Glühweintrinken vor der Webcam

Johanna Schoener

Wer das Weihnachstmarktgetümmel lieber im Warmen von zu Hause aus verfolgt, kann das tun: Mit der Webcam des Hotels am Rathaus kann sich jeder kameraschwenkend einen Überblick über die Stände am Rathausplatz verschaffen. Geht das klar mit dem Datenschutz?



Zu sehen ist aus der Vogelperspektive allerdings nicht besonders viel. Gestern gegen zwanzig Uhr konnte man immerhin erkennen, dass an dem relativ milden Dezemberabend ziemlich viele Freiburger Lust auf Glühwein hatten. In festlicher Beleuchtung schoben sich Menschenströme durch die schmalen Gänge zwischen den Buden. Die Stände, die das heiße Gebräu ausschenken, konnte man anhand der Grüppchenbildungen davor erkennen.




Einzelne Personen sind vom heimischen Computer aus nicht zu erkennen, das lässt der Zoom der Kamera nicht zu. Eine Verabredung á la „ich guck nachher kurz im Internet, ob du heute Abend vor unserem Lieblingsglühweinstand stehst“ ist also nicht drin. Trotzdem – das Wissen um die Kamera führt doch dazu, dass man sich beim nächsten Weihnachtsmarktbesuch wahrscheinlich beobachtet fühlen wird.



Problematisch auch: Mit der Kamera ist es möglich, in die Wohnungen über dem Orsay-Geschäft zu schauen. Auch dort sind zwar die Bewohner nur als Silhouetten erkennbar – dass eine Frau mit Kind offenbar in der Küche am Kochen war, konnte man aber beobachten.



Erst vor neun Tagen beschäftigte sich die Badische Zeitung mit dem Thema „Big Brother“ in Freiburg: Kunden, die zum Haareschneiden das Haarcafé in der Bertoldstraße aufsuchen, können sich mit zwanzig Minuten Verzögerung danach selbst via Webcam beim Haareföhnen zuschauen. Kritik gibt es dafür vom Datenschutzbeauftragten des Landes Baden-Württemberg.

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