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Großstadtgeheimtipps: Glasgow

Inanna Tribukait

Glasgow: Die größte Stadt Schottlands, eine Arbeiterstadt am Clydeufer, oft von Reisenden vernachlässigt gegenüber dem reichen Edinburgh. Dabei hat sich die Stadt in den letzten Jahren neu erfunden und wurde 2015 zur freundlichsten Stadt der Welt gewählt.

fudder-Autorin Inanna Tribukait ist 1997 in Villingen-Schwenningen geboren und studiert seit 2016 in Glasgow in Schottland Englische und Vergleichende Literatur. Deshalb kennt sie fast alle Geheimtipps der Stadt.

Eine Hochburg der schottischen Unabhängigkeitsbewegung, finden sich in Glasgow jeden Tag dudelsackspielende, schottenrocktragende Straßenmusiker auf der Shoppingmeile. Auch wenn die Hauptstadt Edinburgh vielleicht architektonisch mehr zu bieten hat, so tut Glasgow sich doch durch die Einwohner hervor, gemäß dem Slogan: "People Make Glasgow".

Die Übersehene Sehenswürdigkeit

Eigentlich könnte man fast die gesamte Stadt als eine übersehene Sehenswürdigkeit bezeichnen: Im ganzen Stadtzentrum verteilt sind Street-Art-Kunstwerke, die die Geschichte der Stadt oder auch berühmte Glaswegians abbilden. Läuft man diesen Mural Trail ab, kommt man nicht umhin, auf dem Weg auch in die Nähe anderer Sehenswürdigkeiten zu kommen: Die St. Mungo Cathedral und der angrenzende Necropolis-Friedhof zum Beispiel – oder die Gallery of Modern Art. Vor der steht übrigens das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt, ein Reiterdenkmal des Duke of Wellington: Dieser trägt seit den 1980er Jahren immer wieder wechselnde Verkehrskegel, die von der Stadt regelmäßig abgenommen und von den Bürgern regelmäßig wieder aufgesetzt werden.

Kaffeepause

Da Glasgow sich nun mal in Großbritannien befindet, bietet sich statt einer Kaffeepause auch immer ein Nachmittagstee an. Wer ein bisschen mehr Geld zur Verfügung hat, der kann sich im Stadtzentrum auf der Buchanan Street in die Willow Tea Rooms setzen und sich dort einen traditionellen Afternoon Tea servieren lassen: Die Teestube wurde vom Glasgower Innenarchitekt Charles Rennie Mackintosh ausgestattet.

Wer es lieber ein bisschen alternativer hat, der wird in Tchai Ovna in der Otago Lane sicherlich sein Glück finden. Direkt neben einem Plattenladen und einem Buchladen, in dem sich Katzen heimisch fühlen und der Verkäufer noch mit Bleistift und Papier die Preise zusammenrechnet, befindet sich eine vegetarische Teestube und Restaurant im Hippiestyle. Diese ist übrigens offen bis elf Uhr Abends und bietet immer wieder Veranstaltungen wie Konzerte oder Geschichtenerzählabende für Erwachsene an.

Magengrummeln

Wenn man weiß, wo man suchen muss, dann ist Glasgow fast schon ein Foodie-Paradies: Auf der Suche nach der besten Pizza der Stadt wird man wohl von fast jedem Glaswegian an Paesano’s Pizza weitergeleitet. Für Burgerfreunde ist das Restaurant "Bread Meats Bread" die ideale Adresse (auch mit guten vegetarischen und veganen Optionen) und Süßschnäbel können sich bei Loop and Scoop, einer kombinierten Eisdiele und Churreria, satt essen.
Übrigens hat das berühmt-berüchtigte schottische Nationalgericht Haggis zu Unrecht einen schlechten Ruf. Fast jedes schottische Restaurant bietet es an und wer sich vor Innereien scheut, der kann auch auf die vegetarische Variante zurückgreifen, die dem Original um nichts nachsteht.

Shop till you drop

Als größte Stadt Schottlands ist Glasgow auch, was Einkaufsmöglichkeiten angeht, gut ausgestattet. Im Stadtzentrum gibt es verschiedene große Einkaufszentren und die Flaniermeile Buchanan Street. Im West End der Stadt, dem eher jungen, studentischen Teil, gibt es viele Second-Hand-Läden, zum Beispiel auf der Great Western Road. Ein echter Geheimtipp ist übrigens die Hidden Lane, die Antiquitätenläden, Vintage Möbel und eine preisgekrönte Teestube versteckt.

Meet the Locals

Wenn man sich wirklich in die schottische Gesellschaft reinversetzen will, dann ist der Besuch eines Ceilidhs vermutlich die beste Möglichkeit. Ursprünglich bedeutete "Ceilidh" schlicht ein geselliges Zusammensein. Heutzutage ist es meist verbunden mit einer Tanzveranstaltung, bei der eine Band Folk-Musik spielt und das Publikum tanzt. Die Tanzschritte werden vor jedem Lied erklärt. Vorausgesetzt man versteht den Akzent, kann man auch als Reisender problemlos daran teilnehmen. Wer nicht ganz so tanzbegeistert ist, der kann dienstagabends auch in die Kneipe Inn Deep gehen. Dort gibt es ein Open Mic für Dichter und Poetry Slammer, ein Event dass so beliebt ist, dass die Zuschauer mitunter auf dem Boden sitzen. Zwischen Locals und internationalen Studenten ist man dort auch als Reisender gut aufgehoben.

Nachtschwärmer

Auch für Nachtschwärmer hat Glasgow viel zu bieten – und das schottische Nachtleben ist definitiv eine Erfahrung wert. Eine Nacht könnte zum Beispiel in der Bar/Club Nice N Sleazy anfangen, die außer japanischer Fusionsküche auch Cocktails anbietet und regelmäßig Rock-, Indie- und Alternative-Konzerte veranstaltet. Außerdem gibt es noch Subclub, einen Techno-Nachtclub, der immer wieder als einer der besten der Welt bezeichnet wird. Die Club Night, die dort immer samstags veranstaltet wird, ist übrigens die am längsten laufende Nachtclubveranstaltung des Planeten. Für Fans lateinamerikanischer Rhythmen bietet sich Mango an, Garage spielt für den Mainstream und auch sonst gibt es zahlreiche kleinere und größere Clubs und Venues, so dass jeder für sich das richtige finden wird. Seit 2008 ist Glasgow UNESCO Stadt der Musik und bietet jede Woche über hundert verschiedene Konzertveranstaltungen an.

Für Romantiker

Für Romantikfans bietet sich ein Besuch bei der University of Glasgow an, insbesondere übrigens bei Nacht oder im Winter. Das neugotische Gebäude erinnert nicht nur ein bisschen an die Zauberschule Hogwarts und wird nachts erleuchtet: Im Winter ist der Innenhof mit Lichterketten dekoriert. Vorausgesetzt das Wetter ist schön, lohnt sich immer auch ein Ausflug in die Botanischen Gärten, wo es beinahe handzahme Eichhörnchen gibt, oder in den Kelvingrove Park –dort treffen sich freitagabends oft die Glasgow Fire Spinners, um gemeinsam mit dem Feuer zu spielen.

Ein Date-Tipp ist übrigens auch die Underground Jazz- und Cocktailbar Swing, die im Stil der 20er Jahre gehalten ist und zum Teil Abendprogramme wie Livemusik oder kurze Trapezvorführungen anbietet.

Fine Art

Auch für Kunst- und Kulturinteressierte hat Glasgow viel zu bieten. Angefangen bei der Gallery of Modern Art im Stadtzentrum, über die Kelvingrove Art Gallery, bis zum Mackintosh Haus auf dem Universitätscampus gibt es viel zu sehen. Außerdem gibt es noch das Centre of Contemporary Art, in dem Vorträge, Kreativlabore oder Filmvorführungen stattfinden, oder das Glasgow Film Theatre, das nicht nur Blockbuster, sondern auch Filmklassiker oder kleinere, unabhängige Filmproduktionen zeigt, manchmal sogar mit kurzen, einleitenden Vorträgen von Menschen, die in diesen Film involviert waren.

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