Graffiti goes Kunst: Ab Samstag im Grünhof

Dana Hoffmann

In Freiburg ist Graffiti oft nicht mehr als Schmiererei, Street Art sieht man höchstens in Form von kreativ aufgewerteten Paketaufklebern. Vier junge Künstler holen die Subkultur aus dem Schutz der Dunkelheit. Ab Samstag stellen sie ihre Arbeiten im Grünhof aus und sagen: Wir machen Kunst!



Graffiti, ob kunstvolle Murals oder flüchtige Tags, kennt der Szeneferne vom Vorübergehen und meist nur als fragwürdige Verschönerung von Hauswänden und Brückenpfeilern. „Graffiti hat eher einen negativen Touch und hat es deshalb schwer, in den Kunstmarkt rein zu kommen.“ So bewertet „dust“ die Position von Wandmalerei. Der Freiburger ist seit zehn Jahren aktiver Graffitikünstler und Street-Artist. Zusammen mit „Index“, „Nestdafoe“ und „Beat“ eröffnet er am Samstag eine Ausstellung im Freiburger Grünhof.


„Ich sehe keinen Widerspruch darin, unsere Sachen als Kunst zu bezeichnen“, wehrt sich dust gegen Klischees, die die Arbeiten der jungen Künstler immer wieder an den Rand der Legalität drängen wollen. „Was wir machen, entspricht dem Zeitgeist.“



In diesem Sinne bezeichnen die vier ihre Werke auf Leinwand, Holz oder Mauer auch als „Contemporary New Art“. Bis Ende Oktober werden im Roten Salon des Grünhof vier verschiedene Stile präsentiert: Index und dust, die sich von ihrem Ursprung, dem klassischen Graffiti, inzwischen weitestgehend verabschiedet haben, stellen vor allem Leinwände aus.

Sie zeigen auch so genannte Designtoys (Bild links), stylische Staubfänger, die sich aus den eindimensionalen Characters, den comichaften Figuren, entwickelt haben. Nestdafoe und Beat können sich hingegen noch nicht ganz von der Spraydose trennen. Das Quartett hat in Gemeinschaftsarbeit bereits die Bushaltestelle am Siegesdenkmal verschönert (Bild oben), die Teddybären von dust tauchen überall in der Stadt und inzwischen auch auf dem ein oder anderen Shirt auf.



Die Ausstellung sei ein Portrait der „Entwicklung der Künstler vom Street-Artist zum Avantgardekünstler“, sagt Beat. „Graffiti und Street Art, Kunst im Allgemeinen ist ein totales Ego-Ding. Es geht darum, sich auszudrücken und das Eigene Anderen zu zeigen.“ Aus dem Grund tue es auch immer ein bisschen weh, wenn eine Leinwand einen neuen Besitzer bekommt, „man verkauft da quasi ein Stück von sich selbst“.

Nicht nur Seele sondern auch Material und Zeit stecken in den Arbeiten der jungen Künstler, von etwa 80 Euro an aufwärts sind die Objekte zu haben. Dust, der schon länger erfolgreich in Deutschland und der Welt ausstellt, weiß, wie wichtig die Ausstellungen für seinen Marktwert sind: „Sobald du einmal ausgestellt hast, muss Kontinuität in die Sache kommen. Kunst ist ein Markt und es gibt viel Konkurrenz.“

Er bewertet die Arbeiten als „gehobene Klasse von Street Art“: „Wir haben eine Thematik in unseren Arbeiten und vor allem einen künstlerischen Hintergrund. Es geht nicht – wie beim Graffiti – nur darum zu zeigen, dass man da war.“ Dust und Beat sind beide gelernte Graphiker und arbeiten in dem Beruf, Nestdafoe und Index sind ebenfalls auf dem Gebiet tätig.



Bei allem künstlerischen Anspruch: Wer bei dem Begriff Vernissage an Stehtische, Schnittchen und Sektkelche denkt, wird am Samstag enttäuscht sein. Bei der Aftershowparty gibt es feinste Musik mit DJ Netto (Breakbeatmovement) und Marvelousmo an den Plattentellern. Die Ausstellung eröffnet um 22 Uhr, der Eintritt ist frei. Ende Oktober schließt die Ausstellung dann mit der Finissage, das genaue Datum wird noch bekanntgegeben.

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Was
: Hang Em High
Wann: Samstag, 23. August 2008, 22 Uhr
Wo: Grünhof
Eintritt: frei