Großstadtgeheimtipps (22): Dresden

Lorenz Bockisch

Frauenkirche, Schloss und Zwinger, vielleicht noch die Semperoper. All das sollte man bei einem Besuch in "Elbflorenz" natürlich nicht verpassen. Doch Dresden hat auch noch eine andere (Elb-)Seite: Die Dresdener Neustadt, das größte Gründerzeitviertel Deutschlands. Und, wie die ganze Stadt, ein Tummelplatz für Kultur.



Übersehene Sehenswürdigkeit


Dresden ist als alte Residenzstadt so voll von Sehenswürdigkeiten, dass man viele davon leicht übersehen kann. Neben der frisch wieder aufgebauten Touristenfalle Frauenkirche (reingehen sollte man nur an verregneten Wochentagen, sonst ist sie unerträglich voll und von außen eh viel schöner) bietet die Altstadt mit Zwinger, Schloss und den ganzen Kirchen viel, was man sich genauer anschauen sollte. Auch der nach historischem Vorbild wiederaufgebaute Neumarkt um die Frauenkirche ist einen Rundgang wert.

Wer sich Dresdens schönsten Gully anschauen will, muss sich hinterm Rathaus auf die große Kreuzung St. Petersburger Straße/Dr.-Külz-Ring trauen.



Kultur und Kunst

Museen, Museen, Museen. Durch die Sammelwut der alten sächsischen Wettiner-Fürsten ist Dresden unvorstellbar reich an Kunstschätzen. Viel Gold und sonstiges Bling-Bling gibt es im Grünen Gewölbe zu sehen, das in der Original-Schatzkammer des Residenzschlosses angesiedelt ist (Einlass nur für begrenzte Zeiträume, etwas teurer). Ebenso empfehlenswert ist die Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger, wo unter anderem das Raffael-Original der Sixtinischen Madonna (der Dresdner nennt sie liebevoll die "sechstonnige Martina") mit den zwei von unzähligen Postern und Postkarten bekannten Puttenengeln hängt. Eine Übersicht über die diversen staatlichen Museen gibt eshier.



Weihnachts-Einkaufs-Pause

Dresden hat den ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands: Seit diesem Jahr ist der Striezelmarkt nach langer Bauzeit wieder auf den Altmarkt, direkt an der für ihren Knabenchor berühmten Kreuzkirche, zurückgekehrt. Auch dieser ist eine Touristenfalle. Aber neben Glühwein- und Bratwurstständen (letztere äußerst empfehlenswert, vor allem mit Bautz'ner Senf) kann man hier sehr viel erzgebirgische Schnitzkunst bewundern. Zu kaufen gibt's die Schwibbögen, Jahresendflügelfiguren und die eine oder andere Peremett natürlich auch.

Ebenfalls einen Abstecher wert ist der historische Weihnachtsmarkt im Stallhof (im alten Marstall des Dresdener Schlosses, zwischen Schloßstraße und Augustusstraße). 

Abendliche Ausgehmöglichkeiten



Besonders die Dresdener Neustadt macht es dem abendlichen Ausgehwilligen extrem schwer, sich zu entscheiden. Die "Äußere Neustadt" – das Dreieck zwischen Königsbrücker Straße, Alaunplatz und Bautzener Straße – ist eines der letzten wirklichen "Szeneviertel" Deutschlands. Es strotzt nur so vor Gallerien, kleinen First- und Second-Hand-Läden, Designer-Existenzgründungen und eben Kneipen, Clubs und Bars.

Vor allem die Alaunstraße ist rechts und links äußerst dicht mit letzteren gesäumt, die Nebenstraßen nicht minder. Hier befindet sich auch die (ebenfalls tagsüber empfehlenswerte) Kunsthofpassage (Alaunstraße 70), in der man sich unter anderem bei dem äußerst leckeren Spanier "El Perro Barracho" mit Tapas &Co. versorgen kann.



In der "Planwirtschaft" (Louisenstraße 20) kann man zwar viele Devotionalien aus DDR-Zeiten sehen, doch sowohl Preise als auch die Auswahl an Bieren ist marktwirtschaftlich. Generell ist Dresden wegen der umfangreichen sächsischen Brautradition und der nicht nur geographischen Nähe zum Bier-Mutterland Tschechien ein Paradies für Biertrinker.

Ein wenig westlich der Neustadt, in der Leipziger Vorstadt,  findet man in der Erfurter Straße das Flower Power, eine sehr angenehme Mischung aus Disco und Club.

Und wer sich zu sehr den diversen Bieren gewidmet hat oder dies weiter woanders tun will, braucht sich keine Sorgen um das Nachhausekommen machen: Dresden hat eines der dichtesten Nahverkehrsnetze Europas – auch nachts.

Beste Bar der Stadt

Dass Dresden eine sehr studentisch geprägte Stadt ist, merkt man beim Besuch einer der Institutionen des Dresdner Nachtlebens: Der Studentenclub Bärenzwinger befindet sich unter der berühmten Brühlschen Terrasse (direkt rechts von der Altstadtabfahrt der Carolabrücke). Dort finden regelmäßig Konzerte kleinerer Bands statt, im Sommer stets über mehrere Wochen hinweg das Sommertheater mit wunderbar unterhaltsam-abstrusen Stücken. In der Vorweihnachtszeit veranstaltet der Club alljährlich den Weihnachtsmannsackhüpfstaffelmatahon, bei dem sich als Weihnachtsmänner verkleidete junge Leute ein Wettrennen im Sackhüpfen liefern.

Eine Besonderheit sollte der Osten-Unkundige Besucher bei seiner Kneipentour wissen: Wenn man eine Cola bestellt, bekommt man oft die Rückfrage "schwarz oder rot?" Gemeint sind damit nicht Coca- oder Afri-Cola, sondern die im Osten weit verbreitete Vita-Cola. Die rote ist die normale, original Vita-Cola mit leicht zitronigem Geschmack, die schwarze ist unlemoniert. Schmecken tun sie aber beide.

Nachtlager



Seit der feierlichen Eröffnung der Frauenkirche erfreut sich die Tourismusindustrie der sächsischen Hauptstadt einer dauerhaften Bettenbelegungsquote von über 90 Prozent, weshalb man auch mal Pech haben kann wie Josef und Maria damals in Bethlehem. Wer keine Verwandten oder Bekannten in der Stadt hat, denen er/sie auf die Tasche und Nerven gehen kann, ist in "Lollis Homestay Hostel" an der Ecke Görlitzer/Sebnitzer Straße (Neustadt) sehr zentral und auch günstig untergebracht. Auch die oben erwähnte Planwirtschaft bietet hat in den Etagen darüber ein paar Hostel-Zimmer. Für den (wirklich sehr viel) dickeren Geldbeutel ist das Taschenbergpalais zu empfehlen, das genau zwischen Zwinger und Residenzschloss liegt. Zentraler kann man kaum nächtigen.

Shop 'till you drop

Wer sich eher alternativ einkleiden möchte, dem sei die Dresdener Neustadt, vor allem die Alaunstraße (siehe oben) empfohlen. Dort gibt es sehr viele, auch sehr oft wechselnde, kleine Läden, in denen man auch ausgefallenes findet.

Die wahre Dresdener Einkaufsmeile ist jedoch die Prager Straße, in der Altstadt am anderen Elbufer. Sie ist leicht zu finden, sie beginnt direkt am Hauptbahnhof. Dort hat wirklich jeder größere Bekleidungsverkäufer – von H&M bis ganz edel – jeweils sehr große Verkaufsflächen mit ausgezeichneter Auswahl. Hier wird wirklich jeder, egal wieviel-pfündig, fündig.

Meet  the locals

 



Wer sich mit einheimischen Bürgern gepflegt unterhalten will, braucht in Dresden kein Smalltalkthema wie das Wetter. Ein einfaches "Ich finde die Walschlößchenbrücke toll!" reicht aus, um die Gemüter und Diskussionen zu erhitzen. Um als Außenstehender bei diesem Thema auf den aktuellsten Stand zu kommen, ist ein Gespräch mit Einwohnern beider Lager allemahl aufschlussreicher als der etwa 30-seitige Lexikonartikel dazu. Wer sich die Baustelle anschauen will, fahre vom Stadtzentrum aus das Käthe-Kollwitz-Ufer elbaufwärts. Zur Zeit wird noch viel gebaggert und an den Zufahrten gebaut.

Der Autor

Lorenz Bockisch ist in Dresden geboren und besucht seine alte Heimat des öfteren. Dort lebende Freunde und Verwandte haben mit vielen Tipps zu diesem Großstadttext beigetragen.

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