Vorwürfe gegen die Polizei

Hätte die Vergewaltigung einer 18-Jährigen durch acht Männer verhindert werden können?

Daniel Laufer & Joachim Röderer

Im Fall der Gruppenvergewaltigung in Freiburg war drei Tage vor der Tat gegen den Hauptverdächtigen Majd H. wegen anderer Straftaten ein Haftbefehl erlassen worden.

Der Haftbefehl konnte jedoch zunächst nicht vollstreckt werden, weil laut Aussage von Polizei und Staatsanwaltschaft der Aufenthaltsort des 21-jährigen Syrers unbekannt war und weil die Ermittler noch einen Durchsuchungsbeschluss abwarten wollten.


Die Ermittlungsbehörden wehren sich nun gegen den Vorwurf, nicht schnell genug reagiert zu haben, nachdem der Haftbefehl ausgestellt worden war. Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Dienstag den genauen Zeitablauf veröffentlicht. Wegen eines anderen anhängigen Verfahrens gegen Majd H. hatte die Staatsanwaltschaft am 5. Oktober einen Haftbefehl beantragt, der am 10. Oktober vom Amtsgericht erlassen wurde.



Am nächsten Tag wurde er an das Polizeipräsidium überstellt. Das Fahndungsdezernat wurde mit dem Vollzug beauftragt. Es ging auch um weitere "strafprozessuale Maßnahmen". Dazu zählen zum Beispiel Durchsuchungsbefehle, Haftfragen, Observationen oder Telefonuntersuchungen, wie Oberstaatsanwalt Michael Mächtel erklärt. Bei Majd H. ging es nach BZ-Informationen um einen Durchsuchungsbefehl.

In der Nacht auf den 14. Oktober, also bereits zwei Tage nachdem der Haftbefehl bei der Polizei auf dem Tisch gelegen hatte, kam es zu der Gruppenvergewaltigung bei der Hans-Bunte-Disko. Majd H. soll das Opfer angesprochen, aus der Disko geführt und als Erster missbraucht haben. Im Polizeicomputer befindet sich eine lange Liste mit Straftaten. H. soll in dem Club auch mit Drogen gedealt haben.

Nach Recherchen der Bild-Zeitung wird ihm zudem vorgeworfen, in diesem Sommer vor einem Freiburger Freibad einen Behinderten mit einem Baseballschläger niedergeschlagen zu haben. Er soll auch zwei minderjährige Mädchen sexuell belästigt haben. Tatsächlich festgenommen wurde der Hauptverdächtige dann am Sonntag vor einer Woche – und zwar nicht in seinem WG-Zimmer im Freiburger Westen, sondern vor der Wohnung seiner Eltern.



Die Staatsangehörigkeit der Verdächtigen veranlasste die AfD dazu, am Montagabend mit nach Polizeiangaben 550 Menschen in der Innenstadt zu demonstrieren. Rund 2000 Gegendemonstranten versuchten immer wieder, den Protestzug der Rechten zu blockieren. Während und nach der Veranstaltung kam es zu vereinzelten Auseinandersetzungen. Aktuell laufen zwei Ermittlungsverfahren gegen Polizisten und sechs gegen Gegendemonstranten.

In mindestens einem weiteren Fall wurde inzwischen Anzeige erstattet: Ein Teilnehmer der AfD-Demo behauptet, seine Frau und sein Sohn seien von Vermummten mit Schlagstöcken angegriffen worden. In den sozialen Medien haben Rechte indes die Nachricht gestreut, es hätten "Bürgerkriegszustände" geherrscht. Davon sei Freiburg meilenweit entfernt gewesen, so die Polizei.