Hä?

Fabi & Carolin Buchheim

"Jeder vierte Jugendliche hat einen Hörschaden". Das glaubt zumindest die Deutsche Gesellschaft für Akustik am heute deklarierten 'Tag gegen den Lärm'. Schuld daran sei vor allem das Hören lauter Musik. BOGY-Praktikant Fabian hat sich von einer Fachfrau erklären lassen, wie Hörschäden entstehen und ob man mit Gehörschutz in die Disko muss. Ein paar schicke Hörgeräte gab es auch zu sehen.



Ein Gespräch mit Hanna Franz, Auszubildende zur Hörgeräteakustikerin bei Hörgeräte Huber.


Hanna, heute hat die Deutsche Gesellschaft für Akustik erklärt, dass immer mehr Jugendliche an Hörschäden leiden. Bestätigen Deine Erfahrungen diese Aussage?

Die große Welle an Jugendlichen mit Hörschäden ist noch nicht gekommen, aber das liegt daran, dass sich Hörschäden über längere Zeiträume entwickeln. Jugendliche, die jetzt regelmäßig in Diskos gehen, in viel zu lauter Umgebung sind oder mit dem iPod zu laut Musik hören, werden erst in ein paar Jahren Schäden davon tragen, ein Hörgerät brauchen und zu uns kommen. Viele begeben sich freiwillig in Situationen, in denen es definitiv viel zu laut ist. Was wir schon jetzt bemerkt haben, ist, dass immer öfter Jugendliche zu uns ins Geschäft kommen, die gerne mal einen Hörtest machen möchten. Es kommen auch immer mehr Jugendliche, auch schon 14 und 15-jährige, die gezielt nach einem hochwertigen Gehörschutz fragen.

Gibt es heute mehr Hörschäden bei Jugendlichen als bei alten Menschen? Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Bei Jugendlichen ist es schlimmer geworden, denn sie sind mehr Lärm ausgesetzt als früher. Bei den Alten und bei Arbeitern, die früher häufig durch Arbeitslärm Hörschäden erlitten haben, ist es vielleicht sogar besser geworden, weil in den Betrieben Schutzmaßnahmen Pflicht sind.



Also ist Lärm der Hauptgrund für Hörschäden? Kommt es da allein auf die Stärke des Lärms an oder hat auch die Dauer der Lärmbelastung etwas damit zu tun?

Die Summation macht den Hörschaden aus, also Lautstärke und Dauer der Lärm-Belastung. Wenn ich einmal einer lauten Umgebung ausgesetzt bin, ist das zwar nicht gut für mich, aber ich habe ich davon keinen bleibenden Schaden; es sei denn, es ist so laut, dass ich ein Knalltrauma erleide. Der Körper kann sich von Lärm erholen. Wenn ich aber jedes Wochenende in der Disko mit hoher db-Belastung abhänge, wenn ich außerdem ins Kino gehe, in dem teilweise auch sehr laut ist und wenn ich in jeder freien Minute über Ohrstöpsel-Kopfhörer Musik auf dem mp3-Player höre, dann tritt eine Schädigung ein, weil der Körper sich nicht erholen kann. Ohrstöpsel-Kopfhörer sind besonders problematisch, denn der Kopfhörer sitzt ja quasi direkt auf dem Trommelfell.

Wie merkt man denn, dass man einen Hörschaden hat? Fällt das einem selber auf oder bemerkt das eher das Umfeld?

Meistens merkt man das selbst zuerst. Für jemanden, der schlecht hört, ist es zum Beispiel sehr schwer, wenn man in einer Gruppe sitzt und mehrere Leute durcheinander reden. In diesem Stimmengewirr versteht jemand mit Hörschaden dann kaum noch etwas. Am Telefon oder beim Fernsehgucken merkt man es sonst auch oder wenn man einfach öfter nachfragen muss im Gespräch.

Wie kann man Gehörschäden vermeiden? Muss ich mit Ohrstöpsel in die Disko, auf ein Konzert?

Zum einen sollte man Lärm meiden. Aber wenn das nicht geht oder man das nicht will, wie in der Disko, dann empfiehlt sich Gehörschutz. Ich würde nicht unbedingt normale Ohrstöpsel empfehlen, denn man kann sich individuellen Gehörschutz anfertigen lassen (Bild unten). Dafür werden Abdrücke von den Ohren gemacht und so ein Gehörschutz sitzt und schützt dann wirklich gut. Viele haben Angst, mit Gehörschutz die Musik nicht mehr so gut zu hören, aber in individuellem Gehörschutz ist ein Filter eingebaut, der zwar die Lautstärke dämpft, aber das Klangbild nicht verzerrt.



Individuell angefertigter Gehörschutz ist bestimmt teuer, oder? Gibt es noch einen Mittelweg zwischen Ohrstöpseln und individuell angefertigtem Gehörschutz?

Individueller Gehörschutz mit einem Filter bekommt man so ab 170€. Es gibt auch schon ab 30€ ordentlichen Gehörschutz mit Filter, der ist besser als einfache Ohrstöpsel.

Was kann ich tun, wenn ich dann doch einen Hörschaden habe? Welche Hörgeräte gibt es für Jugendliche?

Es gibt mittlerweile sehr diskrete Hörgeräte, die kaum noch auffallen, gerade wenn Mädchen lange Haare haben. Hörgeräte werden immer kleiner, denn die Technik wird immer kleiner und besser. Es gibt aber auch Jugendliche, die voll und ganz zu ihren Hörgeräten stehen und sich ganz bunte Hörgeräte anfertigen lassen, mit bunten Plastiken dran (siehe Bild unten; Papageien-Plastik) oder Straßsteinen. Die tragen ihre Hörgeräte dann als Schmuck.



Was sind die besten Errungenschaften in der Hörgerätetechnik der letzten Jahre?

Der Hörer des Geräts ist mittlerweile ausgelagert; es gibt die Variante der offenen Versorgung, das bedeutet, man hat keine richtige Plastik sondern nur noch so einen kleinen Schlauch im Ohr liegen. Das ist wirklich viel diskreter als früher. Auch an der Technik selbst hat sich viel verändert, gerade im Hören. Hörgeräte haben heute verschiedene Programmmöglichkeiten und erkennen auch Störlärm, also Nebengeräusche, die man nicht hören möchte; zum Beispiel die Straßenbahn, die gerade hier vor dem Geschäft vorbei fährt.



Mehr dazu:

  • International Noise Awareness Day: Website

Werbespot zum Tag gegen den Lärm (.mov)