Großer Andrang bei Schweinegrippe-Impfung für Kinder

Simone Lutz

Impfungen wie am Fließband: Bei einer Aktion in der Kinder-Notfallpraxis im St. Josefskrankenhaus ließen sich zahlreiche Kinder und Jugendliche gegen die Schweinegrippe impfen. In gut drei Stunden wurden 150 Menschen gepikst.



Beate Fritz lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen. Die medizinisch-technische Assistentin hat die Ambulanz der Kinder-Notfallpraxis im Griff. "Aber seit Montag geht’s hier rund: ein Anruf nach dem anderen." Seit bekannt wurde, dass Kinder- und Jugendärzte eine gemeinsame Impfaktion zur Schweinegrippe organisiert haben, hagelt es telefonisch Fragen: Wann kann ich kommen, wie läuft das ab, ist mein Kind schon groß genug?


Am Mittwoch nun war der erste von zwei Terminen, und statt um 15 Uhr starteten die Impfungen schon eine Viertelstunde früher – so viele Familien waren gekommen. "Ich habe bei unserem Kinderarzt angerufen, und der hat mich ans Josefskrankenhaus verwiesen", erzählt Anja S. aus Horben, die mit ihren fünf Kindern gekommen ist. Sie sind die Nächsten. "Bitte kommen Sie", und schon steht die Familie im Behandlungszimmer.



Dort hat Roland Fressle, Kinder- und Jugendarzt mit einer Praxis in Landwasser, nach der ersten Viertelstunde schon 22 Menschen geimpft, kleine und große. Denn Mütter und Väter lassen sich auch gleich pieksen. Als erster muss der zweijährige Milan bei Mama auf den Schoß und seinen Arm hinhalten, und es tut auch gar nicht weh.

Dann werden Mika (3), Jenna (4) und Janine (6) geimpft – alle sind ganz supertapfer –, und schließlich ist die 16-jährige Cindy dran. Als Letzte lässt sich Anja S. eine Spritze geben. Keine fünf Minuten dauert es, dann ist die Familie fertig. Die Kinder sollen noch eine halbe Stunde in der Praxis bleiben, nur zur Sicherheit, dann können sie gehen. Und nächstes Mal gibt’s beim Kinderarzt fürs Impfenlassen ein kleines Geschenk.

Roland Fressle und vier weitere Kolleginnen und Kollegen haben gestern mit Unterstützung von Mitarbeitern wie Beate Fritz auf diese Art insgesamt 150 Menschen geimpft. "Wie am Fließband", sagt Fressle.

Vor den Herbstferien hatten sich rund 60 Kinder- und Jugendärzte mit eigenen Praxen, aus Uniklinik und Krankenhäusern getroffen, um sich zu beraten. Die Ärzte beschlossen, eine zentrale Impfaktion zu organisieren, und zwar in der Kinder-Notfallpraxis. Zwar impfen auch einige Kinderärzte in ihren eigenen Praxen, aber der Impfstoff wird nur in großen Mengen geliefert, "zehn Dosen in einem Fläschchen", sagt Fressle, und das ist für einzelne Kinderärzte in der Regel zu viel.



"Die Impfungen selbst gehen schnell", sagt Fressle, "aber der Rest ist horrender organisatorischer Aufwand." Erstmal bei Bedarf über die Impfung beraten, Merkblätter verteilen, auch an fremdsprachige Mütter und Väter, Impfstoff bei der Apotheke bestellen, Impfpässe ausfüllen, eine Liste führen, wer mit welcher Chargennummer des Impfstoffs behandelt wurde, Spritzen für Kinder und Spritzen für Erwachsene besorgen – "heute morgen ist die Apothekerin noch nach Kirchzarten gefahren, um zusätzlichen Impfstoff zu holen". All das, sagt Fressle, hätten sie selbst organisieren müssen – ein Umstand, der bei den engagierten Ärzten zu einigem Unmut führte.

In einem Nebenraum sitzen derweil Christel Ulmer und Ilse Meyhöfer vom kinder- und jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes. Bei ihnen kann man sich informieren, über Nebenwirkungen des Impfstoffs etwa, und ob so eine Impfung überhaupt notwendig ist. Viel zu tun haben die beiden nicht. "Wer hierher kommt, um seine Kinder impfen zu lassen, ist bereits gut aufgeklärt. Die Leute wollen gleich geimpft werden", haben die beiden beobachtet.

Kurz nach 18 Uhr ist dann Schluss – und die Ärzte sind zufrieden: "Wir sind sehr gelobt worden für die Aktion", sagt Fressle. Nun denken sie darüber nach, nach dem zweiten zentralen Impftermin noch weitere anzubieten – der Bedarf, so glauben sie, ist da.