Googles Browser Chrome: Mit Open Source gegen Microsoft

Nikolai Worms

Gespannt sieht die Netzwelt der für heute angesetzten Download-Freigabe des neuen Google-Browser "Chrome" entgegen. Der Browser soll laut Google's Werbecomic schnell, sicher und vor allem komplett quelloffen sein.



Der ständig expandierende Suchmaschinenbetreiber Google steigt mit seinem Browser "Chrome" in den bereits hart umkämpften Browsermarkt ein, und entscheidet sich mit der Wahl eines Open-Source-Systems für eine ähnliche Strategie wie Firefox und Co. Ob Internet Explorer und Firefox wegen der neuen Konkurrenz Anteile verlieren, oder ob sich der Open-Source-Browser-Markt bloß intern reguliert wird sich zeigen.


John Lilly, Geschäftsführer von Mozilla, scheint erstmal abwarten zu wollen: "So there is another browser and that makes for a more competitive world. Of course we would have to compete. They feel that they can make a better browser by starting from scratch…advances in browsers are good."

Jedenfalls wird bei Beobachtern nicht nur uneingeschränkte Freude laut. Einige fürchten die zunehmende Dominanz von Google, die mittlerweile auch deutliche Spuren im Softwaresegment hinterlässt. Andere hoffen auf einen ordentlichen Schub in der Verbreitung von Open-Source-Software.

Michael Arrington, Internet-Vordenker beim Branchenblog Techcrunch, vermutet nicht nur einen Angriff auf den Internet Explorer oder Firefox, sondern gleich auf Windows: "Expect to see millions of web devices, even desktop web devices, in the coming years that completely strip out the Windows layer and use the browser as the only operating system the user needs."

Dass die Öffnung des Quelltexts nicht unbedingt nur aus reiner Hingabe an den User geschieht scheint klar, ist eine komplette Eigenentwicklung doch sehr viel schwerer zu stemmen als ein Open-Source-Projekt.

Google setzt bewusst auf bereits existente, quelloffene Komponenten: Die Webkit-Engine rendert bereits bei Apples Safari, die Virtual Machine "V8" soll die JavaScript-Ausführung durch einmaliges Kompilieren entscheidend beschleunigen, und das Google-Projekt Gears ermöglicht die Ausführung einer Applikation ohne bestehende Netzverbindung.

Unter anderem soll Chrome eine anderen Browsern überlegene Tabverwaltung haben. So wird für jeden geöffneten Tab ein eigener Prozess gestartet, der auch separat durch einen internen Taskmanager beendet werden kann. Der Absturz eines Tabs führt so nicht gleich zum Absturz des gesamten Browsers. Auch die Adressleiste ("Omnibox") soll neue Funktionen bringen. Dort setzt Google auf sein Such-Know-How und präsentiert bei einer Eingabe neben den schon besuchten Adressen auch gleich weitere Suchergebnisse und Vorschläge.



Bei der Erläuterung der Funktionen geht Google ebenfalls neue Wege: Statt langweiligen Handbüchern oder wirren Videotutorials gibt es einen umfangreichen Comic.

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