Hallo, Herr Postbote!

Felix Lüttge

Freiburger Postboten können aufatmen. Die Zahl der Briefträger, die von Hunden gebissen wurden und dabei so schwere Verletzungen erlitten, dass sie mindestens einen Tag nicht arbeiten konnten, ist zurückgegangen. Was ist mit unseren Hunden los? Eine Glosse.



Ganze 50 Zusteller weniger, um im Jargon der Post zu bleiben, sind im Jahr 2006 von Hunden mehr oder minder gründlich zerfleischt worden. 660 Hundeopfer waren es 2005 und nur 610 im vergangenen Jahr. Deutschlandweit können die Gelbblauen jetzt mit sieben Prozent weniger Schiss zur Arbeit gehen. Das zuvorkommende Hundeverhalten verursacht der Post nur noch 7154 statt 7607 Ausfalltage.




Woran liegt’s?

Alle Briefträger bekommen bei Diensteintritt ein Faltblatt, das sie theoretisch auf das Hundeszenario vorbereitet. Noch besser trifft es die Azubis. Denen bietet die Unfallschutzkasse der Post ein Training in Hundeschulen für das Treffen mit dem Teufel höchstpersönlich an. Bei diesen Seminaren erscheinen die Azubis in Uniform auf dem Gelände einer Hundeschule.

Dort müssen sie sich den scharfen Kötern stellen, die auf sie losgelassen werden. Gerne würde die Post dieses Training flächendeckend anbieten, doch ist sie in diesem Falle auf die Kooperation der Hundeschulen angewiesen.

Die Zahl der Zusteller, die in den Genuss einer praktischen Kampfvorbereitung kommt, ist deshalb „nicht in Prozenten auszudrücken“. Das behauptet jedenfalls Friedrich Buttgereit von der Deutschen Post in NRW. Buttgereit ist zum „Telefonexperten“ für Zank zwischen Postboten und Hund aufgestiegen. Wau!



Buttgereit sieht einen weiteren Grund für den Rückgang der Beissereien zwischen Hund und Zusteller darin, dass die Post den Dialog zu ihren Hunden, äh, Kunden sucht.

Die Post darf ihre Arbeitnehmer nicht zwingen, sich in Gefahr zu begeben. Beschwert sich also ein Postbote bei seinem Konzern, weil er sich wegen eines dieser Biester nicht aufs Grundstück traut, wird Mama Post aktiv. Per Telefon, wenn nötig sogar mittels eines (gepanzerten?) Hausbesuchs, bittet die Post den Hundehalter, den Hund vom Boten fernzuhalten.

Meistens führt das zu Einsicht. Wenn nicht, so droht die Post, bekommen Frauchen und Herrchen ihre Briefe und Pakete nicht mehr zugestellt. Dass diese Drohung wahr gemacht werden musste, hat Friedrich Buttgereit aber in seinen 46 Dienstjahren noch nicht erlebt.