Grünbrücken: Ein Netzwerk für Künstler

Anna-Lena Zehendner

Künstlern fällt es meist schwer, sich zu organisieren. Deshalb hat Daniel Umber jetzt ein Netzwerk gegründet, das Hobby-Künstler unterschiedlichster Couleur eine öffentliche Plattform bietet: Grünbrücken. Wie lief die erste Ausstellung im Januar? Und vor allem: Was ist eigentlich eine Grünbrücke?


Eigentlich ist Daniel Umber IT-Leiter bei einem Pharmaunternehmen in Neuenburg. Doch seit Daniel 1998 für sein Magisterstudium nach Freiburg kam, lebt er in einer WG voller kreativer Köpfe. „Meine Mitbewohner sind inzwischen sehr gute Freunde von mir, die alle in unterschiedlichen Bereichen künstlerisch unterwegs sind“, sagt er. „Sie machen ihre Kunst zwar nicht beruflich, aber sind getrieben und sind künstlerisch sehr aktiv.“


Immer von einem ideenreichen Umfeld inspiriert und selbst begeisterter Schreiber und Lyriker, wuchs bei Daniel seither die Lust, aus dieser geballten Ladung Potential etwas Größeres zu schaffen. „Ich habe mich in meinem Freundeskreis genauer umgesehen und festgestellt, dass sie sich zwar treffen, austauschen und viel schaffen, für sie jedoch schwierig ist, eine öffentliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.“ Zu groß schien der Aufwand, die Überwindung und die Organisation. Seine eigene Dicht- und Schreibkunst sowie die Kunst seiner Freunde schafften es bis dato nicht, die private Ebene zu übersteigen. „Das fand ich sehr schade“, erinnert sich der Hobby-Lyriker. „Schließlich kamen dabei brillante Dinge heraus.“

Wenn man also viele begabte Menschen kennt, die gleichzeitig Experten in unterschiedlichen Bereichen sind, warum dann nicht mit allen gemeinsam ein Netzwerk aufbauen und zusammen Veranstaltungen auf die Beine stellen? Gedacht - umgesetzt. 2010 wurde der Gedanke immer konkreter, und Daniel zerbrach sich den Kopf über einen passenden Namen für das Projekt - bis ihn die zündende Idee schließlich im Auto überrollte. „Ich war auf der Autobahn unterwegs und habe plötzlich eine Brücke gesehen, auf der Gras und Bäume wuchsen. Ich dachte: Was zum Teufel ist das?“

Zu Hause googelte Daniel gleich und stieß erstmals auf den Begriff Grünbrücken. In der Architektur werden so Brücken bezeichnet, die man hauptsächlich über Autobahnen spannt, damit Wildtiere unversehrt über die Straße kommen. Die Analogie des Begriffes für sein geplantes Kunstprojekt war klar: So wie die einzelnen Wildreservate mit den Grünbrücken verbunden werden, so sollte auch die künftige Planung für die öffentlichen Veranstaltungen die einzelnen Künstler sowie die nötigen PR- und Marketing-Leute zusammenführen.


[Acryl und Strukturpaste auf Leinwand, Stefanie Pirnay]

Im Januar war es dann endlich soweit. Für ein Wochenende wurde der Artraum in der Wiehre gemietet, und bei der Ausstellung mit dem Namen „SeltSamen“ durften insgesamt vier Hobby-Künstler ihre Werke vorführen. „Mir ist es wichtig, dass wir bei unseren Veranstaltungen möglichst viele Arten von Kunst präsentieren und alles perfekt umsetzen“, sagt Initiator Daniel Umber. So gab es neben Gemälden aus Öl und Acryl außerdem Objektkunst und digitale Bildkunst mit Klanginstallationen. Dass es bei einem derartigen Mix der Künste zu chaotischen Zuständen und einer Reizüberflutung bei den Besuchern kommen könnte, fürchtet Daniel nicht. Im Gegenteil: Er ist sich sicher, dass dadurch erst eine große Spannung aufgebaut und ein positiver Überraschungseffekt erfolgen würde. Und heute noch Menschen zu überraschen, sei schließlich eine Herausforderung. „Außerdem haben wir bei der ersten Ausstellung darauf geachtet, dass die einzelnen Künste räumlich von einander getrennt sind.“

Wenn Daniel von „wir“ spricht, dann meint er das Projektteam, das hinter ihm steht. Das sind Freunde und Spezialisten wie PR-Frau Daniela Götz und Satjawan Walter, der sich vor allem um die Grafik und das Design der Website kümmert. „Ich suche weiter aktiv nach Leuten, die bei Grünbrücken in irgendeiner Form mitmachen wollen. Das Schöne ist, dass sie dabei letztlich das tun sollen, was sie lieben und eh gut können.“


[Ausstellung "SeltSamen" im Artraum, Freiburg-Wiehre]

Die Ausstellung „SeltSamen“ ist als Pilotprojekt von Grünbrücken sehr gut angelaufen. Finanziert wurde die erste Veranstaltung mit Spendengeldern, doch Daniel arbeitet gerade daran, Sponsoren für sein Projekt zu finden. Ein genaues Zukunftskonzept hat er jedoch nicht. „Im Moment sind es purer Idealismus und Begeisterung, die das Projekt voranbringen. Jetzt machen wir erst einmal ein paar Aktionen und schauen, wie sich alles entwickelt – das sehe ich sehr entspannt.“

In einem Abstand von zwei Monaten neue Veranstaltungen präsentieren zu können, sei schließlich doch ein Ziel, das er sich persönlich gesetzt habe. Als nächstes plant er ein Kurzfilmfestival, das voraussichtlich schon im März realisiert werden kann.

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