Guilty Pleasures mit … Iron Curtis, der am Samstag im Waldsee auflegt

Bernhard Amelung

Mit "Upstream Color" hat Iron Curtis eines der schönsten elektronischen Alben des Jahres 2018 veröffentlicht. Am Samstag legt er bei Down by the Lake im Waldsee auf. Ein Gespräch über Songs, die er gerne hört, aber selten auflegt.

Was ist deine liebste Guilty Pleasure-Schallplatte?

Phil Collins – Face Value.



Warum hast du dich für sie entschieden? Was verbindest du mit ihr?

Abends, alleine in der Küche vor dem Radio. Da lief "In the air tonight" und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich Gänsehaut bekommen habe, als die Drums einsetzten. Da war ich so etwa zehn oder elf Jahre alt. Aus heutiger Sicht finde ich den Drum-Break überhaupt nicht mehr spannend, aber Collins hat ihn eben genau richtig platziert. Die Kombi aus Drum-Maschine-Beats und den jaulenden Gitarren im ersten Teil des Songs finde ich allerdings immer noch super - das Synthetische zieht sich ja durchs ganze Album.



Was passiert in dir, wenn du diese Schallplatte vor Publikum auflegst?

Ich kann - Hand aufs Herz - sagen, dass ich "In the Air tonight" noch nie aufgelegt habe. Und das sollte auch so bleiben. Aber "This must be love" hab ich tatsächlich schon mal gespielt. Ganz zum Schluss, bei einem Open Air irgendwo in Italien. Die Stimmung war feucht-fröhlich und auf dem Floor gab es auch ein knutschendes Pärchen.



Wonach suchst du allgemein in der Musik?

Es ist eigentlich immer Atmosphäre. Klar, Melodien sind mir auch wichtig. Aber bei den unterschiedlichen Stücken, Künstlern und Genres, die mich ansprechen ist es meistens doch die Stimmung, die mich packt.

Stil oder Substanz?

Substanz. Mit Stil.

Susan Sontag hat den Satz geprägt: "Es ist gut, weil es schrecklich ist". Wie stehst du dazu?

Bei Musik fällt mir das schwer. Das Ironisieren von bestimmten Stilrichtungen und das Kokettieren mit Trash fand ich immer schwierig. Ich finde das derzeitige Trance-Revival sehr spannend - einfach weil das nicht mehr ironisch gebrochen ist sondern ehrlich gefeiert wird.

Hast so etwas wie eine "comfort record", eine Schallplatte, auf die du immer wieder zurück greifst?

"Loop Finding Jazz Records" von Jan Jelinek. Das mit Abstand Wärmste der elektronischen Alben, die ich besitze.



Man kann eine Schallplatte nicht nach ihrem Cover beurteilen. Welche wunderschönen Songs verbergen sich hinter einer Platte mit schrecklichem Cover aus deiner Sammlung?

Das Cover von Dolores (Bohren & Der Club Of Gore) fand ich immer ganz und gar unästhetisch. Aber ich kann da locker darüber hinweg sehen, da die Musik alles wett macht. "Still Am Tresen" und "Unkerich" sind fast so unentbehrlich wie "Loop Finding Jazz Records".



Beim Thema Cover muss ich aber auch an Omar S denken. Der hat sich trotz des ja immer noch vorherrschenden post-internet und vapour-kool Stils irgendwie nie mit seinen Artworks bei mir gut Freund machen können. Musikalisch hat er aber natürlich Heldenstatus.



Was ist eigentlich deine erste musikalische Erinnerung?

Mark Hollis ist ja diese Tage verstorben. Mit Ihm verbinde ich tatsächlich eine meiner frühesten musikalischen Erinnerungen. Ich sehe meinen Vater und einen Freund von Ihm im Wohnzimmer stehen, und dazu "Such a Shame" von Talk Talk anhören. Ansonsten sind das Erinnerungen an Autofahrten und Kassetten mit Bill Withers oder Steve Wonder, die mein Vater zusammengestellt hatte.



Was lösen diese Songs heute in dir aus?

Um bei Talk Talk zu bleiben: Ich war sehr berührt, als ich vom Tod von Hollis gehört habe. Ich habe erst spät verstanden, dass die Band viel mehr war als nur die Hits. "Spirit Of Eden" gehört zu einem meiner Lieblingsalben.


  • Was: Down by the Lake w/ Iron Curtis, Julius Steinhoff
  • Wann: Samstag, 2. März 2019, 22 Uhr
  • Wo: Waldsee, Waldseestr. 84, 79115 Freiburg

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