Hacke, Spitze, zwei zu eins

Dirk Philippi

Bitte machen Sie das nicht nach! In einer "Dancing on ice"-Show zu Gunsten der Aufbauhilfe "Niederbayern" bezwangen gestern Abend die Wölfe Freiburg vor 1400 Zuschauern den Tabellenletzten aus Passau mit 2:1. In einem Spiel der humoresk-fatalen Art absolvierte der tschechische Puckzauberer Roman Kadera sein erwartet beeindruckendes Heimdebüt und musste aber mit ansehen, wie manche seiner Mitspieler gar nicht so schnell denken und laufen können wie er trickst.



„Hey, da spielen die Harlem Globetrotter auf dem Eis“, frotzelte in der Pause nach dem ersten, torlosen Drittel ein Stadionbesucher, bevor er herzhaft in seine Stadionwurst biss. Und so abwegig war der Gedanke nicht einmal, wenn man davon absieht, dass die berühmte Basketball-Showkombo ihre Spiele stets auch im Ergebnis deutlich dominiert. Nun ging es gestern ja aber auch um Eishockey. Und dabei schien die Anwesenheit von Neuzugang und Eishockey-Schöngeist Roman Kadera seine Mitspieler gleich reihenweise spieltrunken gemacht zu haben. Da ein Pass mit der Schlittschuhhacke, hier ein Kringel vor dem Slot und dort ein copperfieldscher Schussversuch durch die massiven Leiber hoffnungslos unterlegener Passau-Verteidiger hindurch. Wunderschön anzusehen, aber brutalst fahrlässig, mit mehr Effizienz ("Die Dinge richtig tun") als Effektivität („Die richtigen Dinge tun").


„Wenn wir so weiter spielen, dann verlieren wir dieses Spiel“, will Trainer Peter Salmik in der Kabine gesagt haben, und angesichts des gnadenlosen Einbahnstraßenhockeys auf das Gehäuse des guten slowakischen Tormanns der Gäste, Jozef Ondrejka, mag die Warnung einigen Wölfe-Cracks wohl wie ein schaler Witz vorgekommen sein. So stand Robert Hoffmann auch in den folgenden Minuten mehr neben als bei sich, Petr Mares wähnte sich wohl noch in der Puck-Handling-Competition des Allstargames und Roman Kadera wirbelte immer und immer wieder mit den Armen, zeigte seinen Mitstreitern Laufwege an und schüttelte vermehrt ungläubig den Kopf. Doch gerade als man denken konnte, dass der begnadete Techniker zu resignieren drohe, da lief die Scheibe in Überzahl einige Male so, wie es der neue Kopf des Teams geplant hatte. Zuerst hämmerte der verbesserte Turo Virta das Gummi mit Gewalt in die Maschen, dann – zu Beginn des Abschlussdrittels – Ondrejka mitten auf den breiten Latz, so dass Kadera selbst nur noch abzustauben brauchte.

Dass Peter Salmik nach Spielende seine Jungs dennoch ordentlich fönte und in der Pressekonferenz (Anm.: Audiodatei unten) vor dem Verspielen der Playoff-Teilnahme (nicht etwa des Playoff-Heimrechts!) warnte, war der Situation geschuldet, dass seine Mannschaft trotz des insgesamt höhnischen 2:0-Vorsprungs beinahe doch noch in Schönheit „gestorben“ wäre. Acht Minuten vor Ultimo sprangen drei Blau-Weiß-Rote auf einen Gegenspieler wie auf einen Sarasani-Tiger, der legte quer und schon stand die Partie auf der Kippe zum vollends absurden Theaterstück. Hätte Dustin Hughes wenigstens einen seiner drei völlig freistehenden Mitspieler vor Ronny Glaser gesehen (…) – man darf gar nicht daran denken.

So bleiben immerhin drei wichtige Punkte, fünf Zähler Vorsprung auf Platz drei sowie die Erkenntnis, dass die „neuen“ Wölfe das vielleicht spielstärkste Team der Oberliga sind. Wie erfolgreich dieses ist, wenn es ernst macht, darauf wartet die Freiburger Eishockeygemeinde gespannt am kommenden Sonntag, beim Spitzenspiel gegen den Tabellenführer aus Bad Tölz – voraussichtlich erneut mit Roman Kadera, mit Rekonvaleszent Josef Kottmair, der gestern bereits einige Wechsel Eiszeit bekam, und hoffentlich mit mehr Ernsthaftigkeit und wirkungsvollerer Zauberei als zuletzt.