Good-bye, Many!

Werner

Mehr Freiburg geht nicht: Achim Stocker, Bernd Dallmann, Frau Salomon - sie alle kamen gestern Abend aufs ZMF, um "Manfred Sievert" (links), dem Urgestein des Freiburger Rock'n'Roll, Adieu zu sagen. Beim Abschiedskonzert von Many & The Teddyshakers. Ob's wirklich das letzte Konzert war?



Am 7. September 1976 betrat eine bis dato vom Misserfolg zerfurchte 4-Mann-Combo die Hallen der AOK Freiburg. Gebannt wurzelten sie vor einem der Schalter an. Hinter seinem Schreibtisch wölbte sich Oberinspektor Manfred Sievert auf und sprudelte: „Ich bin Euer Elvis, der Rock’n’Roll lebt!“


Freitag, 4. Juli 2008, 20.30 Uhr. Mehr Freiburg geht fast nicht. Die populärsten Protagonisten wichtiger lokaler Ereignisse machen sich bereit: Sport-Club-Vorstand Achim Stocker ebenso wie Wirtschaftsförderer und Olypionikinnenvater Dr. Bernd Dallmann; die Frau, die nach dem ersten SC-Aufstieg im Festzelt behauptet hatte, die Assistentin von Reinhard Beckmann zu sein, mir dann aber am nächsten Morgen in meiner Bäckerei plötzlich die Brötchen verkaufte; einige Rechtsanwälte und Ärzte; OB-Gattin Helene Hall-Salomon; Mercedes-Freiburg-Chef Michael J. Pistecky; die Madeira-Garn-Zwillinge (ausnahmsweise pünktlich) usw.

20.45 Uhr: ZMF-Gründer Dr. Alexander Heisler begrüßt in einem sehr gut besuchten Spiegelzelt zum 23. Mal die mit Many und seinen Teddyshakers inzwischen auch schon leicht in die Jahre gekommene Fangemeinde der Freiburger Rock’n’Roll-Heroen und stellt den Hauptakteur des Abends mit ein paar Anekdoten aus dessen internationalem Künstlerleben vor. Die Band (Konrad „Mr. Conny“ Bläsi, Wolfgang „Mr Wolfgang“ Erwe, Niels Kaiser und Michael „Mitch“ Schillinger) formiert sich und spielt zum Aufwärmen das Instrumental „Peter Gunn Theme“.

Vom Auftrittsapplaus begleitet, entert Many die Bühne und zieht das Publikum sofort in seinen Bann. Er zelebriert sein legendäres Outfit, mit dem er sogar in Las Vegas morgens um halb fünf verhaftet werden würde: schwarz-weiße Slipper, schwarze Lederhose („auch wenn ich keinen Arsch mehr in der Hose hab“, O-Ton Many) schwarzes Hemd mit getigertem Besatz, blütenweißes Frottee-Handtuch, Porno-Sonnenbrille.

Die eigentlich selten ekstatisch werdenden Freiburger Zuhörer nehmen sofort Fahrt auf und gehen voll mit. Many rockt das Zelt. Schon während des ersten Sets legt sich der Bandgründer aber sichtbare Zurückhaltung auf, weniger während der mit vollem Einsatz dargeboten Stücke als vielmehr bei der Zahl der von ihm selbst performten Lieder. Während sich Many im Loungebereich hinter der Bühne sammelt, zeigen die Teddyshakers, dass sie weit mehr sind als nur eine begabte Begleitband. Erweitert um den in Freiburg ebenfalls legendären Kai Kienast (Soundedge, Tabasco) folgt ein kraftvolles Spektrum fetziger Ohrwürmer von Rock’n’Roll bis zu Garth Brooks. Dabei mischt nun auch der frühere Teddyshaker „Doc George“ an der Gitarre mit.

21.45 Uhr Pause: Vor dem Zelt freut sich ein amerikanische Aktionskünstler auf der umsonst-und-draußen-Bühne, dass im Großen Zelt das Maria-Mena-Konzert zeitig zu Ende ging. Bis auch die Many-Fans wieder im Spiegelzelt verschwinden, versucht er sein Gratis-Publikum mit ein wenig Warm-Up-Comedy auf seinen 22-Uhr-Auftritt vorzubereiten. Seine selbstironischen Späße verhindern aber nicht, dass seine fast schon apathisch wirkenden Zuhörer in konsequenter Lethargie verharren.

22.15 Uhr: Endlich geht es drinnen weiter. Von Lethargie ist hier nichts zu spüren. Many begeistert nicht zuletzt auch seine weiblichen Fans, die – zum Teil aufreizend in die Klamotten der jüngsten Tochter gehüllt – nun fast schon ungezügelt das Tanzbein schwingen und – den Zurufen nach zu urteilen – zu gefühlten 80% mit ihm fremdgehen würden. Auch die zweite Runde sieht Many aber mit längeren Ruhepausen, in denen die Band neben Kai Kienast und Doc George nun auch Shane Brady präsentiert. Das irische Multitalent mit langjähriger ZMF-Vergangenheit fügt sich nahtlos ins Lineup ein. In wechselnder Besetzung heizen die verstärkten Teddyshakers dem Zelt gehörig ein, bis die extrem süße und ebenso talentierte Elke als letzter Gast des Abends ein Lied zum Besten gibt, das sie zu Many’s 60. Geburtstag geschrieben hat und auf Wunsch des Bandleaders ins Programm aufnahm: Many, do the Teddyshake! Ein Motto, bei dem jeder Besucher mitsingen muss!

23.30 Uhr: Vor dem letzten Zugaben-Teil wird Many von Alex Heisler auf der Bühne in einen weißen Rattan-Sessel verfrachtet, bei dem spätestens dann klar wird, dass dies der Thron für den König des Rock’n’Roll ist, als ihm die Teddyskakers auf noch eine samtrote Robe umlegen („die stinkt aber ganz schön nach Mottekugle“, O-Ton Many). Danach geht es auf der Bühne in kompletter Besetzung mit allen Gästen weiter. Zu guter Letzt komplettiert dabei auch der frühere Drummer „Doc Matthew“ als Gogo-Boy das Teddyshakers-Ensemble.

24.00 Uhr: Many and the Teddyshakers beenden ein Konzert, bei dem alle Künstler spielten, als sei es das letzte Mal, dass sie zusammen auftreten. Ach ja, ich vergaß bisher ausdrücklich zu erwähnen, dass es nach 32 Jahren wirklich der Abschiedsgig war. Many’s Gesundheit lässt weitere Auftritte leider nicht zu. So recht kann sich das noch keiner vorstellen, zumal Many in seinem Schlusswort nicht ausschließen wollte, bei dem einen oder anderen Benefizkonzert doch wieder auf die Bühne zurück zu kehren. Thank you Mr. Many for 32 years of Rock’n’Roll, forever and ever!

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