Graham Smith: Houellebecq auf Speed

Stephan Elsemann

Über die Grenzen hinaus bis zur völligen körperlichen Erschöpfung tanzen Joachim Schloemer und Graham Smith in Speed...neither/nor, das heute abend Premiere im Kleinen Haus des Theaters hat. Warum sich Menschen sowas antun, wollte Stephan von Graham Smith wissen.



Herr Smith, zwei Männer tanzen, bis sie umfallen. Das klingt nach Wettkampf, nach typisch männlichem Konkurrieren. Was müssen Sie sich beweisen ?

Joachim und ich müssen uns gar nichts mehr beweisen, denn wir kennen uns schon so lange. Aber eine Männersache ist es schon. Es geht in Speed um Leidenschaft für den Tanz, darum, sich in etwas zu verbeißen wie ein Hund, der nicht loslassen kann. Und es geht darum, was passiert, wenn man diese Energie nicht stoppt.



Keine Konkurrenz ?

Nein, denn wir haben das ja so gewollt. Die beiden Personen des Stücks kann man durchaus als ein und dieselbe zu verschiedenen Lebensaltern verstehen.

Älter werden und Vergänglichkeit: Sie haben eigentlich ein sehr ernstes Anliegen ?

Absolut. Der französische Autor Michel Houellebecq bringt genau zum Ausdruck, was ich empfinde. Das Bewusstsein vom näher rückenden Tod ist so eine Art ständiges Hintergrundgeräusch im Gehirn, das immer stärker wird, je älter man wird. Es wird durch Warten erzeugt. Früher wartete man auf das Reich des Herrn, jetzt eben nur noch auf den Tod. Sehr nüchtern, aber so ist das.

Wie kamen Sie auf die Idee ?

Ähnliche Lebenserfahrungen brachten uns dazu. Deshalb sind die Bewegungen im Stück auch synchron. Und wir wollten schon lange etwas zusammen machen, ohne einen besonderen Auftrag zu haben. Joachim ist zehn Jahre älter ist als ich und geht dabei manchmal bis zum Zusammenbruch. Das heißt, wenn man es als Wettstreit sieht, gewinne immer ich (lacht).



Also doch ein bisschen Konkurrenz ?

Gar nicht. - Ich finde das wahnsinnig mutig, dass sich Joachim auf so etwas Extremes eingelassen hat. Unsere Körper müssen sich immer erst daran gewöhnen. Wir spielen das Stück deshalb en suite (d.h. mehrere Vorstellungen hintereinander). Sonst gibt es Verletzungen.

Und trotzdem gefällt es Ihnen ?

Wir freuen uns sehr auf das Stück. Denn jedesmal, nach ein paar Vorstellungen fühlen wir uns lebendiger als vorher.

Mehr dazu:

  • Was: Speed...neither/nor von pvc
  • Wann: Heute, 15.11., 20.00 Uhr. Weitere Vorstellungen 18.11, 7.12., 25.01.
  • Eintritt: je nach Kategorie 12/16 €