Goyo von Choc Quib Town im Interview

Till Neumann

Heute Abend spielt das kolumbianische Trio Choc Quib Town im Jazzhaus. Till hat Sängerin und Rapperin Goyo (Mitte) vorab zum Interview getroffen. Sie beschreibt die verschiedenen Einflüsse ihrer Musik und erzählt, was auf der Tour bislang passiert ist.



Goyo, ihr habt auf eurer aktuellen Europatournee schon über zehn Konzerte gespielt. Wie lief es bislang?

Das ist die größte Tournee unserer Karriere. Wir haben auf vielen Festivals und in Clubs gespielt. Die Publikum hier in Europa spricht natürlich nicht immer Spanisch, aber unsere Riddims und die Energie kommen rüber. Die Reaktionen der Zuschauer waren sehr positiv.

Kommt die Musik in den verschiedenen Ländern, in denen ihr spielt, gleich gut an?

Es gibt schon Unterschiede. Aber das liegt wohl eher an den verschiedenen Locations. Ich mag es, wenn wir so nah wie möglich am Publikum dran sind. Dann ist die Stimmung am Besten.

Choc Quib Town mischt traditionelle Musik mit modernen Stilen. Wie definiert ihr euch?

Wir definieren unsere Musik als musica del pacífico mit starkem HipHop-Einfluss. Wir singen und rappen über Salsa-Rhythmen, auch Funkelemente bauen wir ein.

Ist das nicht ein bisschen viel auf einmal?

HipHop wurde schon immer mit anderen Stilen gemischt. Run DMC zum Beispiel haben das mit Aerosmith gemacht – da traf Rap auf Rock. Bei uns trifft HipHop auf die traditionelle Musik unseres Landes. Im Song Somos Pacifico haben wir zum Beispiel die Marimba (eine Art Xylophon, Anm. d. Red.) mit einem HipHop-Beat kombiniert. Das passt sehr gut, finde ich.

Warum macht ihr Musik? Was inspiriert euch?

Tostao, Slow und ich - die drei MCs und Köpfe von Choc Quib Town – haben einen gemeinsamen Nenner: unsere Heimat Chocó. Aber unsere musikalischen Einflüsse sind unterschiedlich. Tostao dirigierte schon in jungen Jahren ein Salsa-Orchester, ich fing früh an zu singen, da viele meiner Verwandten Sänger waren. Die unterschiedlichen Stile schaffen die Dynamik von Choc Quib Town.

 



Ihr habt die Band vor vier Jahren gegründet und hattet ziemlich schnell Erfolg. Wie erklärst du dir das?

Als wir 2006 unser erstes Album „Somos Pacifico“ veröffentlichten, waren die Leute begeistert. Unsere Musik war neu und überraschend. Wir spielen die Stile unserer Heimat auf unsere Weise und geben ihnen so einen Platz in der musikalischen Landschaft. Der Text unseres Song Somos Pacifico hat den Nerv vieler Kolumbianer getroffen. Er erschien auf einer Kompilation mit den wichtigsten Liedern Kolumbiens. Unser Ziel ist, zu zeigen, dass Kolumbien mehr ist als Kaffee, Kokain und Pablo Escobar. Wir wollen die schöne Seite Kolumbiens zeigen: die Musik, insbesondere die der Pazifikküste.

Eure aktuelle CD heißt „Oro“ (Gold). Warum?

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens, weil wir glauben, dass die Musik der Pazifikküste ein Schatz ist. Ein Schatz so wertvoll wie Gold. Zweitens ist der Titel eine Kritik an der Goldwirtschaft in unserem Land. Auf der Jagd nach Gold ist in unserem Land viel Blut geflossen. Das hat uns geprägt, deswegen wollen wir es anprangern.

 

Ihr engagiert euch auch in sozialen Projekten.

Als wir die Gruppe Choc Quib Town gründeten, wurden wir von Stiftungen unterstützt. So wurde uns zum Beispiel geholfen, unsere erste EP zu veröffentlichen. Damit ist ein Traum wahr geworden. Jetzt wollen wir etwas dafür zurückgeben. Also engagieren wir uns.

Heute spielt ihr in Freiburg. Habt ihr einen Bezug zu Deutschland?

Ich mag vor allem Berlin. Da war ich schon ein paar Mal. Eine Stadt mit viel Geschichte. Die Stimmung dort ist super. Die Leute sind nett, es gibt viel Kunst in Berlin. Von Freiburg weiß ich ehrlich gesagt nichts. Ich komme, um die Stadt zu entdecken.

 

Mit welchen deutschen Musikern würdet ihr gern mal zusammenarbeiten?

Ich mag die Sängerin Nneka aus Hamburg. Oft höre ich ihre Musik. Mit ihr würde ich gerne mal zusammenarbeiten. Mit Culcha Candela bin ich befreundet, einige von der Gruppe sind ja aus Kolumbien. Mit denen haben wir schon mal zusammengespielt. Das gefällt mir auch gut.

Was sollte ein Besucher Eures Konzerts auf jeden Fall dabei haben?

Außer ein paar Sneakers und viel Power für die Party brauchst du nichts.

Choc Quib Town: Website & MySpace & Facebook
Was: Choc Quib Town
Wann: Heute, Donnerstag, 22. Juli 2010, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg
Eintritt: 13 € VVK; 16 € AK

 

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