgs schwuler Selbsthilfe-Verein, wollte mit einer Partyreihe Aufklärung betreiben und Geld für die Beratung erwirtschaften." Die erste Schwulesdance-Party fand im Herbst 1992 statt. "Vorher hatte es schon einige Male eine Party mit dem Namen ’Tanz der Elche’ im Waldsee gegeben", sagt Sandermann, damals als Gast dabei und seit 1993 immer wieder als DJ am Start. "Deswegen ging die Rosa Hilfe aufs Waldsee zu."

"Die Party hat eine eigene Seele, sie ist sehr familiär." Stefan Zimmermann
Schwulesdance wurde im Laufe der Jahre Szenetreffpunkt, Coming-Out-Ort, Ausprobier-Location, Ankerpunkt. Letztere sind heute für Schwule und Lesben in Freiburg rar geworden, eine schwule Disko gibt es etwa seit zehn Jahren nicht mehr. "Die Party hat eine eigene Seele, sie ist sehr familiär", sagt Zimmermann. "DJs aus Großstädten sind verwundert, wie gut die Stimmung bei uns ist."

Einmal ließ ein Partyveranstalter sich in einer Badewanne voll Götterspeise reintragen

In den ersten Jahren waren die Partys prunkvolle Ereignisse – bei denen ab und zu der Strom ausfiel. Das Team baute stundenlang auf, dekorierte den Saal. "Zu jeder Party gehörte damals eine Surprise", sagt Achim Schönwiese vom Waldsee. Die Überraschungen waren kleine Performances, die immer top secret waren. "Einmal ließ sich der damalige Verantwortliche Axel in einer durchsichtigen Badewanne voller Götterspeise in den Raum tragen."

Heute gibt’s keine Einlagen mehr – und viel Deko ist auch nicht mehr notwendig. "Der vor einigen Jahren renovierte Saal ist mit seinen Kronleuchtern ja schon wunderschön genug", sagt Stefan Zimmermann. Specials gibt’s trotzdem noch, Auftritte glamouröser Drag-Gäste wie Olivia Jones oder Gloria Viagra oder eine Party am Abend des Eurovision Song Contest mit Käseigel und Großleinwand. Die Eurovision-Sause ist eine recht neue Tradition. "Das gibt’s erst seit 2007", sagt Zimmermann.

Eins hat sich in all den Jahren aber nie geändert: Den Sekt verkauft Schwulesdance selbst, die Einnahmen gehen an die Rosa Hilfe. Damit kann Achim Schönwiese bestens leben – er hat für seine Stammparty nur Lob übrig. "Unsere Crew arbeitet sehr gerne bei Schwulesdance, weil es immer gut gelaunt und entspannt ist", sagt er. Einmal tauchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar in selbst gestalteten Schwulesdance-Tribute-T-Shirts auf. "Sie mögen, dass es hier eigentlich nie Stress gibt,", sagt Schönwiese.

Das führe auch dazu, dass nicht nur LGBTQI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Queers und Intersexuelle) die Party besuchen, sondern auch viele Hetero-Frauen "Die können sich sicher sein, hier in Ruhe einfach mal tanzen zu können, ohne von Männern genervt zu werden", sagt er. Susanne Möbius mochte die Party gar so gerne, dass sie heute zum Orga-Team gehört: "Hier wird jeder einfach angenommen, wie er ist."

Geburtstag mit 90s Flair

Der 25. Geburtstag wird am Samstag mit einer 90er-Party gefeiert – Retro-Dress, am besten der Sorte"Bad Taste", ist dringend erwünscht. Dem Träger oder der Trägerin des schlimmsten Outfits winken Preise, unter anderem ein Dauerticket für das gesamte 26. Partyjahr von Schwulesdance. Weiterfeiern – die beste Art, eine Party am Leben zu erhalten.
Die Party

25 Jahre Schwulesdance
90er Special mit DJ Matthew Black,
Samstag, 26. August 2017, 22 Uhr,
Waldsee, Waldseestraße 84, Freiburg.
schwulesdance.com