Grimassenschneiden für Anfänger

Helena Barop

Grimassieren, Fangen spielen, lachen lernen. In den Workshops der beiden Clowns Max Million und Jack Millet sollen sich die Teilnehmer richtig austoben; und lernen, was ein Clown so macht. Auch helena hat versucht, das nachzuvollziehen.



Unsichere Blicke, wippende Füße. Im Werkraum des Theaters sitzen 26 Jugendliche. Sie wollen Clowns werden, wenigstens ein bisschen. Deshalb haben sie sich angemeldet zum Clown-Workshop von Max Million und Jack Millet, angeboten vom Jugendclub des Theaters. Wenige kennen sich, einige kichern. Dann geht's los.




"Hab dich!" ruft Clown Max und wir laufen los. Es dauert nur wenige Minuten, dann ist das Eis gebrochen. Auf das Fangspiel folgen schweißtreibende Aufwärmübungen. Hüfte kreisen, Brustbein kreisen (hä?), Füße auf die Außenkante, ein Knie nach innen, eins nach außen kreisen (autsch!) und dann die  Gesichtsübungen. "Alle Muskeln im Gesicht nach oben", befieht Jack und wir fangen an, total lächerlich zu grinsen. "Und jetzt nach unten", doch das ist nicht so leicht, denn die todtraurigen Grimassen der anderen bringen mich immer wieder zum Lachen. Dass man die Gesichtsmuskeln auch nach hinten und nach vorne bewegen kann, war mir bisher nicht klar. Aber es geht. Und es ist unheimlich komisch. Eine Gesichtsgymnastikübung für Fortgeschrittene ist dann auch das Augenbrauentraining: nach oben, nach unten, okay, das geht noch. Jetzt nur links. Nur Rechts. Links-rechts-links! Da hört der Spaß auf, beziehungsweise er fängt gerade erst an.

Clowns können mehr, als Witze erzählen. Körperbeherrschung ist sehr wichtig und die Mimik des Clowns ist eine Wissenschaft für sich. Schon durch die gnadenlose Übertreibung eines Grinsens bringen die beiden Profis die Kursteilnehmer zum Lachen. Ein Clown ist von Berufs wegen immer auf der Suche nach Überraschungsmomenten. Zwei Stühle, zwei Leute, eine Aufgabe: Aufstehen und Hinsetzen. Mehr ist nicht erlaubt. Wer "nichts mehr zu geben hat", wie es Jack ausdrückt, geht einfach, ein anderer übernimmt den Platz. Es passiert wenig und trotzdem entstehen kleine, lustige Szenen.

Wenn die beiden Clowns gerade nicht mit Jugendlichen fangen spielen, treten sie auf. Ihre Freiburger Clownsgruppe Comedy Kids erfreut die Zuschauer als Brautpaar, Putzkolonne und Ampelmännchen. Max Million, der eigentlich Maximilian Giermann heißt, tritt außerdem einmal die Woche bei Pro 7 auf. Für "Switch Reloaded" parodiert er unter anderem Reinhold Beckmann. Außerdem bieten die beiden auch Kurse für Erwachsene an. Ärzte und Lehrer sollen bei ihnen lustiger werden und lachen lernen, auch wenn die Arbeit mit ihnen schwieriger sei als mit Jugendlichen. "Die denken zu viel", sagt Jack.

Wie die beiden zu ihrem Clownsberuf gekommen sind, ist schwer heraus zu finden. "Mit drei bin ich von zu Hause weggelaufen", erzählt Jack, der aus den USA stammt, "und dann habe ich beschlossen, ich bin Clown. Ich will nicht arbeiten. Das ist lange her. Mindestens fünf Jahre. Jetzt bin ich hier, weil mein Hund hier ist." Fazit: Die meist 16-jährigen Kursteilnehmer hatten bei den Grinseübungen und Aufstehspielchen offenbar einigen Spaß. Besonders innovativ war das Ganze aber nicht. Die meisten der von den Berufsclowns erklärten Nummern kennt man aus dem Aufwärmtraining jeder besseren Theatergruppe. Inhaltliches hat man nicht gelernt. Wie man zum Beispiel richtig einen Witz erzählt, haben mir Jack und Max nicht erklärt.