Neueröffnung

Günter Coffee Roasters: In Günterstal gibt es jetzt eine Kaffeerösterei

Juliet Merz

In die Ex-Räume von "Ingrids Backspezialitäten" im Freiburger Stadtteil Günterstal ist eine Kaffeerösterei eingezogen – und nebenan betreibt Sophia Sauter eine Backstube

FREIBURG-GÜNTERSTAL. Ende 2016 beendete Ingrid Schuler eine jahrzehntelange Tradition und schloss ihr Café "Ingrids Backspezialitäten". Die Räumlichkeiten haben jetzt neue Besitzer, die unter dem Namen "Günter Coffee Roasters" mit einem jungen, innovativen Konzept den kleinsten Ortsteil Freiburgs aufmischen wollen.

"Eigentlich wollten wir gar kein Café machen", gibt Hans-Jürgen Denes (37), einer der Teilhaber, zu. Zusammen mit seinen drei Freunden Mats Weller (28), Philip Weller (34) und Aurore Ceretta (31) hat Denes im November vergangenen Jahres die Räumlichkeiten des ehemaligen Cafés "Ingrids Backspezialitäten" mit circa 100 Quadratmetern übernommen, renoviert und daraus das neue "Günter Coffee Roasters" gemacht. Günter heißt niemand von ihnen. Der hippe Vorname ist vielmehr als Reminiszenz an den Stadtteilnamen gedacht.


Entstanden ist eine Rösterei inklusive Café. "Eigentlich war geplant, nur eine Kaffee-Rösterei zu betreiben und den Röster in den ehemaligen Verkaufsraum zu stellen", sagt Denes. Doch das war nicht möglich, denn der Röster brauche einen Kamin, den es nur im hinteren Gebäudeteil gebe. So sei spontan die Idee entstanden, die Rösterei mit einem kleinen Café zu ergänzen. Und das, obwohl die beiden Teilinhaber Philip Weller und Aurore Ceretta schon alle Hände voll mit einem anderen Café zu tun haben: Sie betreiben das Café Marcel im Stadtgarten, wo sie ihre in Günterstal gerösteten Kaffees natürlich auch anbieten.

Die einstigen Ingrid-Räumlichkeiten teilen sich die Kaffee-Röster mit der 26-jährigen Konditorin Sophia Sauter. Sie hat ihre Backstube in zwei weiteren Räumen mit circa 50 Quadratmetern untergebracht.

Was Sauter und ihr Team backen, landet vorrangig in ihren beiden Cafés "Milch Café" in Sölden und "Petite Sophie" in der Wiehre. Ihre Backstube in Günterstal genießt die Konditorin, "weil es hier ruhig, groß und hell ist".

Die Inhaber von "Günter Coffee Roasters" mussten vor allem den Verkaufsraum auf Vordermann bringen. Nun sind sie mit ihrem Spezialitäten-Café zufrieden. Denes, der seit fünf Jahren in der Kaffebranche arbeitet, kümmert sich mit seinen Teilinhabern um das Rösten. Dafür haben sich die Unternehmer einen 15-kg-Giesen-Röster angeschafft. Insgesamt sechs handgepflückte Kaffeesorten aus Äthiopien, El Salvador, Kolumbien und Brasilien rösten die Unternehmer im Langzeitverfahren bei 215 Grad Celsius für jeweils 12 bis 15 Minuten. "Kommerzielle Röster verarbeiten Kaffeebohnen in drei Minuten bei 600 Grad", so Denes. Das verbrenne viele der bis zu 1200 Aromen des Kaffees, wodurch der Geschmack leide.

Denes trinkt selbst übrigens eher wenig Kaffee: "Wenn, dann nur zum Genuss oder bei der Kaffee-Verkostung." Nach jedem Rösten muss die Kaffee-Qualität kontrolliert werden. Sogenannte Aromakästen helfen den Inhabern, die individuellen Kaffee-Aromen zu benennen – etwa weiße Pfirsichblüte, Zitrone, Schokolade oder Himbeere. Von Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, sind Denes und seine Kollegen sowie weitere Mitarbeiter am Aufbrühen und Einschenken, Montag bis Mittwoch ist das Café geschlossen. Dann wird geröstet, kontrolliert und entwickelt.

Doch weil es in Günterstal nicht mehr viele Einkaufsmöglichkeiten gibt (siehe Text unten), wünschen sich viele Einheimische einen Bäcker noch mehr als die Möglichkeit zur Kaffeeverkostung. Deshalb bieten die Kaffee-Röster nun auch einige französische Backwaren aus dem Elsass an. "Zukünftig möchten wir auch selbstgemachte Sandwiches verkaufen oder ein Frühstück anbieten", meint Denes. Wem Günterstal zu weit weg ist, der kann die Kaffee-Sorten voraussichtlich bald im Online-Shop bestellen. "Eins nach dem anderen", sagt Denes und bindet sich seine Barista-Schürze wieder um.