Grabschändung auf jüdischem Friedhof aufgeklärt

David Weigend

Am 12. August wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen mehr als 70 Grabsteine umgetreten. Die Tat ist nun aufgeklärt. Vier Personen haben sie begangen: Ein 28-jähriger Handwerker aus dem Landkreis Emmendingen, ein 15-jähriger Schüler und zwei Auszubildende (17 und 19 Jahre alt) aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Hier weitere Details von der Pressekonferenz der Polizei.



Den Tathergang rekonstruiert die Polizei ungefähr so:

Die vier Täter haben sich am Abend des 11. August, ein Samstag, in einem Rebgelände am Kaiserstuhl getroffen. Gemeinsam beschlossen sie, nach Ihringen zu fahren, um zu schauen, was da los sei. Sie stiegen in einen Mercedes und fuhren zum jüdischen Friedhof. Dann kletterten sie über die Friedhofsmauer. Das war zwischen 0 Uhr und 1 Uhr. Innerhalb von knapp 15 Minuten beschädigten die vier Täter die Grabsteine, warfen und traten sie um.




Anschließend flüchteten die Täter mit dem Auto. Zwischen Wasenweiler und Bötzingen fielen sie einer entgegen kommenden Polizeistreife wegen überhöhter Geschwindigkeit auf. Die Polizei wendete und verfolgte die Täter bis Bötzingen. Dort verloren sie die Täter aus den Augen.

Unabhängig davon hat am Sonntagmorgen gegen 11 Uhr ein Bewohner Bötzingens gemeldet, dass in einem Spargelacker unweit des Bahnhofs ein unfallbeschädigtes Fahrzeug stünde. Die Polizei ermittelte den Fahrzeughalter. "Dem Erscheinungsbild nach konnte er dem rechtsextremen Bereich zugeordnet werden", so Kriminaloberrat Bernd Belle. Das Alibi des Fahrzeughalters wurde überprüft, es ergaben sich Widersprüche.



Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Freiburg hat die Polizei gestern die Wohnungen der vier Tatverdächtigen durchsucht. Sie wurden festgenommen und vernommen, es liegen bislang drei Geständnisse vor. In der Wohnung des 28-Jährigen wurde eine Pistole und Munition gefunden, bei allen Tätern fanden sich NS-Symbole und CDs von rechtsradikalen Bands.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier: "Das war keine alkoholbedingte Entgleisung. Die Tat ist auf die Gesinnung zurückzuführen. Wer eine solche Tat begeht, ist für mich rechtsradikal."

Zum Motiv sagte Maier weiterhin: "Als sich die Täter am Samstagabend trafen, sprachen sie im Allgemeinen über Arbeitslosigkeit und wer an dieser Schuld ist. So wurde die Idee geboren, man müsse sein rechtsradikales Mütchen kühlen. Wobei ich die Tat nicht herunter spielen will. Sie ist sehr schwerwiegend."



Tatbestand: Es handelt sich um eine Störung der Totenruhe und um eine gemeinschädliche Sachbeschädigung.

Was haben die Täter zu erwarten? Dem erwachsenen Täter droht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren; die zwei Heranwachsenden und der Jugendliche werden wohl nach Jugendstrafrecht beurteilt werden; die Spanne des Strafmaßes geht hier von Arbeitsauflagen bis hin zu Jugendstrafen.

Ein Zusammenhang zu den Attacken auf den jüdischen Friedhof von Ihringen in den Jahren 1990 und 1991 schließt die Polizei aufgrund des Alters der Täter aus.