Hände auf die Decke!

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was gegen Onanie hilft? Heutzutage hält es keiner mehr für nötig, etwas gegen diese Angewohnheit zu tun. Doch zur vorletzten Jahrhundertwende galt das Handansichlegen als Verirrung, wenn nicht gar als krankmachend. Damals erschien das Buch "Die Frau als Hausärztin" , in dem eine studierte Medizinerin viele Tipps zu Familienleben, Kindererziehung, Ernährung, Gesundheit und Hygiene gab. Eines der interessantesten Kapitel beschäftigt sich darin mit dem Tabuthema Masturbation.

Im Jahr 1901 veröffentlichte die Ärztin Dr. med. Anna Fischer-Dückelmann ihren Hausfrauenratgeber. Schon zwölf Jahre später durchbrach die Auflage die Millionenmarke, in den 30er Jahren waren bereits über 3 Millionen verkauft.


Das eigentlich revolutionäre an dem Buch waren die einerseits sehr sachlich beschriebenen, aber doch mit sehr katholischen Moralvorstellungen bewerteten Themen der Sexualität. Das Kapitel über die Onanie beschreibt kurz, wie dabei vorgegangen wird, und sehr ausführlich, wie dagegen vorzugehen ist:

Besonders heranwachsende Kinder soll man demnach von unzüchtigen Bildern, dem Romanlesen und Theaterstücken fernhalten und die Eltern müssen sich in Gegenwart der Kinder auch in ihrere Rede zügeln, damit diese nicht dieses verbotene und häßliche Verhalten an den Tag legen und zu "züchtigen Menschen" erzogen werden können.

Haben die unzüchtigen Gören sich doch mal mit der Hand in der Hose erwischen lassen, gibt sie auch Tipps, wie das in Zukunft zu verhindern ist: Vom klassischen "Hände auf die Bettdecke" über das Anziehen geschlossener Stoffsäcke bis zur Empfehlung spezieller Apparate gibt es diverse Akutbehandlungen. Vorbeugend wirken Sport, Sitzbäder, lange Spaziergänge oder fleißige Arbeit. Auf keinen Fall aber soll man die Kinder schlagen oder ängstigen, das mach alles nur schlimmer.

Dennoch gibt es auch noch im Erwachsenenalter Onanisten, die teilweise nicht mehr behandelbar sind. Bei allen betroffenen Altersgruppen gibt es nach diesem "Goldenen Familienbuch" nur eine wirklich Zuverlässige Heilung: Die Ehe.