GPS-Tracking und Geburts-App: Fundstücke von der Baby-Messe

Rebekka Sommer

Die Gegenwart bringt bemerkenswerte Entwicklungen mit sich, auch für Eltern. Fast am bemerkenswertesten ist es jedoch, wenn wir uns gegenseitig beim Staunen bestaunen können. Elterncoaching, 800-Euro-Buggys und Peilsender fürs Kind – wer traut sich ein Urteil darüber zu, ob das fortschrittlich, unnötig oder gar schädlich ist? Zumindest muss man mit manchen Dingen erstmal warm werden. Folglich trafen bei der Freiburger Baby + Kind Messe nicht nur Bäuche haltende Schwangere und Händler, sondern auch fragende Blicke aufeinander. Rebekka war dabei.



Diakonie-App fürs Handy


Die  „Diakonie-App“ – das klingt erstmal total behämmert, wird aber schnell zu meinem Lieblingsfundstück der Messe. Besonders gefällt mir ihre Entstehungsgeschichte: Werdende Väter sind zwar aus den Kreissälen nicht wegzudenken, überspielen ihre Nervosität aber gerne damit, eine Kamera ins Geschehen zu halten oder andauernd SMS an Verwandte zu verschicken.

Also erfand die Marketingabteilung des Diakonie-Krankenhauses eine Anwendung, mit der man „besser mit den Verwandten in Verbindung bleiben kann“, wie die Pflegestudentin Judith Fuchs berichtet. Was die Software kann: Rückbildungsvideos abspielen, Schlaflieder dudeln, Fragen rund ums Baby beantworten und eine Rund-um-die-Uhr Stillberatung vermitteln. Ein witziges Spielzeug und sicher auch ganz informativ.

Aber was daran vereinfacht nochmal genau die Verbindung zwischen Kreissaal und Umwelt? „Zum Beispiel die Online-Babygalerie“, sagt Judith. Die zeigt wartendenden Verwandten nämlich stets aktuell die jüngsten Babys des Diakonie-Kreissaals an. Und so müssen die nervösen Väter keine SMS mehr tippen, sondern können sich nützlich machen, indem sie schon mal die Stillberatung konsultieren.

Patienten des Diakonie-Krankenhauses können sich einen Laptop mit der vorinstallierten Software ausleihen, alle anderen finden die Diakonie-App unter diakoniekrankenhaus.de/mobil - und bald auch im App-Store erhältlich.



GPS-Peilsender fürs Kind

Ein anderes Fundstück, bei dem man erstmal nicht weiß, was man davon halten soll, ist Tracker. Die „familienfreundliche GPS-Ortungshilfe für Kinder, handicapierte und ältere Menschen“ zeigt Eltern jederzeit an, wo ihre Kinder sich aufhalten. Vorausgesetzt, die Kinder tragen den Mini-Peilsender mit dem „optisch ansprechenden Äußeren“ um den Hals spazieren und lassen ihn nach dem Schulsport nicht in der Dusche liegen.

Damit man nicht permanent am Bildschirm verharren muss, um seine Lieben im Blick zu behalten, kann man auch virtuelle Grenzlinien festlegen und wird per SMS informiert, wenn das Kind sie überschreitet: „Peter verlässt Schulhof“ heißt die Message dann zum Beispiel.  Vertriebsrepräsentant Heiko Liese erklärt: „Mit Tracker helfen wir Leben retten!“ Bei nicht stationär untergebrachten Demenzerkrankten mag das durchaus eine hilfreiche Sache sein. Aber als Mutter werde ich mit Tracker einfach nicht warm und bei Werbebotschaften wie „Mit Tracker können Sie die Umwege ihrer Kinder auf dem Schulweg online verfolgen“ bekomme ich Gänsehaut. Von wegen Big Brother und so.

Ein GPS-Peilsender fürs Kind kostet im Handel zwischen 80 und 140 Euro und kann wahlweise auch zur Ortung von Haustieren oder Wertgegenständen eingesetzt werden.



Babyzeichensprache

In der anderen Ecke der Messehalle wirbt ein Stand für  Babyzeichensprache. Wunderbar, darüber wollte ich schon immer mal lachen. Allerdings nimmt mir die Dame am Stand den Wind aus den Segeln, indem sie erklärt, dass Babyzeichensprache nachfragetechnisch quasi das angelsächsische Pendant zum PEKiP ist.

Vermutlich macht es keinen grundsätzlichen Unterschied, ob Eltern sich um ihre nackt brabbelnden Babys scharen oder mit ihnen per Handzeichen kommunizieren. Beides findet in der Gruppe statt und eine allseits gern publizierte Weisheit lautet ja, dass Eltern-Kind-Kurse vor allen Dingen der Kontaktpflege verunsicherter Eltern dienen.

Und darum geht es: Laut „Konzeption Zwergensprache“ ist „Sprache die einzige Fähigkeit, die Kinder nur im persönlichen Kontakt zu anderen Menschen lernen. Sie brauchen Menschen, die sich ihnen zuwenden und sie verstehen.“ Mit den Handzeichen, die die Babys sich von ihren Eltern abgucken, können sie ihre Bedürfnisse ausdrücken, lange bevor sie sprechen lernen. Und die Eltern werden sensibilisiert und nehmen ihre Kinder anders wahr. „Es geht also nicht darum, möglichst viele Zeichen zu lernen“, erklärt die Kursleiterin Karin Feist, die aus Baden-Baden angereist ist, um die „Zwergensprache“ bekannter zu machen. Interessierte Kursleiterinnen für Freiburg und Umgebung dringend gesucht!

Mehr dazu und eine lustige Animation gibt es auf babyzeichensprache.com



Bauchmodell und Spielzeugengel

Ehe ich die Messe verlasse, rollt mir noch eine bunte Kugel über den Weg. Es ist Katharina Moritz, dreifache Mutter, hochschwanger und heute als Bauchmodell auf der Messe. Eigentlich arbeitet Katharina im Großhandel, wirbt aber auf ihrem T-Shirt für ihr nebenberufliches Hobby: Tupperpartys ohne Tupper, dafür mit Qualitätsspielzeug. „Meine Freundinnen haben mich oft gefragt, ob ich nicht mal etwas im Großhandel für sie einkaufen könne – Kaufladensachen, teures Holzspielzeug und so weiter.“

Natürlich geht das erst ab einer bestimmten Größenordnung, deswegen begann Katharina, Partys zu anzubieten, auf denen man Spielzeug bestellen kann. Finden kann man das Angebot eigentlich unter spielzeugengel.de - nur wird die Homepage gerade leider überarbeitet.

Von ihrer Bauchkugel hat Katharina die Schnauze voll, so schön bunt sie auch ist. „In welcher Woche ich bin, das ist bei der vierten Schwangerschaft gar nicht mehr wichtig. Hauptsache, es ist bald zu Ende. Auf der Babymesse wollte ich noch als Bauchmodell dabei sein, aber am Montag kann es meinetwegen losgehen!“ Na, dann viel Erfolg beim Pressen, Katharina, und bau doch bitte bei Gelegenheit deine Homepage um…

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