Gonzales La Familia: Rappender Freiburgachter

Gina Kutkat

Es ist quasi unmöglich, alle Mitglieder von Gonzales La Familia für ein Interview um einen Tisch zu versammeln. Dennoch hat Gina sich ein Bild von der Crew und ihrer Heimatliebe machen können: "Das Ding sieht auf der Landkarte klein aus, der Scheiß nennt sich Freiburg im Breisgau."



"Ich würde Gonzales La Familia als leidenschaftliches Hobby bezeichnen, das wir nebenher betreiben. Da packen wir eine Menge Emotionen und Arbeit hinein, aber wir streben nicht nach einem Plattenvertrag. Was kommt, das kommt." So fasst Extra-O die Philosophie von Gonzales La Familia zusammen.


Genau so lief es auch mit ihrem Video Platz an der Sonne vor gut einem Monat. Darin nehmen sie ihre Heimatstadt Freiburg liebenswürdig auf den Arm und führen die Zuschauer auf eine kleine Tour durch Bächle und Dreisam. "Lokalpatriotismus at its best" und "um Welten besser als dieser ganze Pseudoghetto-Schrott" befanden die fudder-Leser damals.

"Das Ding sieht auf der Landkarte klein aus, der Scheiß nennt sich Freiburg im Breisgau" heißt die passende Zeile über die Heimatstadt aller Bandmitglieder. "Das mit dem Video war ein absoluter Selbstläufer. Wir haben das ein paar Freunden gezeigt und irgendwie hat es sich dann immer weiter rumgesprochen", sagt Leasure, ein Achtel von Gonzales La Familia.



Richtig gelesen, die werten Herren Gonzales sind acht an der Zahl. "Zu acht in einer Band zu sein hat eigentlich mehr Vorteile als Nachteile", sagt Nicki aka Coyote. "Unsere Bühnenpräsenz ist einmalig, niemand legt sich mit uns an und unsere Musik wird durch die vielen Personen natürlich auch vielfältiger." Da stimmen ihm auch seine Bandkollegen lachend zu.

"Zudem können wir viel eher mal eine neue Bandanschaffung machen, ohne gleich 100 Euro pro Person zahlen zu müssen", sagt Leasure. Außerdem kennen sich die acht schon seit langer Zeit, da versteht man sich blind und vertraut den anderen Bandmitgliedern. Und je höher die Zahl der Bandmitglieder, desto größer auch der Horizont.

Nur die Hälfte von Gonzales La Familia ist an diesem Abend im Studio anwesend (Bild unten, von links nach rechts): Tom (Tomson), Marc (Leasure), Leo (Extra-O), Nicki (Coyote). Die anderen vier  - Knockout, Casamova, KBB und Caliman - sind aus beruflichen oder studientechnischen Gründen nicht da. Einen Termin zu finden, an dem alle Zeit haben, ist nicht gerade einfach.



"Vieles läuft bei uns über E-Mail. Der eine schickt einen Beat rum und die anderen arbeiten dann daran weiter", sagt Tomson. "Wir müssen auch nicht immer alle acht bei einem Track mitwirken. Das ist das Gute. Wenn zwei eine Idee haben, mit der die anderen nichts anfangen können, dann machen sie das eben alleine."

Gonzales La Familia entstand aus den beiden Crews Südlicht und Workaholics. Sie kannten sich teilweise durch andere Freunde, Freestyles und später durch den gemeinsamen Proberaum im Haus der Jugend. Alle Bandmitglieder rappen, beatboxen oder musizieren schon seit der Schulzeit. Ende 2002 haben sie beschlossen, die beiden Crews zusammenzulegen und dem ursprünglich alleinstehenden Namen Gonzales noch La Familia anzuhängen.



Die Crew, die ausschließlich aus Freiburgern besteht, vereint der Bezug zur Heimat, eine langjährige Freundschaft und natürlich die Liebe zum Hip Hop. Sie machen Rap im klassischen Sinne, wobei jedes Familienmitglied sein eigenes Spezialgebiet hat. So ist Extra-O der Meister des Freestyle und Tomson der Mann fürs Beatboxen.

"Wir sind authentisch, menschlich und können auch Schwächen zeigen. Musikalisch ist bei uns alles möglich, wir setzen uns keine Grenzen. Natürlich könnte ich jetzt viele Einflüsse nennen, aber wir wollen nicht wie jemand anderes klingen, sondern unser eigenes Ding machen", sagt Nick über den Stil der Gonzales Crew.  



Dafür werden auch mal Semesterferien fürs Bandprojekt geopfert. "Für unser Album haben wir uns in den Semesterferien in einer Hütte im tiefsten Schwarzwald in Faulenfürst eingesperrt und uns an die Umsetzung und die Texte gemacht", erzählt Leasure. Studium oder Ausbildung aufgeben, das kommt aber für keinen der acht in Frage. "Wir sind ja alle nicht auf den Kopf gefallen und machen uns keine Illusionen", sagt Nicki.

Die beste Antwort auf die ewig-gehasste Frage nach dem Bandnamen gibt Extra-O. "Der kommt vom Fußballer Raúl González, der trägt die Trikot-Nummer acht, wir sind acht Mitglieder und Gonzales besteht aus acht Buchstaben."

Ein neues Album der Jungs ist in Planung, aber voraussichtlich erst im nächsten Jahr fertig.

Mehr dazu:


Video: Gonzales La Familia: Platz an der Sonne

Quelle: YouTube
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