Interview

Haben die Glocken bei der AfD-Kundgebung absichtlich geläutet, Pater Markus?

Anika Maldacker

Kurz vor 20 Uhr, mitten in der AfD-Kundgebung am Rathausplatz am Montag läuteten die Kirchenglocken von St. Martin. Eine absichtliche Störung, sagen die Protestler. Pater Markus Fischer, leitender Pfarrer, verweist auf das 20-Uhr-Gebet – und schmunzelt. Das Licht im Kreuzgang hat er aber absichtlich gelöscht.

Pater Markus, in den sozialen Netzwerken gab es im Laufe und nach der Demo das Gerücht, dass die Kirchenglocken von St. Martin absichtlich geläutet hätten, um die Kundgebung der AfD auf dem Rathausplatz zu stören. Was ist dran?

Pater Markus: Die Glocken haben gegen 19.55 Uhr geläutet, weil wir um 20 Uhr in der St. Martinskirche eine Gebetszeit hatten. Bei bestimmten Gebetszeiten, nicht immer, wird zehn bis fünf Minuten vor Beginn eingeläutet. Das Glockengeläut dient aber nicht nur dem Einläuten für das Gebet, sondern auch als Mahnung für Menschlichkeit und Frieden. Beim Gebet haben wir auch dafür gebetet, dass die Demonstrationen friedlich verlaufen.

Kann man das Glockengeläut wegen bestimmter Anlässe ausfallen lassen?

Pater Markus: Ja, die gibt es. Wenn vor dem Rathaus am Silvesterabend eine Bläsergruppe spielt, verzichten wir auf das Einläuten. Es gibt Absprachen, das Glockengeläut ausfallen zu lassen.

Außerdem war gestern das Licht im Kreuzgang erloschen, was unüblich ist. Gibt es dafür einen Grund?

Pater Markus: Die Demonstranten hatte sich spannend positioniert. Die Redebeiträge wurden im Eck zwischen Martinskirche und Kreuzgang gehalten, nicht wie ich angenommen hatte direkt vor dem Rathaus, dem politischeren Ort. Ich habe mich dann dazu entschieden, das Licht im Kreuzgang auszuschalten, weil ich finde, dass wir die Kundgebung dieser Partei nicht mit Beleuchtung unterstützen sollten. Persönlich und als Vertreter der katholischen Kirche stehe ich entschieden gegen Verbrechen wie jenes, was sich vor rund zwei Wochen hier ereignet hat. Das Ereignis ist schwierig in der Bevölkerung zu vermitteln, auch weil es einen nicht vollzogenen Haftbefehl gab. Doch ich bin mit den Positionen der AfD nicht einverstanden. Daher ging das Licht im Kreuzgang gestern Abend aus. Wir müssen auch Strom sparen.

Inwiefern waren Sie selbst oder Ihre Gemeindemitglieder von den Demos betroffen?

Pater Markus: Die Gebetsgruppe und eine zweite Gruppe, die sich in den Räumlichkeiten der Gemeinde traf, kamen wegen der Demo und den Absperrungen fast nicht in St. Martin hinein. Wir mussten sie über die Hintereingänge hinein- und herauslassen. Verschiedene Gruppen wie der Kirchenchor mussten außerdem ihre Probe absagen.

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