Trinationale Aktion

Großkontrolle: Polizei überprüft in Freiburg 327 Menschen

Felix Lieschke

Die Polizei hat eine Großkontrolle durchgeführt, um organisierte Kriminaliät zu bekämpfen. 40 Beamten waren in und um Freiburg im Einsatz. Der Erfolg war durchwachsen.

Es ist kurz vor Mitternacht an der Hermann-Mitsch-Straße in Freiburg, als "Easy" mit einem Satz auf den blanken Motor des kleinen Peugeot springt und zu schnüffeln anfängt. Der Rüde der Freiburger Hundestaffel ist spezialisiert auf Rauschgift. Zügig geht die Nase entlang der Batterie, der Lufteinlässe und kleinsten Nischen im Motorraum. "Er hat dreimal angezeigt", sagt sein Besitzer. Ein Kollege hält die Plastikabdeckung des Motors in der Hand. Er konnte sie einfach abziehen. Es wackelt vieles im Motorraum. Das ist auffällig. Noch auffälliger jedoch ist die Erklärung des Fahrers, sein Bruder sei Mechatroniker und hätte erst kürzlich an dem Auto gebastelt. Mal abgesehen davon, dass die Beamten in seinem Rucksack zuvor ein Päckchen Marihuana entdeckt haben. Volltreffer.


Gras gefunden

Fahrer und Beifahrer des Autos können nur zuschauen, wie der Hund sich durch den Innenraum ihres Autos wühlt. Sie sind noch jung. Mitte zwanzig vielleicht. Der größere der Beiden steht angespannt, die Hände tief in den Taschen seinen Daunenparkas vergraben. Der Blick ist ernst. Der Kleinere trägt nur einen Pullover - man kann seine Zähne aufeinanderschlagen hören. Den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und eine Strafanzeige scheint er noch nicht zu realisieren. Es ist die Kälte, die ihn interessiert, und die sich unaufhaltsam durch seine Gliedmaßen frisst.

Es wird nicht der einzige Fall bleiben, den die Beamten in der Nacht zum Samstag aufnehmen können. Der ganz große Schlag gegen die organisierte Kriminalität bleibt bei der trinationalen Kontrolle am Rande des Freiburger Stadtgebiets jedoch aus.

Es ist Freitagabend, kurz nach halb elf am Polizeirevier Freiburg-Nord. Einzelne Partygänger holen sich noch schnell Geld in der angrenzenden Bank. Eine junge Frau sitzt desorientiert im Wartebereich des Reviers. Sie wirkt erschöpft, teilnahmslos, angetrunken. Ein junger Mann steht ihr gegenüber. Er sagt nichts, schaut nur. Hinter der dicken Glastür wuselt es. In Scharen kommen die Beamten die Treppe hinuntergelaufen, dick eingepackt in Winterjacken, dicken Hosen, Mützen. Auf manchen steht "Polizei". Manche tragen den Schriftzug des Zolls. Auch die "Gendarmerie" ist zu sehen.

Verstärkung aus der Schweiz und aus Frankreich

Während seine Kollegen anfangen die Mannschaftswagen zu beladen, sitzt Harry Hochuli noch in seinem Büro im ersten Stock. Er leitet das Innenstadtrevier Freiburg-Nord. "Normalerweise veranstalten wir zwei dieser Großkontrollen im Jahr", sagt er – eine im Frühjahr und eine im Herbst. In diesem Jahr ist es die Erste. 40 Kollegen sind im Einsatz. Es sind Leute von der Bundespolizei dabei, von den verschiedenen Revieren in Freiburg, der Hundestaffel, der Autobahnpolizei und des Zolls. Daneben unterstützen zwei Beamte aus dem Elsass die Truppe sowie Beamte aus dem Kanton Baselland. Ziel sind keine betrunkenen Autofahrer, sagt Hochuli - das ist "Beifang". Ziel sind Einbrecherbanden und "alles, was sich in der Nacht zwischen Frankreich und Deutschland bewegt". Dass ganz in der Nähe zur gleichen Zeit eine Technoparty stattfindet, ist Zufall, sagt er.

Es gehe darum, Präsenz zu zeigen. "Das Sicherheitsgefühl ist momentan schlecht", sagt Hochuli. Die ermordete Studentin hat Freiburg erschüttert. Daneben gibt es beinahe täglich Meldungen über Wohnungseinbrüche, Raubüberfälle und Drogendealer im Eschholzpark. Die Polizei steht unter Druck.

Um 23 Uhr geht es los. Ziel sind die Bundesstraßen und der Autobahnzubringer. Eine Gruppe hat sich im nördlichen Industriegebiet postiert. Verkehr, der von der B 3 stadteinwärts unterwegs ist, wird direkt ausgeleitet. Die zweite Gruppe steht an der Hermann-Mitsch-Straße, Ecke Granadaallee vor dem Ikea. Mehrere hundert Meter vor der Kreuzung stoppen die ersten Beamten die Fahrzeuge, ein zweiter Beamter leitet sie aus der Kreuzung. Vier bis fünf Autos können die restlichen Einsatzkräfte gleichzeitig kontrollieren - wenn die Autos denn kommen. Bereits um kurz vor 23 Uhr wurde der Standort auf Facebook verraten, erzählt Wilhelm Schulz. Er leitet den ganzen Einsatz. Zusammen mit seinem Kollegen hat er die Wochen davor geplant, organisiert, Einsatzkräfte delegiert und versucht nichts nach draußen dringen zulassen. Vergeblich. "Das Verkehrsaufkommen ist sehr gering für einen Freitagabend", muss auch Schulz feststellen.

Kontrollen auf Facebook verraten

Um zwei Uhr versammeln sich nochmal alle Einsatzkräfte im Revier-Nord. Bei Kaffee und Gemüsebrühe heißt es aufwärmen. Bisher war es ein ruhiger Abend für alle Beteiligten. Ob Wilhelm Schulz unglücklich darüber ist, kann er nicht gleich beantworten. Er hat schon viel gesehen in seinen 38 Dienstjahren. Er war Personenschützer in Stuttgart zu Zeiten der RAF, er war bei der Autobahnpolizei und hat einige Reviere kennengelernt, bevor er den Polizeiposten in Zähringen angefangen hat zu leiten.

Viele Autofahrer seien vernünftiger geworden, sagt Schulz. Es bilden sich mehr Fahrgemeinschaften oder die Leute rufen sich ein Taxi. Dank der Straßenbahn verzichten viele gleich ganz auf das Auto, ergänzt Hochuli. Einen angetrunkenen Autofahrer erwischen sie dann aber doch noch. 0,54 Promille – nur eine Ordnungswidrigkeit. Das Auto muss er stehen lassen. Viel härter trifft es seinen Beifahrer, der in der Kälte ausharren muss, bis die Tochter des Fahrers das Auto abholt.

Um fünf Uhr ist die Großaktion beendet. Schulz und Hochuli sind zufrieden. 327 Personen haben ihre Kollegen kontrolliert, insgesamt 209 Fahrzeuge. Zwei Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz konnten aufgenommen werden, ein betrunkener Autofahrer und zwei Verstöße gegen die Abgasvorschriften. Am Ende konnten sie auch ein wichtiges Beweismittel in einem laufenden Verfahren sicherstellen – ebenfalls wegen Betäubungsmitteln.

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