Gravenhurst in der Kaserne: Weniger Show, mehr Musik

Christian Beller

Am Sonntagabend gab es in der Kaserne in Basel weniger Show und dafür mehr Musik: Gravenhurst aus Bristol waren zu Gast, und Christian war für fudder mit dabei.



Vermutlich hat jeder, der eine Gravenhurst-Platte sein Eigen nennt und gerne Mix-Tapes zusammenstellt, schon den ein oder anderen Song von Nick Talbot aufgenommen. Ein Song wie „Fog Round The Figurehead“ vom Flashlight Seasons-Album passt einfach perfekt zwischen einen Klassiker von Nick Drake oder Elliott Smith und einen melancholischen Popsong von Belle & Sebastian.


Zudem konnte man sich fast sicher sein, dass die Empfänger der Compilation noch nie von Gravenhurst gehört hatten. Ganz im Gegensatz zu ihren ebenfalls aus dem elektronischen Rahmen fallenden Warp-Labelmates von Maxïmo Park werden Gravenhurst wohl die Titelseite des englischen NME zieren, worüber man als Musikfreund aber auch nur froh sein kann, denn nur dann scheinen Konzerte mit einem aufmerksamen Publikum wie gestern möglich zu sein.

Als der aus Bristol stammende Musiker Nick Talbot vor drei Jahren zum ersten Mal in Deutschland war, gab es einen einzigen Auftritt in Köln zusammen mit Sufjan Stevens. Beide Künstler mussten aus finanziellen Gründen akustische Solo-Gigs spielen und der Prime Club war anscheinend fast leer.

Inzwischen stehen bei Sufjan Stevens mindestens zehn Leute auf der Bühne und alle Konzerte sind ausverkauft und auch Gravenhurst haben nach vier Platten, einer EP und dem Soundtrack zu „Ein Freund von mir“ einen bescheidenen Bekanntheitsgrad erreicht.

Als wir Sonntagabend gegen halb zehn den im hinteren Teil mit einem schwarzen Tuch abgehängten Rossstall der Kaserne in Basel betreten haben, war dieser mit etwa 150 Besuchern angenehm gefüllt und als erstes fiel einem auf, dass das Nichtraucherschutzgesetz in Baden-Württemberg auch durchaus seine Vorteile hat. Zumindest war keine Nebelmaschine nötig, um den Strahlengang der Bühnenbeleuchtung sichtbar zu machen.



Das Konzert begann dann etwa 15 Minuten später mit einer technischen Panne. Einer der Amplifier war kaputt gegangen und musste ausgetauscht werden. Kurze Zeit später konnte es dann aber  mit dem instrumentalen Titeltrack des neuen Albums „The Western Lands“ richtig losgehen.

Die zu Beginn eingenommenen Positionen der Musiker änderten sich während des ganzen Konzerts nur wenig. Nick Talbot auf der linken Seite, daneben Bassist Robin Allender und Gitarrist Alex Wilkins und dahinter Dave Collingwood hinter dem Schlagzeug. Alle vier standen die meiste Zeit auch mit gesenktem Haupt oder geschlossenen Augen da, als hätte die Shoegazing-Ära gerade wieder Hochsaison.

Abgesehen von höflichem Bedanken wurde auch mit den Ansagen spärlich umgegangen, aber die waren auch gar nicht nötig, denn hier ging es auch nicht darum eine Show abzuliefern, sondern einzig um die Musik. Das Set bestand zu größten Teilen aus dem Material der letzten beiden Alben. Hit-Songs wie „Velvet Cell“ oder „Trust“ fehlten genauso wenig wie der über zehn Minuten lange „Song From Under The Arches“. Mit „Black Holes In The Sand“ wurde das offizielle Set nach etwa einer Stunde beendet.

Für die Zugabe kam Nick Talbot dann alleine auf die Bühne, drei Songs lang nur diese großartige, gefühlsbetonte Stimme begleitet von der Gitarre. Die Bühne kaum beleuchtet und das Publikum mucksmäuschenstill. Auch wenn man gerne noch länger zugehört hätte, besser hätte das Konzert nicht enden können.

Mit dem Hinweis, dass er wegen dem Rauch leider nicht mehr weitersingen könne, verließ der sympathische Musiker die Bühne und alle aus Freiburg angereisten Gäste konnten noch vor Mitternacht zufrieden wieder zuhause sein.



Mehr dazu:

Gravenhurst: Website& MySpace