Work and travel

Günstig im Ausland studieren – so geht’s

Helga Riedel

Viele junge Menschen zieht es ein Jahr ins Ausland. Das muss man sich leisten können. Doch mit der richtigen Vorbereitung funktioniert es auch ohne dickes Konto.

Und Tschüss! Jahr für Jahr zieht es mehr als 50 000 junge Leute nach Abi oder Berufsausbildung ganz weit weg. In Australien, Neuseeland oder Kanada suchen sie Freiheit, Abenteuer, neue Erfahrungen, Freundschaften – und das alles ohne eine üppige Reisekasse. Zwischendurch heißt es vor Ort Mangos ernten, Hotelzimmer schrubben, Schafe hüten oder in Restaurantküchen schwitzen, um sich das Geld für die nächste Reiseetappe zu verdienen. "Work and Travel" oder "Working Holiday" (WH) nennt sich das – und es erfreut sich immer größerer Beliebtheit.


"Diese Art des Auslandsaufenthalts erfordert gleichzeitig viel Eigeninitiative und Flexibilität." Hanna Grohmann
Neben den genannten Ländern Australien, Neuseeland und Kanada hat Deutschland mit neun weiteren Staaten Working-Holiday-(WH)-Abkommen getroffen: Argentinien, Chile, Japan, Südkorea, Hongkong, Singapur, Taiwan, Israel und Brasilien (letzteres ist aber noch nicht wirksam). Die Vereinbarungen sollen es jungen Leuten zwischen 18 und meist 30 Jahren ermöglichen, ein Land intensiv auf eigene Faust zu bereisen und das nötige Geld dafür weitgehend vor Ort zu verdienen. Das Konzept findet offensichtlich großen Anklang. In der Saison 2014/2015 beantragten 26 516 junge Deutsche ein australisches WH-Visum, mehr als 16 000 zog es nach Neuseeland, und Kanada stockte die auf 4200 begrenzten WH-Visa wegen der großen Nachfrage um 1000 weitere auf. Die Botschaften erteilen das spezielle WH-Visum einmalig meist bis zum Alter von 30 Jahren. Es berechtigt die Inhaber, für einen begrenzten Zeitraum im Land zu arbeiten und zu reisen. Die Gebühren für das Visum reichen von null (Japan) bis 270 Euro (Australien).

Arbeitsplatz oder Startkapital vorweisen

Auch bei den als Sicherheit nachzuweisenden finanziellen Mitteln bewegen sich die Ansprüche zwischen keinen genauen Angaben – in der Regel mindestens die Höhe des Rückflugtickets – und stolzen 3500 Euro (Australien). Dazu kommen die Flugkosten. Egal, wohin die Reise geht – wer nicht schon von zu Hause aus einen Arbeitsplatz organisiert hat, braucht auch noch ein gewisses Startkapital, um die Durststrecke bis zum ersten Job durchzustehen.

Sonderfall USA

In der Beliebtheitsskala für ein Auslandsjahr rangieren die USA gleich hinter Kanada an vierter Stelle. Dennoch: Eine klassische Work-and-Travel-Tour mit abwechselnden Urlaubs- und Arbeitsphasen an verschiedenen Orten ist in den USA nicht möglich, da das Land keine entsprechenden Abkommen geschlossen hat. Für einen Zeitraum von mehreren Monaten gibt es nur das für Austauschprogramme vorgesehene J1-Visum. Es erlaubt Aufenthalte als Au-pair, Betreuer in einem Sommer-Feriencamp, für ein Praktikum oder Trainee-Programm, außerdem Freiwilligen- und Farmarbeit. Anschließend kann man dann noch je nach Visumsdauer durchs Land reisen. Bei Antragstellung muss man eine schriftliche Job/Praktikums-Zusage vorweisen. Das ist alles ziemlich kompliziert und aufwendig. Hier lohnt es sich, eine Agentur einzuschalten, die nicht nur alle Formalitäten erledigt, sondern auch für einen passenden Job sorgt.

30 bis 45 Euro für Auslands-Krankenversicherung

Voraussetzung für den Erhalt des Visums ist der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung. Die übliche Urlaubs-Krankenversicherung reicht dafür nicht. Zwar kann man sie über den Zeitraum von einem Jahr abschließen, aber sie gilt dann nur für alle Urlaube, die jeweils nicht länger als sechs Wochen dauern dürfen. Ein Work-and-Travel-Aufenthalt erfordert eine spezielle Versicherung. Sie sollte ohne Gesundheitsprüfung und Selbstbeteiligung für alle Kosten einschließlich eines eventuell notwendigen Rücktransports aufkommen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 30 bis 45 Euro im Monat.

"Grundsätzlich sind zumindest Basiskenntnisse der Landessprache wichtig."Jane Jordan
Plant man einen Autokauf und sportliche Aktivitäten wie etwa Tauchen, Rafting oder Klettern, empfiehlt Jane Jordan vom Beratungsportal Auslandsjob.de außerdem – falls nicht vorhanden – den Abschluss einer Haftpflicht- und Unfallversicherung. Mit Aufschlägen für einen Auslandsaufenthalt ist hier nicht zu rechnen, denn beide gelten weltweit.

Kreditkarte ist unverzichtbar

Als Zahlungsmittel mit der höchsten internationalen Akzeptanz sollte man außerdem eine Kreditkarte mit auf die Reise nehmen. Mit ihr kann man nicht nur Hostels bezahlen oder einen Leihwagen mieten, sondern auch sehr viel günstiger als mit einer Girokarte Geld vom heimischen Konto abheben. DKB und Comdirect bieten dafür Girokonten mit dazugehöriger Visakarte ohne jegliche Gebühren sowie weltweit zumeist kostenlose Barabhebungen an. Bei der Santander Consumer Bank gibt es kontounabhängig die 1plus-Visa-Card mit weltweit komplett kostenloser Bargeldversorgung.

Crashkurs in Sachen Selbstständigkeit

"Diese Art des Auslandsaufenthalts erfordert gleichzeitig viel Eigeninitiative und Flexibilität", so Hanna Grohmann vom Beratungsportal Weltweiser.de. Viele Schulabgänger betreten hier Neuland, sind zum ersten Mal mit Job, Verträgen, Steuern und eventuell einem Autokauf konfrontiert – und das auf sich gestellt und in einer Fremdsprache. Die Sprache sollten sie allerdings einigermaßen beherrschen. So verwundert es nicht, dass sich laut einer Umfrage der Agentur Travel Works junge Leute von einer solchen Reise vor allem eines versprechen: die "Entwicklung der Persönlichkeit" und erst danach: "Abenteuer erleben" und "Leute kennenlernen".

Agenturen übernehmen die Organisation

Während die Organisation eines Work-and-Travel-Aufenthalts in Australien, Neuseeland oder Kanada relativ unkompliziert ist, sieht das in Ländern mit wenig Erfahrung in dem Bereich schon etwas schwieriger aus. Hier können Agenturen für Auslandsaufenthalte wie Stepin, Praktikawelten oder AIFS wertvolle Unterstützung bieten. Je nach Umfang, von Beratung bis Rundum-sorglos-Paket, kostet der Service ab etwa 400 Euro. Empfehlenswert ist die Buchung über eine Organisation vor allem für Asienreisende. Denn dort, so Jane Jordan vom Beratungsportal Auslandsjob.de, "gibt es eine ganz andere Infrastruktur und sehr spezielle Arbeitsmodelle".

Wer arbeiten will, muss die Sprache können

"Grundsätzlich sind zumindest Basiskenntnisse der Landessprache wichtig", rät Jane Jordan vom Beratungsportal Auslandsjob.de. Vor allen Dingen wenn man in ein asiatisches Land reist, "sollte man sich schon vor der Reise mit der Sprache auseinandersetzen. Sei es durch einen Sprachkurs in einer Sprachschule, über Lern-Apps (z. B. Duolingo) oder Online-Kurse (z. B. Babbel)". Besucht man dann noch vor Ort einen etwa vierwöchigen Sprachkurs, wie ihn Agenturen empfehlen und anbieten, ist man für die ersten einfachen Jobs gerüstet.

Aber auch wer die Landessprache einmal gelernt, aber wenig genutzt hat, sollte sie etwa mit einer der praktischen Sprach-Apps auffrischen. Die hat man immer dabei und kann zwischendurch schnell ein paar Übungen machen.
"Es empfiehlt sich, relevante Unterlagen für die Jobsuche wie den Lebenslauf und mögliche Zeugnisse in der Landessprache vorzubereiten." Hanna Grohmann vom Beratungsportal Weltweiser.de

Genügend Zeit für Impfungen einplanen

Wer nach Asien oder Südamerika reist, benötigt möglicherweise Impfungen. Da für manche Krankheiten eine zweite oder dritte Impfung im Abstand von mehreren Wochen nötig ist (Tollwut, Hepatitis B), sollte man das rechtzeitig in Angriff nehmen. Fragen Sie aber zunächst Ihre Krankenkasse, ob sie die teils happigen Kosten übernimmt. Stellt sie sich stur, lohnt sich vielleicht noch ein Wechsel zu einer prinzipiell großzügigeren Kasse. Auf der Website des Centrums für Reisemedizin crm.de findet man eine "Übersicht reisemedizinischer Vorsorgeleistungen der einzelnen Krankenversicherungen".

Außerdem gilt es, den jährlichen Zahnarztbesuch zu absolvieren und sich beim Hausarzt durchchecken zu lassen. Wer an einer chronischen Krankheit leidet wie etwa Allergien oder Diabetes, muss abklären, wie die entsprechende Versorgung im Zielland ist oder sich mit genügend Medikamenten eindecken.

To-Do-Liste abarbeiten

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Menge zu erledigen. Hanna Grohmann vom Beratungsportal Weltweiser.de empfiehlt, "relevante Unterlagen für die Jobsuche wie den Lebenslauf und mögliche Zeugnisse in der Landessprache vorzubereiten". Will man vor Ort ein Auto leihen oder kaufen, braucht man den Internationalen Führerschein. Die Anreise verläuft entspannter, wenn die erste Unterkunft gebucht ist. Außerdem muss man sich um strapazierfähiges Reisegepäck kümmern, eventuell Reisepartner finden oder die Wohnung untervermieten. Um nichts Wichtiges zu vergessen, legt man sich am besten eine To-do-Liste an oder nutzt die interaktive Planungs-Checkliste von Auslandsjob.de.

Erstmal arbeiten, später reisen

Alternativ zum Jobhopping quer durchs Land kann man auch zuerst eine längerfristige Arbeit aufnehmen und erst anschließend reisen. Möglichkeiten dazu gibt es viele, vor allem Saisonjobs in Hotels, Gastronomie, Freizeitparks, Feriencamps, als Animateur, Reiseleiter, Übersetzer, Surf- oder Tauchlehrer. Wer als Bezahlung mit Kost und Logis zufrieden ist, findet spannende Jobs bei Freiwilligenprojekten beispielsweise im Bereich Natur-/Tierschutz, Bildung, Sozial- oder Jugendarbeit. Gern gesehen sind die jungen Helfer auf Farmen/Ranchen (Farmstay) und in der ökologischen Landwirtschaft (World-Wide Opportunities on Organic Farms WWOOF). Organisationen für Auslandsaufenthalte wie Travel Works, STA Travel, AIFS, Praktikerwelten oder Stepin bieten ein vielfältiges Angebot an Betätigungsfeldern. Egal ob klassisches Work-and-Travel, organisierter Farmstay oder Mitarbeit in einem Freiwilligenprojekt – was zählt, so berichten viele Teilnehmer entsprechender Programme, dass man bereit sei, auch mal aus seiner Komfortzone zu gehen und sich auf neue ungewohnte Gegebenheiten einzulassen. Was sie mit nach Hause genommen hätten? Da hört man oft: Viele Erfahrungen, von denen man daheim profitiere, und Erinnerungen, an die man gerne zurückdenke.

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