Gute Steuern, alte Steuern

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was das erste Übel der Zivilisation war? Kaum hatten sich mehrere Menschen zu so etwas wie einem "Staat" zusammengeschlossen, schon kamen sie: Die Steuern. Von Anfang an werden sie erst erhoben und dann vermieden, nichtsdestotrotz sind mit die ältesten Schriftstücke der Menschheit Steuerlisten. Und da der deutsche Beamte als diesbezüglich besonders gründlich gilt, wurde an der Bundesfinanzakademie in Brühl bei Köln etwas weltweit Einmaliges eingerichtet: Ein Steuermuseum.

Dass dieses einmalige Museum eher unbekannt ist, mag an der als eher dröge bekannten Thematik liegen, deren Geschichte dort ausführlich behandelt wird. Jedenfalls kommen nicht wirklich viele Besucher in das kostenlose Museum – etwa 1000 im Jahr. Die meisten davon dürften sich aus höheren Steuerbeamten rekrutieren, für die die Bundesfinanzakademie, an die das Museum angeschlossen ist, als Aus- und Weiterbildungsstätte firmiert.


Was die seit 1961 stetig ausgebaute Ausstellung zeigt, ist aber deutlich unterhaltsamer als das Ausfüllen einer Steuererklärung oder die Lektüre des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung. Denn die Geschichte der Steuern ist ein seit Jahrtausenden geführter Kampf aus Steuern erheben und Steuern vermeiden oder umgehen.

Das bekannteste Beispiel für kreative Steuererhebung ist sicher der römische Kaiser Vespasian, der bezüglich seiner frischen Toilettensteuer treffend feststellte, dass Geld nicht stinkt. Auch für spätere außergewöhnliche Steuern und auch deren Vermeidungsstrategien gibt es hinreichend ansehnlich gestaltete Beispiele. So wurden im Mittelalter die Steuern nach der Anzahl der Fenster eines Hauses berechnet, woraufhin viele Fenster zugemauert wurden. Und als die Dachfläche zur Bemessungsgrundlage  für eine österreichische Variante der Vermögenssteuer wurde, führte dies zum Verlassen vieler Burgen.

Nicht zu umgehen waren dafür solch kreative Varianten wie die preußische Jungfernsteuer oder die russische Bartsteuer. Damit wollte Zar Peter der Große den orthodoxen Russen auf dem ideologischen Kurs Richtung Westen das Tragen der vermeintlich rückständigen Vollbärte verleiden. Die für die ehrlichen Zahler geprägten Steuermarken sind ebenfalls in Brühl zu besichtigen. Und dafür, welche heutigen gebräuchlichen Bezeichnungen nur zur ordentlichen Erhebung von Steuern entstanden sind, ist nicht nur 4711 in Köln ein gutes Beispiel.