"Gute Outdoor-Locations verrät man nicht": Der Freiburger DJ Eazy M im Interview

Bernhard Amelung

Matze Wetzel, bekannt als DJ Eazy M, steht seit 20 Jahren an den Plattenspielern. Im Drifter's Club legt der 36-Jährige einmal im Monat auf seinen Nachtasyl-Partys auf. An diesem Samstag feiert er sein DJ-Jubiläum zusammen mit Chris Milla in Schmitz Katze. Bernhard Amelung hat mit ihm gesprochen - über Outdoor-Partys, den legendären Club Bauküche und Nervosität beim Auflegen.



Wann hast du deinen Namen zum ersten Mal auf einem Flyer gelesen?

Das war 1996. Damals habe ich noch in meiner alten Heimat, in Schopfheim, gelebt. Der Flyer hat eine Party angekündigt, die im Café Irrlicht stattfand. Ich habe dort zum ersten Mal ganz offiziell vor Publikum gespielt. Davor habe ich ja eher zuhause aufgelegt. Das war ja zunächst ein Bedroom-Ding.

Was war das für ein Gefühl, zum ersten Mal vor offiziell vor Publikum zu spielen?

Ich war furchtbar nervös. Ich habe die ganze Zeit gezittert und konnte mich nach dem Auflegen erst einmal an gar nichts erinnern. Die Erinnerung kam erst Tage später. Dann allerdings war ich sehr geflasht. Ich habe gemerkt, dass ich mit dem Auflegen meine Leidenschaft gefunden habe.

Seither sind rund 20 Jahre vergangen. Kennst du so etwas wie Nervosität beim Auflegen überhaupt noch?

Wenn ich in Freiburg auflege, im Drifter's Club oder in Schmitz Katze, bin ich überhaupt nicht aufgeregt. Da freue ich mich einfach nur, nach einer Arbeitswoche mal wieder am Mischpult zu stehen und alles um mich herum vergessen zu können. Letztes Jahr allerdings war ich in Berlin und habe im Tresor aufgelegt. Da waren über 500 Leute im Club. Kurz bevor ich spielen sollte, merkte ich, wie ich allmählich unruhig wurde. Dieses Gefühl war zwar nicht so intensiv wie 1996. Doch ich habe gemerkt, dass ich auch heute noch nervös werden kann.

In Freiburg hast du von Anfang an in der Bauküche aufgelegt. Was war das für ein Ort?

 
Die Bauküche war eigentlich gar kein Club. Unter der Woche war das tatsächlich eine Küche und die Kantine für die Bauarbeiter, die die französischen Kasernen auf dem Vauban-Gelände abgerissen haben. Es wurde also tatsächlich dort gekocht. An den Wochenenden wurde der Raum in einer Partylocation umgebaut. Das war Ende der Neunziger Jahre so ziemlich der angesagteste Undergroundladen in der Region.  

Wie bist du dort Resident geworden?

 

Wenn man so will, war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und habe die richtigen Leute kennen gelernt. Ich habe meinen Zivildienst in Freiburg abgeleistet, und als ich von Schopfheim nach Freiburg zog, waren das die Disc Jockeys Beyond (Frank Krieger, die Red.) und Ark 5 (Holger Beck). In den ersten Monaten meiner Freiburger Zeit habe ich sogar bei Frank gelebt, da ich noch keine eigene Wohnung hatte. So kam es, dass ich regelmäßig in der Bauküche spielen konnte.  

Was für Dinge sind dort passiert?

 
In der Bauküche konnte man unbeschwert feiern. So etwas wie eine Sperrstunde gab es ja nicht. Die Partys gingen oft bis in den Mittag rein. Die Gäste haben alles um sich herum vergessen. Einmal habe ich beim Auflegen auch völlig vergessen, dass mein Dienst um sieben Uhr morgens begann. Irgendwann hat mich ein Kumpel an der Schulter angetippt und gefragt, ob ich nicht schon längst im Altersheim am Empfang sitzen müsse. Da bin ich dann schnell los, habe meinen Dienst geleistet und sank danach wie tot ins Bett.  

Du hast in dieser Zeit auch viel auf Outdoor-Partys gespielt, auf Hütten im Schwarzwald, in Steinbrüchen, auf Truppenübungsplätzen. Wie kommt man an solche Locations ran?

 
Gute Outdoor-Locations verrät man eigentlich nicht. Die behält man möglichst für sich und handverlesene Partygäste. Man kommt zum Beispiel an sie ran, wenn man jemanden kennt, der wieder jemand kennt, der einen guten Platz ausgemacht. Oder man lernt jemanden kennen, der wiederum den Kontakt zu einem Förster oder Grundbesitzer vermitteln kann, mit dem man alles weitere bespricht. In der Regel musste ich mich aber nie um die Locations kümmern. Die Veranstalter haben mich meistens gefragt, ob ich auf ihren Partys spielen will.

Bei meinen Nachtasyl-Partys war das genau so. Meine ersten selbst veranstalteten Partys waren Outdoor-Partys. Ein Bekannter hat mir den Kontakt zu einem Förster vermittelt. Der hat uns eine Hütte vermietet, und so kam eines zum anderen.

Warum tut man sich das eigentlich an? Man muss sich um Technik und Getränke kümmern und je nachdem, wo die Location liegt, muss man alles hintragen.

Feiern unter freiem Himmel hat etwas sehr Natürliches, Ursprüngliches. Die Leute, die zusammen kommen, sind viel entspannter als das übliche Clubpublikum. Man merkt, dass alle zusammen eine gute Zeit haben wollen. Diese Stimmung bringt man als Veranstalter und DJ auch mit, denn man bereitet sich oft wochenlang auf so eine Party vor. Außerdem ist's im Sommer einfach viel schöner, in der Natur zu sein. Und natürlich gibt es keine Sperrstunde, so dass die Party auch mal bis in den Mittag gehen kann. Das Gefühl, das man beim Sonnenaufgang hat, ist unbeschreiblich.

Wie haben die Nachtasyl-Partys den Weg in den Club gefunden?

Der damalige Betreiber der Liquid Lounge suchte einen Booker. Ich habe mich ins Gespräch gebracht und so kam eines zum anderen. Er hat mir gleichzeitig das Angebot gemacht, unter dem Label "Nachtasyl" einmal im Monat eine Clubnacht zu machen.

Du warst ja auch Resident im Parkhaus in Kenzingen.

 
Das ist auf meine Zeit in der Bauküche zurückzuführen. Einer der Mitorganisatoren war Michael Kugler, der heute noch die Partys im Hans-Bunte-Areal ausrichtet. Er war damals Koch in der Bauküche und hat an den Wochenenden die Partys geschmissen. Nachdem die Bauküche 1999 schließen musste, hat er Partys in der Manege veranstaltet. Danach kam das Parkhaus. Er hat mich dann jeweils auf seine Veranstaltungen als DJ gebucht.

Bist du denn zufrieden, wie du dich als Disc Jockey über die Jahre entwickelt hast?

 
Auflegen war eigentlich immer mein liebstes Hobby. Doch früher habe ich ab und zu mal gehofft, dass ich es zum Beruf machen und vom Auflegen leben könnte. Ich denke, jeder Disc Jockey hat mit so einem Gedanken schon einmal gespielt. Heute habe ich unter der Woche meinen Beruf und bin froh, dass das Auflegen mein Hobby geblieben ist und ich darin einen fantastischen Ausgleich zum Alltag habe. Musikalisch ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Es kommt ja immer neue Musik raus und es gibt so viel zu entdecken.

Gibt es denn etwas, das du als Disc Jockey noch einmal erleben möchtest?

Am liebsten würde ich jede Party noch einmal erleben, auf der eine gute Stimmung geherrscht hat und die Leute eine gute Zeit miteinander hatten. Das ist es letzten Endes auch, worum es beim Feiern geht.

Mehr dazu:


Was:
20 Years of Craziness - Eazy M & Milla.
Wann: Samstag, 25. Juli 2015, 23 Uhr.
Wo: Schmitz Katze [Foto: Privat]