Glühwein, Herr Strobl?

Daniel Laufer

Am Dienstagabend ist der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl mit seinen Freiburger Parteikollegen über den Freiburger Weihnachtsmarkt spaziert. fudder-Redakteur Daniel Laufer hat sich das mal angeschaut - und ist mit Strobl Riesenrad gefahren:



Wenn sich die Freiburger CDU an einem Dienstagabend auf dem Weihnachtsmarkt trifft, ist das eine herzliche Angelegenheit. Man fällt sich dann in die Arme, sagt Dinge wie: Ah, du bist es! Mensch. Plaudert.


"Ablenkung ist gerade ganz gut", sagt etwa eine Studentin. "Am Freitag gibt's Noten, da bin ich froh, wenn ich beschäftigt bin." Sie habe sich schon mal informiert: Der Postbote käme zu ihr immer so um Viertel nach zehn. Und Thomas Strobl (auf dem Foto oben in der Mitte)? Ist Viertel nach sieben immer noch nicht auf dem Weihnachtsmarkt.

Dorthin hat ihn der Kreisverband eingeladen und nun warten rund 20 Parteifreunde auf die Ankunft ihres Landesvorsitzenden.

"Wir haben uns ja überlegt, was wir mit dem machen", sagt Johannes Baumgärtner (auf dem Foto oben links), der bei der Landtagswahl im Freiburger Westen kandidiert. Erst habe der Kreisverband geplant, in ein Lokal zu gehen. "Das ist aber nicht meine Welt, ich bin hier draußen zu Hause." Jetzt hätten seine Leute schon mal zwei Tische reserviert - am Glühweinstand.

"Die Karawane zieht weiter"

Dann kommt Strobl, kurz vor halb acht. Die Jacke hat er zugeknöpft, oben guckt noch der Hemdkragen raus: blau-weiße Karos, business casual. Eindeutig: ein Art Heimatbesuch. Er schüttelt Hände, schart den Inner Circle um sich. Man kennt einander ja schon länger. Alte Geschichten, lautes Gelächter.

"Die Karawane zieht weiter!" Die Studentin freut sich, dass es losgeht, quer über den Weihnachtsmarkt. Man schiebt sich vorbei an Bratwurst, Maroni und Gebäck. "Schön, dass so viele Leute da sind", sagt Strobl. "Wir müssen jetzt ganz schnell schauen, dass wir hier rauskommen", sagt der Mann, der für die Sicherheit zuständig ist.

Die Gruppe entflieht dem Gedränge und schlendert die Merianstraße entlang. An der Spitze: der Kandidat und der Landesvorsitzende. Fachsimpelei über den Wahlkampf. Macht's Spaß? "Man trifft neue Leute. Nette Leute!", sagt Baumgärtner. Da lacht Strobl. "Ja, das ist ist das Schöne, ne?" Sein unterländischer Dialekt kommt durch, mit den breiten As und dem fränkischen Einschlag. "Man kann ganz unterschiedliche Leute kennenlernen. Große, kleine, dicke, dünne, arme, reiche…"

Glühwein, Herr Strobl?

Die beiden CDU-Tische stehen auf dem Kartoffelmarkt vor dem Riesenrad. Zu CDU-Tischen macht sie, dass jemand einen orangefarbenen Schal darüber gelegt hat. Auf dem steht: "In der Tat besser." Mit diesem Spruch hat die Partei in Baden-Württemberg mal eine Landtagswahl gewonnen. Das ist jetzt neun Jahre her.

Glühwein, Herr Strobl? Joah, joah. Rot oder weiß? Er zögert, kriegt Rot. Sein Gesichtsausdruck sagt: immerhin nicht Grün.

"Wir müssen uns ja anschreien, ich finde das inakzeptabel", sagt Baumgärtner. Das ist sein Thema, mit der Bürgerinitiative IGEL kämpft er normalerweise gegen Bahnlärm, jetzt ist es süßer Christmas-Pop, der aus einer Lautsprecherbox trieft.

"Würde man die Musik auf die Hälfte runterfahren, wäre das Jingle Bells kein Problem." Ob Wahlkampf auf dem Weihnachtsmarkt zum Lärm beiträgt? "Nur wenn wir rumschreien", sagt Baumgärtner.



Schon eine Idee, welche Bildunterschrift das Foto vom Landesvorsitzenden unter dem  Riesenrad kriegen könnte? Der Kandidat: "Zeit, dass sich was dreht." Blick nach oben: Die wackeln aber ganz schön, die Gondeln. "Macht nix", sagt er. "Beim Drehen darf's auch wackeln. Wir wollen ja alle mitnehmen."

Die zweite Runde Glühwein kommt. Baumgärtner schüttelt den Kopf. "Also ich will keinen mehr. Ich muss noch fahren." Muss er tatsächlich: Riesenrad. Die Kreisgeschäftsführerin hat eine Handvoll Märkchen gekauft.

Britney Spears besingt das Anstehen. "Santa can you hear me? I have been so good this year and all I want is one thing. Tell me my true love is near!" Baumgärtner dreht den Lautsprecher weg, steigt ein.

Das Rad setzt sich in Bewegung, befördert seine Gondel bis ganz nach oben und lässt den Lärm zurück. Ist das die Lautstärke, die er sich vorstellt? "Auf jeden Fall sehr adäquat", sagt Baumgärtner. Die Fahrt wird rasanter, zum regelrechten Höhenflug. "Das ist immer gut. Allerdings kann nur, wer ganz hoch fliegt, auch ganz tief fallen." Die Gondel kommt wieder unten an.

Dann ist Strobl dran. Der Mann, der die Märkchen einkassiert, winkt ihm zu. "Kommst du?" Der Politiker guckt verdutzt.

Der Prophet, das Parlament und die Gesetze

"Das ist aber ein besonders rasantes Riesenrad", sagt er, als die Gondel abhebt. Zwischen den beleuchteten Ständen steht jemand und knipst Fotos. Er erzählt von seiner Frau, der Tochter von Wolfgang Schäuble, die in Freiburg studiert hat. "Eine tolle Stadt."

Es gibt Dinge, die kann man schon mal ansprechen, wenn man mit einem Politiker gerade am höchsten Punkt eines Riesenrads steht. Dazu gehört auch ein Satz, der Strobl kürzlich viel Kiritk eingebrockt hat. Er hat ihn bei einer Bundestagsdebatte über Flüchtlinge gesagt: "Die Gesetze macht bei uns in Deutschland nicht der Prophet, die macht bei uns in Deutschland das Parlament."

Wie ist das eigentlich so, Wahlkampf ausgerechnet auf einem Weihnachtsmarkt zu machen? Strobl verzieht das Gesicht. "Ach, wir machen hier keinen Wahlkampf, sondern suchen das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern."

Kein Wahlkampf? Als die Gondel landet, empfängt die Freiburger CDU Strobl mit strahlenden Gesichtern. Dann kommen die Erinnerungsfotos.