Habemus Vossi

Helena Barop

Der Senat der Universität hat gestern Nachmittag mit großer Mehrheit die Wahl von Professor Andreas Voßkuhle zum Rektor der Universität bestätigt. 17 Kandidaten hatten sich beworben, vier davon kamen in die engere Wahl. Vorgeschlagen wurde am Ende aber nur Einer.



Professor Andreas Voßkuhle, unter Studenten oft auch liebevoll 'Vossi' genannt, ist ein 43-jähriger Jurist, der das Verwalten "mit der Muttermilch aufgesogen" hat. Verwaltung, das klingt ein bisschen nach „Gummibäumen und Bleistiftspitzern“ (Voßkuhle), nach grauer verbeamteter Bürokratie. Aber ein Rektor betreibt Wissenschaftsverwaltung, da kann eine solche ungewöhnliche Neigung nicht schaden.


Der neue Rektor in Spe wirkt sympathisch. Ihm eilt der Ruf voraus, ein guter Professor zu sein, und er scheint die entscheidenden Gremien für sich eingenommen zu haben. Bei aller Verwaltungbegeisterung macht er nicht den Eindruck eines verklemmten Bürokraten. Bei seinem Bewerbungsvortrag vor dem Senat hat er außerdem durchblicken lassen, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Jedenfalls bisher.

Am 1. April 2008 wird Andreas Voßkule Rektor Jäger in seinem Amt ablösen. Die Magnifizenzwürde ging jedoch schon gestern gefühlt auf den Frischgewählten über. Frei nach dem Motto "Der König ist tot, es lebe der König" verließ nach der Senatsabstimmung ein Großteil des Publikums mit Professor Voßkuhle den Hörsaal 1098, obwohl Herr Jäger noch seinen Jahresbericht abzuliefern hatte.
"Meine Damen und Herren, das bleibt eine öffentliche Veranstaltung, Sie müssen nicht gehen", protestiert dieser ein bisschen beleidigt.

Ein einziger Kandidat schafft es in die Endrunde, er  wird vom (Noch-)Rektor und vom Vorsitzenden des Universitätsrates ausdrücklich emfohlen, und dann mit großer Mehrheit gewählt: 25 mal Ja, 2 mal Nein, 7 mal Enthaltung.

Alles scheint ziemlich glatt gelaufen zu sein. Zu glatt, findet Hermann Schmeh, Vorsitzender des Asta. Gegen den Kandidaten hat er nichts einzuwenden. Aber "Das gesamte Verfahren ist in Verruf gebracht worden", findet Hermann Schmeh. Das Ergebnis habe schon im Vorraus festgestanden, und eine aktive Entscheinung habe nicht stattgefunden. Dies sei vor allem klar, seitdem die Badische Zeitung schon vor der offiziellen Entscheidung das Ergebnis bekannt geben konnte.

Eine direkte Reaktion auf diesen Einwand gibt es nicht. Auf anschließende Nachfrage erklärt der Vorsitzende des Universitätsrat, Professor Horst Weitzmann (Bild unten rechts), es habe eine klare Entscheidung für den Generationenwechsel gegeben und die Verhandlungen seien bewusst hinter verschlossenen Türen abgelaufen. Dass das Ergebnis der Wahl des Universitätsrates schon vor dem heutigen offiziellen Veröffentlichungsdatum an die Badische Zeitung gelangen konnte, schieben die Zuständigen mit Bedauern auf die universitätsinterne Tratscherei.



Trotz aller äußerlicher Harmonie kann man erahnen, dass hinter besagten Türen die Entscheidungen nicht ohne machtpolitisches Gerangel gefällt wurden. Erst als "alle Phasen der Gruppendynamik" überwunden waren, einigte sich die "gemeinsame Findungskommission" auf den Kandidaten Voßkuhle, so Weitzmann.

Bei vielen Bewerbern fiel die Entscheidung nicht schwer. Studierende Kandidaten flogen ebenso schnell raus, wie die Bewerberin aus China, die sich offensichtlich beworben hatte, um eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu erhalten. Die akademisch Unterqualifizierten nicht mitgerechnet blieben vier Bewerber übrig, davon drei von der Uni Freiburg und einer von der Uni Gießen.

Andreas Voßkuhle wird ab 2008 die Universität für sechs Jahre leiten. Mit diesem Ergebnis der Wahl scheinen die meisten einverstanden zu sein; Man traut ihm viel zu. Welche Faktoren hinter den Verhandlungstüren am Ende ausschlaggebend waren, welche Machtkämpfe wer warum gewonnen oder verloren hat, das ist von außen schwer zu sagen.

Jedenfalls kann es nicht schaden, wenn etwas frischer Wind ins Rektorat weht und jemand neues an den Exzellenzclustern basteln kann.

Habemus Vossi.



Mehr dazu:

  • Institut für Staatswissenschaft & Rechtsphilosophie: Website