Grand Island: Ein feiner Höllenritt

Alexander Ochs

Grand Island, die Soul’n’Punk Explosion aus Norwegen, machte Halt im Swamp. Eine Insel im Sumpf des Mainstream? Von seinem Insel-Trip, einem feinen Höllenritt, berichtet Alex.



Grand Island im Swamp – was sich so naturverliebt anhört, ist tatsächlich der perfekte Soundtrack für eine rasante Verfolgungsjagd, zu Fuß oder im Auto.


Kickdown

Ansatzlos, ohne öffentliches Instrumentenstimmen, ohne Ansage oder anderweitiges Vorgeplänkel, geben die fünf Norweger Vollgas – von der einen auf die andere Sekunde. Das sind, in vorderster Reihe, die beiden Brüder Espen und Paul Gustavsen, die Gesang- und Gitarrenfraktion, sowie das zweite Brüder-Paar Nils Uset und Inge Kristian Brodersen als Rhythmussektion und, bruderlos an Bord, Jon Iver Helgaker an Hammondorgel und Moog-Synthesizer. Um im Bild zu bleiben: Vorder- und Hinterachse, also die zwei Brüder-Duos, sowie ein fünftes Rad am Wagen… Nein, es holpert und scheppert nicht, sondern der Sound rast, getrieben vom straighten & tighten Schlagzeug, schnurstracks nach vorne.

Durchstarten

Nennt es Rock’n’Roll, nennt es Blues, nennt es Soul’n’Punk, nennt es, wie ihr wollt, meinetwegen mit Bluegrass, Folk und Disco angereichert: Die Fünf starten von Null auf Hundertachtzig ohne Luft zu holen und halten das Tempo.

Hektisch, aber nicht planlos, sondern mit gekonnten Taktwechseln huldigen sie der „Formel 1“ der Rhythmen – schalten aber souverän von Hand. Ihre eigene, intensive Prägung erfährt die Musik von Grand Island zum einen durch die fantastische

Stimme ihres Sängers Espen: rau, kratzig und kehlig, immer wieder in die Kopfstimme kippend.

Unverständlich zwar der Text, aber Espens Stimme ist ein Ereignis. Er kreischt, krakeelt und fistelt sich immer wieder hoch in irre Höhen. Zum anderen drückt Pauls Banjo dem Sound seinen Stempel auf, wenn auch nur in den ruhigeren Passagen. Nicht zu vergessen die Orgel, die die flirrende Hektik ihrer Musik mit ausmacht.

Immer wieder meint man, blitzartig kurze, vereinzelte Passagen zu erkennen, Reminiszenzen an die Musikgeschichte – wie ein bisschen Pink Floyd hier („Wish you were here“) oder Jimi Hendrix mit „Crosstown Traffic“ dort.

Tempo halten

Das Einzige, was diese – die norwegische Weite gewohnte – Band vorübergehend leicht aus dem Konzept bringen kann, ist die Enge der Swamp-Bühne – ein zugegeben kleines Eiland für Grand Island. Sänger Espen hadert beidseitig: nach vorne mit dem nicht ganz standfesten Mikrofon, während er hinten mit den Füßen ans Drumset anstößt. Dessen ungeachtet halten die Jungs das Tempo locker vom Anfang bis zum Ende bravourös durch. Wer einmal im Speed Car sitzt…

Extrarunden

Die vom Publikum im gut halbvollen Swamp energisch herbeigeklatschten Musikmaniker absolvieren auch ihre Extrarunden mit Bravour. Als zweite Bonusrunde gibt es, zu guter Letzt, einen neuen Song, der sich schon so orgelflirrend anhört, das man Grand Island zu neuen Ufern aufbrechen wähnt – Gestaden größerer Inseln?

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Grand Island: Website & MySpace