Hacky-Sack-Meisterschaft in Schmitz Katze: So war das German Footbag Open

Julia Gross

Footbag-Künstler aus ganz Europa kamen am Wochenende nach Freiburg. Über 40 von ihnen haben mitgemacht beim German Footbag Open. Am Samstagabend dann fand in Schmitz Katze das große Freestyle-Finale statt:



Bei den German Footbag Open am Samstag haben sich junge Künstler verrenkt, um ein kleines Stoffsäckchen möglichst elegant auf den Füßen hüpfen zu lassen. Mehr als 40 der besten Footbag-Artisten aus ganz Europa sind beim Wettbewerb, ausgerichtet von Grundschullehrer Tim Heun (32), dabei gewesen – zum Freestyle-Finale am Abend in Schmitz Katze haben sich genau sechs qualifiziert und auf der Bühne ihre spektakulärsten Tricks gezeigt.


Es kitzelt in der Nase: In Schmitz Katze riecht es an diesem Abend nach Schweiß und künstlichem Nebel aus der Maschine, aus den Lautsprechern tönt Rock 'n' Roll. Jendrik Schröder steht in ärmellosem Shirt und kurzen Hosen vor der Bühne und wärmt sich auf. Bevor es richtig losgeht, will der 35-jährige Footbag-Spieler noch ein bisschen üben. Seit über zehn Jahren spielt Schröder das Spiel, das manchem vom Schulhof als "Hacky Sack" bekannt sein dürfte. Für das Turnier heute hat er einen Monat lang intensiv trainiert. "Nervös bin ich aber trotzdem", sagt der Berliner und wirft seinen 60 Gramm schweren Stoffsack – gefüllt mit Edelstahlgranulat – in die Luft.

Neben ihm steht Veranstalter Tim Heun, der die "Bag" gekonnt auf seinem Sportschuh landen lässt. An diesem Abend wird Heun als Spieler zwar nicht auf der Bühne stehen, seinen eigenen Footbag hat er aber trotzdem dabei: "Den hat jeder Spieler eigentlich immer in der Hosentasche", sagt er schmunzelnd. Heun richtet den Wettbewerb zum ersten Mal aus, er selbst spielt seit 12 Jahren und ist vom Sport nach wie vor begeistert: "Es erfordert Konzentration, beansprucht viele Muskeln und macht einfach glücklich." Das Turnier, das bereits am Mittag begonnen hat, besteht aus zwei Disziplinen: Beim Footbag-Netz, das dem Beach-Volleyball nahekommt, geht es darum, den kleinen Stoffsack ins gegnerische Feld zu schmettern – benutzt werden dürfen nur die Füße.

Das Footbag-Freestyle, das sein Finale nun in Schmitz Katze findet, verbindet künstlerische und technische Elemente. "Ähnlich wie beim Eiskunstlaufen gibt es eine zweiminütige Kür, bei der die Spieler überzeugen müssen", erklärt Heun. Wie diese abschneiden, das entscheidet an diesem Abend eine dreiköpfige Jury. Matthias Schmidt, Christoph Alexander und Marc Inzinger werden vor allem darauf achten, dass die Footbag-Spieler so wenig "Drops" wie möglich machen, "die Bag also möglichst selten fallen lassen", erklärt Heun. Wer den Wettbewerb gewinnt, sei aber eigentlich gar nicht so wichtig. "Es geht darum, Spaß zu haben und seine Tricks zu zeigen."

Handy-Video


Tim Heun will den Sport bekannter machen. "Es ist allerdings schwierig Leute anzulocken." Dass er damit nicht ganz Unrecht hat, wird deutlich, als es losgeht: Nur einige wenige Besucher haben sich im Raum versammelt und gucken zu, als Marco Hartig als Erster auf der Bühne steht. Die Musik wird lauter und Hartig schleudert den Ball über sich, nimmt einen zweiten dazu und bringt beide abwechselnd in die Luft. Burghard Flieger (62), einer der Zuschauer, ist begeistert: "Ich finde diesen Sport wirklich spannend und das, was die Jungs da zeigen, ist beeindruckend." In der Tat: Wer ein guter Footbag-Spieler sein will, muss nicht nur geschickt sein, sondern muss sich auch regelrecht verbiegen können. Es sieht schmerzhaft aus, wie die Spieler ihre Füße abklappen, um die Säckchen zu kicken. Und wer mit den Athleten spricht, merkt schnell, wie viel Arbeit dahinter steckt. Im Sommer dienen Parks und Pausenhöfe als Trainingsgelände. Doch wer die schwierigsten Tricks beherrschen will, muss in der Halle trainieren.

Auch Christiane Heun, die Mutter des Veranstalters in der ersten Reihe hat sichtlich Spaß. "Der Sport erfordert viel Disziplin und Ausdauer. Das haben die Jungs ganz toll gemacht", sagt sie.

Footbag

Das Spiel wurde in den 1970er Jahren von den US-Amerikanern John Stalberger und Mike Marshall zum ersten Mal gespielt. Ein kleines, mit Granulat oder Sand gefülltes Säckchen wird mit den Füßen in der Luft gehalten. Der Ball, oft auch Hacky-Sack genannt, hat laut Vorgabe der International Footbag Players Association einen Durchmesser von etwa 2,5 bis 6,3 Zentimeter, ist aus mehreren Teilen, den sogenannten Panels, aus Leder, Leinen oder Kunststoff zusammengenäht. Das Gewicht liegt zwischen 20 und 70 Gramm. Für das Spiel am Netz wird ein prall gefüllter Ball (bis zu sechs Zentimeter Durchmesser) verwendet, für andere Disziplinen werden weniger stark gefüllte Säckchen bevorzugt.

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[Fotos: Rita Eggstein, Video: Julia Gross]