Kunstaktion

Graffiti-Künstler besprühen 100 Quadratmeter Dreisam-Mauer

Fabian Vögtle

Graffiti hat nicht immer etwas mit illegalen Schmierereien zu tun: Rund 30 Künstler besprühen bei einer Aktion von "Kulturaggregat" die Mauer am Dreisamuferweg.

"Das ist immer ein Adrenalin-Rausch", sagt ,Dias’ alias Merlin. Der 30-Jährige steht in der prallen Sonne am Dreisamufer, ein blaues Handtuch hat er sich zum Schutz um den Kopf gewickelt. "Jeder von uns transportiert eine Message", sagt der Künstler aus Waldshut-Tiengen, während er mit seiner roten Sprayflasche etwas an die Wand gegenüber der Unteren Schwarzwaldstraße sprüht. Was aber bedeuten seine Zeichen denn nun? "Das ist eben HipHop-Style", sagt der hauptberuflich als Illustrator und Maurer tätige Künstler. "Dias" ist in der HipHop-Szene groß geworden.


Mit Schutzmaske und Sprühdose auf der Leiter

Auch heute beschäftigt er sich in seiner Freizeit gerne mit den vier Elementen Rap, Breakdance, Beatbox und eben Graffiti. "Ich habe zwei Leben", sagt der Familienvater, der sich seine Badehose mitgebracht hat, um als Belohnung in die Dreisam zu springen. Wie lange sein Graffiti dort an der Ufermauer zu sehen ist, weiß niemand. "Graffiti sind ja vergänglich. Die bleiben höchstens drei Monate an der Wand", schätzt er.

Eine 72-jährige Freiburgerin hat von der Aktion gelesen und läuft am Samstagnachmittag mit ihrer Fotokamera die Uferpromenade entlang. "Das ist sehr interessant", staunt sie über die Performance, die von der Künstlerinitiative "Kulturaggregat" (siehe Infobox) ins Leben gerufen wurde. Nur verstehe sie die meisten Graffiti nicht: "Da könnte schon ein bisschen was Reelleres und Greifbares dabei sein", findet sie.

Figürlicher Stil oder "Charakter"-Bild

Zum Beispiel die betrunkene Hummel, die Eduard Kasper an die Wand malt. "Die gönnt sich ein Gläschen und bekommt gleich noch eine Kapitänsmütze auf", sagt der 36-Jährige, der gerade auf seiner mitgebrachten Leiter steht. Seinen Stil bezeichnet er als figürliche Malerei oder in der Szenesprache "Charakter". Er ist spontan aus Wehr zur Veranstaltung an die Dreisam gekommen und hat nur noch einen kleinen Platz zwischen all den anderen Sprayern bekommen.

Aber das reicht dem Profi für seine Hummel, die sich perfekt in das Grün, Grau und Blau am Dreisamufer einfügt. Wenn er nicht an freigegebenen Flächen im öffentlichen Raum unterwegs ist, macht er Auftragsarbeiten für Privatpersonen, aber auch für Unternehmen, die gerne ein bestimmtes Motiv in der Lobby oder in der Kantine haben möchten. Seit einigen Jahren lebt der langjährige Kunststudent davon. Seine Kunden bekommen in der Regel einen Entwurf zugeschickt und dann erledigt Kasper sein Werk.

"Meist geht es aber am besten, wenn man das Motiv direkt an der Wand ausprobiert", sagt er und zieht sich seine Schutzmaske wieder auf, um mit der nächsten Flasche in der Hand die Hummelflügel zu anzubringen. Auf dem Boden steht, wie bei den rund 30 Graffiti-Künstlern auch, eine Schachtel mit zig Sprühdosen.
Kulturaggregat

Das "Kulturaggregat" ist ein gemeinnütziger Verein, der moderne und junge Kunst in Freiburg fördert. Bis zum 23. September läuft in den Räumlichkeiten in der Hildastraße 5 die Ausstellung "Graffiti in Full Effect". Dort sind unter anderem auch Fotografien des Freiburger Künstler Florian Krause zu sehen. Die Ausstellung ist montags, mittwochs und samstags von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.