Grayson Millwood: Go-Cart, Sex und Tanzen

Stephan Elsemann

Der australische Tänzer Grayson Millwood und seine Freunde Gavin Webber und Vincent Crowley von der Splintergroup tanzen heute und morgen Abend beim Internationalen Tanzfestival im Kleinen Haus des Theaters. Im Interview spricht Millwood über Leopardenstretch, Hakenkreuze und Tapeten.



Herr Millwood, für alle die's nicht verstehen: Warum wird man Tänzer? Wollten Sie Mädchen kennenlernen? Bestimmt ging es um Sex.

Ganz genau. Und das ist immer noch so (lacht). Aber ganz am Anfang war's noch anders. Ich fuhr Go-Cart und spielte Fussball, als ich elf war. Die besten Jungs aus unserer Fussballmannschaft gingen gleichzeitig auch noch zum Ballett. Da dachte ich, beim Ballett lernt man, besser Fussball zu spielen. Ich war nämlich der Kleinste damals.

Hat's geholfen?

Na ja. Nach einiger Zeit kam ich in die Pubertät und bemerkte, dass beim Ballett alle Mädels in so engem Leopardenstretch herumliefen. Ich musste mich entscheiden: Go-Cart, Fussball oder Tanz. Und da fiel mir die Entscheidung fürs Ballett nicht schwer. Ich habe in den ersten Jahren vor allem sehr viel Spaß gehabt - das Reisen, die Tourneen. Ich habe mir nicht so viele Gedanken gemacht.



Man solle doch bloß nicht versuchen, etwas zu verstehen, sagte Ihr Kollege Nigel Charnock am Mittwoch. Seine Performance sei "voll mit gar nichts". Ist das bei Ihnen auch so?

Nein, wir haben uns schon etwas dabei gedacht. Wir haben unsere Eindrücke als Australier in Europa verarbeitet. Unsere ersten Erfahrungen mit Kälte und schlechtem Wetter zum Beispiel.

Sie sind aber nun schon seit gut zehn Jahren in Europa.

Stimmt, daran haben wir uns gewöhnt. Aber, was mich immer noch beschäftigt, ist ein Erlebnis in Berlin, als Freunde eine Wohnung am Prenzlauer Berg bezogen haben. Wir entfernten die alten Tapeten. Darunter waren Hakenkreuze an der Wand, wahrscheinlich von Neonazis, die vorher drin waren. Die Nachmieter hatten einfach nur eine Tapete darüber geklebt. Und die Geschichte damit zugedeckt.

Da fiel es mir plötzlich auf: Diese Schichten von Geschichte, die sich in Europa überall hinter den Fassaden oder Tapeten auftun, wenn man dahinter schaut. Das kennen wir in Australien nicht in dieser Form. Und das haben wir auch im Stück verarbeitet.



Das Thema des Festivals ist Tanz und Musik: Was haben wir da von der Splintergroup zu erwarten?

Sehr unterschiedliches. Wir haben Live-Musik, einen Cellospieler, der meistens im Schrank steckt. Dann gibt es Kung-Fu-Filme zu sehen, die mit wilden Keyboard-Sounds konkurrieren. Und Schuhplattler in Lederhosen sind auch dabei. Allerdings mit australischer Volksmusik dazu.

Mehr dazu:

  • Wann: Freitag, 26. 10. und Samstag, 27. 10 um 20 Uhr
  • Wo: Theater Freiburg, Kleines Haus