(Großstadt)geheimtipps Costa Rica

Cristina Morales

Eigentlich wollte fudder-Autorin Cristina Morales Großstadtgeheimtipps zur costa-ricanischen Hauptstadt San José schreiben. Dann stellte sie fest. Die Hauptstadt des Landes ist voller amerikanischer Ketten, das Umland tausendmal schöner. Deshalb die geografisch nicht ganz korrekte Alternative - Großstadtgeheimtipps Costa Rica. Wir drücken beide Augen zu und träumen vom Meer:



Für die meisten fängt die Costa-Rica-Reise in der 288 000 Einwohner-Stadt San José an. Kurz nach der Ankunft am internationalen Flughafen "Juan Santamaria" wird einem ein dreimonatiges Touristenvisum ausgestellt.


Mit dem öffentlichen Bus kommt man günstig ins Herz der Stadt. Der Hauptsitz aller öffentlichen Ämter und der Universität steht im starken Kontrast zur sonst sehr entspannten Atmosphäre in Costa Rica. San Joses Straβen sind laut und voll, von lateinamerikanischer Kultur ist wenig zu spüren. Die kleinen, typischen Sodas, wo man für wenig Geld leckeres, traditionelles Essen bekommt, findet man nur selten. Das Stadtbild ist von den zahlreichen, amerikanischen Fast-Food-Ketten geprägt. Es gibt nur einen Grund, San José dem Umland vorzuziehen: Wer preiswerte Klamotten und Schuhe shoppen möchte, ist dort richtig: Denn Souvenirs von bemalten Salatbesteck bis hin zu Pura-Vida-Tops (zu deutsch: Pures Leben, vielseitig einsetzbare Floskel der Costa Ricaner) findet man in San Jose deutlich erschwinglicher als an den beliebten Strandorten im Rest des Landes.



36 Grad und es wird noch heiβer

Ich verlasse also die hauptstadt und erkunde den Rest des Landes. Meine Lieblingsstrände liegen alle an der Pazifikküste in der Provinz von Guanacaste. In der Hauptsaison von November bis März, ist fast jeden Tag perfektes Badewetter: Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad und mehr, ziehen auch die Einheimischen regelmäßig an einen der zahlreichen Strände.



Von Liberia, der Hauptstadt Guanacastes, kommt man mit dem öffentlichen Bus in kurzer Zeit am paradiesischen Playa Hermosa an. In dem gleichnamigen Ort gibt es bis auf vier, fünf teure Restaurants und einen Supermarkt kaum etwas zu entdecken. Daher empfiehlt es sich mit dem Taxi zum nahegelegenen Playa del Coco zu fahren.

Dieser Strand ist im Vergleich mit Playa Hermosa kein traumhafter Badeort, dafür hat die Promenade von Playa del Coco, besonders nachts ihren ganz eigenen Charme. Tagsüber verkaufen Einheimische am Strand wahre Eiskunst unter dem Namen Granizado. Dabei handelt es sich um ein in rotes Sirup getränktes, Crushed Eis, verfeinert mit Milchpulver und gezuckerter Kondensmilch. Granizado ist eine von vielen ungesunden Leckereien Costa Ricas, die eine Sünde wert sind.



Partyurlaub und bester Kaffee gegen den Kater danach

In nur zwei Stunden geht es weiter zur Partyhochburg Tamarindo. Diese kleine Stadt liegt an der nördlichen Pazifikküste Costa Ricas und ist eine beliebte Surfgegend. Nahezu jeden Abend kann hier das Tanzbein geschwungen werden. Die Clubs werden vor allem von den vielen Sprachschüler aus der Schweiz und Deutschland - und den Surflehrern besucht.

Der ganze Ort ist stark auf den Tourismus ausgerichtet und so gibt es mehrmals die Woche kostenlosen Eintritt für alle Frauen oder Open Bar (eine bestimmte Auswahl an alkoholischen Freigetränken). Wer auf Mottoparties steht, sollte Samstags im amerikanisierten "Club Aqua" vorbeischauen.

Jede Woche wechselt das Thema von Neon Party, White Party bis zu Wet-T-Shirt-Contest. Für Liebhaber der Reggaemusik ist die Tanzbar Pacifico die richtige Location, um einen Urlaubstag ausklingen zu lassen.

Nach einer durchfeierten Nacht beginnt man den Tag am besten mit einem Gang ins Cafe Tico.
Meiner Meinung nach findet man hier den besten Kaffee im ganzen Land und man kann ihn auch als Souvenir direkt vor Ort kaufen. Zudem sollte man sich durch die täglich, wechselnden Süßspeisen und Empanadas (mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen) durchprobieren.

Traditionelles Costa Rica

Das typische Frühstück eines Ticos (Kosename für die Einwohner Costa Ricas) besteht allerdings aus den Grundnahrungsmitteln Reis und Bohnen. Es wird mit deftigen Beilagen, wie Rührei, gebratenen Kochbananen oder einem speziellen Käse serviert und ist in jedem Soda, unter dem Namen Gallo Pinto, (gefleckter Hahn) zu bekommen.



Neben einem guten Pinto, ist für viele Ticos das Zusammentreffen mit Freunden und Familie auf den Fiestas del Torro unverzichtbar. Übers Jahr verteilt finden in den Dörfen in Guanacaste verschiedene Jahrmärkte alias Fiestas del Torros statt. Je nach Ort fällt das Angebot an Essenständen, Karaokebars mit Tanzflächen und Karussels unterschiedlich groβ aus. Auf keinen Fall darf aber die Tribüne aus Holzbalken für das Rodeoreiten fehlen.

Anders als in Spanien wird der Stier am Ende des Spektakels nicht getötet, sondern von Cowboys auf Pferden mit einem Seil eingefangen. Die gröβte und interessanteste aller Fiestas del Torro findet im Januar in Santa Cruz statt und wird bei jedem Reisenden, der Tief in die Kultur der Costa Ricaner blicken möchte, bleibende Eindrücke hinterlassen.

Wer einmal Costa Rica besucht hat, wird schnell verstehen warum die Schweiz Lateinamerikas zum Ziel vieler Auswanderer geworden ist. Trotz der vergleichsweise hohen Preise und dem starken Einfluss der amerikanischen Touristen hat das Land neben einer atemberaubenden Natur noch vieles mehr zu bieten.

Die Ticos sind unglaublich herzliche und gastfreundliche Menschen und machen es einem leicht, sich in ihre Heimat zu verlieben.