Hamsterkäufe an der Ostsee

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es Anfang des Jahres 2004 in vielen EU-Beitrittsländern zu Hamsterkäufen kam? In den meisten Fällen war der Grund die Angst vor plötzlichen Preissteigerungen. Doch in Lettland war ein Grundnahrungsmittel über Wochen hinweg aus einem ganz anderen Grund ausverkauft.

In dem Baltischen Staat lieben es viele Menschen, selbst gefangene Fische auch selbst zu pökeln, also mit Salz haltbar zu machen. Als es nun auf den Beitrittstermin am 1. Mai 2004 zuging, ging eine Meldung durch die lettische Presse, in der EU wäre nicht-jodiertes Speisesalz verboten. Bei einer Organisation, die über die Dicke von Gurken und den Krümmungswinkel von Bananen ellenlange Richtlinien verfasst, war dies durchaus glaubwürdig.


Also deckten sich viele Letten noch vorratsweise mit dem richtigen Salz ein, um ja nicht auf ihre geliebten Fischspezialitäten verzichten zu müssen. Als sich diese EU-Vorschrift als Ente entpuppte, gab es auch wieder Salz verschiedenster Sorten in den Supermärkten zu kaufen.