Grün-Rote Jugend in Baden-Württemberg will das Tanzverbot kippen

Marc Strehler & dpa

Füße stillhalten! Über weite Teile des Osterfestes gilt wieder das Tanzverbot. Wie lange noch? Zumindest der Parteinachwuchs der Landesregierung will das Verbot kippen. Erfolgsaussichten: ungewiss.



Grün-Rot hat ein klar definiertes Ziel: Die Abschaffung des Tanzverbotes an Sonn- und Feiertagen in Baden-Württemberg.Gemeint ist aber nicht die Regierungskoalition in Stuttgart, sondern die Nachwuchsorganisationen von SPD und Grünen im Lande. Die halten das Tanzverbot unisono für ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Bei ihren älteren Parteifreunden in der Landesregierung werden sie allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten müssen: „Eine Lockerung des Tanzverbotes steht bei uns nicht auf der Tagesordnung“, heißt es aus dem Stuttgarter Innenministerium, das für das Thema zuständig ist.


An Ostern mag es dem Partyvolk wieder in den Füßen jucken, der Gesetzgeber schiebt dem fröhlichen Treiben über die Feiertage einen Riegel vor. An Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag sind den ganzen Tag „öffentliche Tanzunterhaltungen“ verboten, so will es das Feiertagsgesetz des Landes, für den Sonntag und den Ostermontag gibt es zeitliche Einschränkungen. Diskotheken dürfen an diesen Tagen zwar öffnen, müssen das Tanzverbot aber einhalten.

In Baden-Württemberg sind die Vorgaben im bundesweiten Vergleich besonders streng, die Kirchen stemmen sich vehement gegen eine Lockerung. An der Haltung des Landes hat auch der Wechsel von Schwarz-Gelb zu Grün-Rot 2011 nichts geändert. Was den Parteinachwuchs ärgert. „Das Tanzverbot ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Juso-Landeschef Markus Herrera Torrez. Es müsse jedem freigestellt sein, was er an Ostern mache oder lasse.

Der Landessprecher der Grünen Jugend, Marcel Emmerich, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Das Tanzverbot passt nicht in eine emanzipatorische Gesellschaft. Religiöse Bräuche dürfen nicht der gesamten Gesellschaft aufgezwungen werden.“

Die beiden Nachwuchsorganisationen könnten eine gemeinsame Initiative starten, sagt der Juso-Chef. Sein Kollege Emmerich sieht ein Hoffnungssignal aus dem hohen Norden: In Bremen hat die rot-grüne Landesregierung das Tanzverbot soeben gelockert. „Das zeigt doch, dass sich auch eine rot-grüne Regierung hier bewegen kann“, sagt Emmerich.

Unterstützung kommt von der Piratenpartei, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit Aktionen gegen das Tanzverbot gestemmt hat. Der stellvertretende Landeschef Sebastian Staudenmaier ruft zur Teilnahme an einer Aktion am Karfreitag auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf, Motto „Zappeln gegen das Tanzverbot“. Mit Musik via Kopfhörer sollen sich die Teilnehmer dort bewegen, erzählt er.

Auch die Jungen Liberalen sind nach wie vor gegen das Tanzverbot. „Der Staat hat nicht das Recht, so weit in die Privatsphäre einzugreifen“, heißt es dort. Für eine Lockerung des Tanzverbotes ist der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) im Land, er hat es vor allem auf die Sonntage abgesehen: Da dürften Discos zwar bis 5.00 Uhr morgens geöffnet bleiben, ab 3.00 müssten sie ihren Gästen aber das Tanzen verbieten. Warum könne man die Leute nicht bis 5.00 Uhr tanzen lassen? „Davon würde der eigentliche Sonn- bzw. Feiertag nicht beeinträchtigt“, heißt es in einem Positionspapier.

Komplett anders sieht man das bei der Jungen Union, Landeschef Nikolas Löbel will nicht am Tanzverbot rütteln: „Man kann fast das ganze Jahr ungestört in der Disko tanzen - da kann man an Ostern, dem wichtigsten Fest im christlichen Glauben, auch mal ein paar Tage auf die Disko verzichten“, findet der CDU-Nachwuchsmann.

Gesetz hin, Gesetz her: Nicht jeder hält sich an die Vorgaben. In Mannheim zum Beispiel wurden im vergangenen Jahr allein an Karfreitag acht Verstöße gegen das Tanzverbot festgestellt. Die meisten Betreiber von Gaststätten und Discotheken hielten sich aber an das Verbot, heißt es bei der Stadtverwaltung. Im Internet kursieren derweil kreative Tipps zur Umgehung: Dort empfiehlt einer, Heavy Metal zu spielen - Headbanging sei ja schließlich kein Tanzen.

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  [Bild: dpa]