Gnussper: Wie diese Freiburger es geschafft haben, gesunde Snacks zu entwickeln

Anna Lob

Gnussper ist ein neues Freiburger Start-Up. Der Name steht für Genuss und Knusper. Damit sind die gesunden Snacks gemeint, die Thomas Gutsche und Leonard Sporleder entwickelt haben. fudder hat sich mit den Gründern über ihr Produkt unterhalten.

Große Holztische, darüber hängen Lampen von der Decke und ein kleines Café verkauft Getränke und Snacks. In Containern befinden sich moderne Büros und Konferenzräume: Freiburgs neues Start-Up-Paradies in der Lokhalle am Güterbahnhof könnte auch in Berlin zu finden sein. An einem Tisch sitzen Thomas und Leonard, vor ihnen das Ergebnis ihrer Suche nach einem gesunden Snack: Gnussper. Dabei handelt es sich um gefriergetrocknetes Obst und Gemüse – ohne künstliche Zusatzstoffe.


Der Anfang in Nussknackerkostümen auf dem Stijlmarkt

"Gnussper ist ein Leidenschaftsprojekt", sagt Thomas. Der studierte Wirtschaftsinformatiker war beruflich viel unterwegs und stets auf der Suche nach einem Snack, der zu seiner bewussten Ernährung passt. Da er nie wirklich fündig wurde, entschloss er sich, selbst etwas zu entwickeln. Vor zwei Jahren zog der 40-Jährige mit seiner Familie nach Freiburg und begann, die Idee auszuarbeiten. Hauptberuflich arbeitet Thomas als Leiter eines e-commerce Teams für ein Freiburger Unternehmen. Nebenher baut er Gnussper auf. "Ein Start-Up ist wie eine Reise", sagt er.

Auf dieser Reise begegnete ihm Leonard. Der 29-Jährige saß im Publikum, als Thomas bei einer Veranstaltung seine Idee vorstellte und war sofort begeistert: "Ich wusste, dass das total cool ist." Leonard hat Wirtschaftsingenieurwesen in Furtwangen studiert. Aktuell promoviert er am Karlsruher Institut für Technologie. Die erste gemeinsame Aktion starteten die beiden auf dem Stijlmarkt in der Mensa, der traditionell im Advent stattfindet. Dort verkauften die beiden in Nussknackerkostümen eine erste Version ihrer gesunden Snacks – und hatten Erfolg.

"Beste Zutaten brauchen keine Zusatzstoffe." Thomas Gutsche, Gründer von Gnussper

Ursprünglich wollte Thomas herzhafte Riegel aus rein natürlichen Zutaten zu kreieren. Es gab aber keine Möglichkeit, diese in einer Verpackung haltbar zu machen. Deswegen musste eine Alternative her. Während der Suche stolperte der 40-Jährige dann über die Lösung: Gefriertrocknung. Das ist ein komplexer Vorgang, mit dem Lebensmittel wie Obst und Gemüse haltbar gemacht werden können. Dabei bleiben allerdings im Gegensatz zur Lufttrocknung 99 Prozent aller Nähr- und Aromastoffe erhalten. Für Thomas ist das entscheidend: "Beste Zutaten brauchen keine Zusatzstoffe."

Aktuell gibt es Gnussper in den Geschmacksrichtungen Mango, Paprika und Mais. Dabei handelt es sich schlicht um das jeweilige Obst oder Gemüse, das gefriergetrocknet in die Packung kommt. Die Paprika wird vorher in Sonnenblumenöl gegrillt, ansonsten kommt nichts dazu. Das bedeutet für die Gründer aber auch: Je weniger Zusatzstoffe, desto besser muss schon das Anfangsprodukt sein.

Ein Snack, der zu Freiburg passt

Die Mango stammt aus den USA, die Paprika aus Osteuropa und der Mais aus Asien. Die Gefriertrocknung wird manchmal noch im Herkunftsland vollzogen, teilweise auch in Deutschland. Den ökologischen Fußabdruck wollen Thomas und Leonard aber nicht vernachlässigen. "Es ist uns wichtig, dass nicht nur die Rohstoffe das Produkt hochwertig machen, sondern auch eine nachhaltige Herstellung", sagt Thomas. "Am Anfang muss man aber schauen, dass man das Produkt erst mal auf den Markt bekommt." Preislich liegt die kleine Packung bei 1,50 Euro, eine mittlere bei 3 Euro und eine große bei 10 Euro.

Die beiden haben viel ausprobiert, um herauszubekommen, wem Gnussper schmeckt. Dabei ist ihnen vor allem eine Zielgruppe ins Auge gesprungen: Kinder. Thomas jüngster Sohn sei sonst beim Essen sehr wählerisch. "Frischer Mais – vergiss es! Aber gefriergetrocknet isst der eine ganze Schüssel", erzählt der Gründer. Kinder mögen es, dass es knuspert beim Essen. In Freiburg sei das Produkt generell gut aufgehoben. "Das Klientel hier hinterfragt und konsumiert nicht nur stumpf", sagt Thomas.

In Freiburg ein Start-Up zu gründen ist ein Traum

Für die Zukunft sind bereits weitere Sorten geplant. Banane und Himbeere stünden kurz vor der Fertigstellung. Zu kaufen gibt es Gnussper momentan im Internet und in der Lokhalle. Der Einzelhandel aus Südbaden hat bereits Interesse an dem Produkt angemeldet. Das wird aber noch etwas dauern, da die Verpackung noch optimiert werden muss.

Der Name des Snacks ist eine Mischung aus Genuss und Knusper und hat den Gründern schon den ersten Markenrechtsstreit eingebracht. Auch solche Dinge gehören zu den Herausforderungen einer Start-Up-Gründung. In Freiburg fühlen sich Thomas und Leonard damit allerdings gut aufgehoben. "Das ist ein absoluter Traum hier", sagt Leonard und deutet auf die Umgebung. Die Lokhalle soll eine Anlaufstelle für alle sein, die eine Idee haben und Unterstützung benötigen. Es gibt Fördergelder und die Möglichkeit, sich mit anderen Gründern auszutauschen und so die eigenen Ideen voranzutreiben.

"Nicht nachdenken – machen!" lautet Thomas Tipp für alle, die auch darüber nachdenken Gründer zu werden. "Und darüber sprechen", ergänzt Leonard. Viele Menschen denken, sie müssen eine Idee für sich behalten, damit diese nicht geklaut wird. "Das ist Blödsinn", sagt Thomas. "Durch den Austausch mit anderen öffnen sich Türen – das ist Gold wert!"

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