Global Marijuana March-Organisator: "Wir wollen legal kiffen können"

Felix Klingel

Bald gehen in Freiburg wieder Menschen für die Legalisierung von Cannabis auf die Straße: Der Global Marijuana March steht an. fudder hat mit Organisator Urs Leyde über die Legalisierung und die Gefahren von Cannabis gesprochen.

Urs, gibt es in Freiburg besonders viele Kiffer? Schließlich ist der Global Marijuana March (GMM) hier einer der größten in Deutschland, vergangenes Jahr waren um die 1.000 Leute dabei.



Urs Leyde:
Ich behaupte persönlich, ja. Freiburg ist eine Unistadt mit vielen Studierenden. Wenn man den Klischees glauben mag, dann kiffen davon viele. Außerdem ist der GMM in Freiburg gut organisiert, wir nehmen dass schon Ernst. Zudem ist Freiburg die jüngste Stadt Deutschlands.

Junge Menschen kiffen mehr?

Sie gehen damit zumindest mehr in die Öffentlichkeit. Wir haben auch mit vielen älteren Leuten zu tun – ich sag mal ab 40 Jahren. Aber die wollen das nicht in die Öffentlichkeit tragen.

Was wollt ihr mit dem Marsch erreichen?

Es geht uns um die Pflanze Hanf. Da steckt Medizin drin, Rohstoff und Genussmittel. Als Genussmittel ist Hanf eine Droge und die wird immer explizit so bezeichnet. Das stört uns. Es heißt dann etwa in Polizeiberichten immer: "Er war alkoholisiert und stand unter dem Einfluss von Drogen." Dabei ist Alkohol genauso eine Droge. Wir wollen also Hanf der Gesellschaft näher bringen. Und natürlich legal kiffen können.

Video: Global Marijuana March 2017 in Freiburg



Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler sagte sinngemäß: "Cannabis ist verboten, weil es illegal ist." Brauchen wir wirklich eine weitere legale Droge?

Was heißt brauchen? Cannabis wird so oder so geraucht und von den Statistiken her würden nicht mehr Leute rauchen, wenn es legal wäre. Das hat man in den USA festgestellt nach der Legalisierung, ebenso in den Niederlanden. Durch die Legalisierung fällt allerdings das Kriminelle weg, der Staat verdient Steuern und die Qualität steigt.

Der GMM soll auch als Ausdrucksform einer Subkultur der Kiffer mit eigenem Lebensstil dienen. Was ist das für eine Kultur?

Bei diesem Lebensstil geht es viel um Klischees. Das kann Musik sein, zum Beispiel ganz klassisch Bob Marley, oder eben der Hippie-Lebensstil. Ich würde aber eher sagen, dass Cannabis in jeder gesellschaftlichen Schicht vertreten ist. Wenn Leute nicht kiffen, sagen sie vielleicht: Das geht mich nichts an. Das finde ich aber schon, es geht da um eine gewisse Gerechtigkeit, das geht alle was an.

Inwiefern?

Es hat etwas mit Fairness zu tun. Warum ist Alkohol und Nikotin – die belegbar um einiges schädlicher sind – legal und Cannabis nicht? Ich trinke zum Beispiel wenig Alkohol, weil ich den Zustand nicht mag. Warum darf ich mir meine eigene Droge nicht aussuchen? Die Entscheidung sollte bei mir liegen und nicht beim Staat.

Mit dem Argument könnte man alle Drogen legalisieren?

Naja, da muss man unterscheiden: Cannabis ist eine leichte Droge und kein Lebenszerstörer im Gegensatz zu Heroin oder Crystal Meth.

Man kann von Cannabis aber eine Psychose bekommen.

Stimmt, das ist nicht zu unterschätzen. Da ist aber inzwischen medizinisch bestätigt, dass Cannabis die Psychose nur auslösen kann, wenn man sowieso dafür gefährdet ist.

Die meisten Leute rauchen ihren Joint in Deutschland mit Tabak. Rutschen dadurch nicht viele in eine Tabaksucht ab?

Ja, das sehe ich ähnlich, ich sage öfters: Leute, ihr seid nicht süchtig nach Cannabis, sondern nach dem Nikotin. Doch dafür gibt es Lösungen: Man kann Hanftee benutzen oder CBD-Gras als Tabakersatz verwenden.

In den vorläufigen Verträgen der Jamaika-Koalition stand 2017 die Legalisierung von Cannabis als Verhandlungspunkt. Jamaika ist geplatzt und im aktuellen Koalitionsvertrag wird Cannabis nicht erwähnt. Wird die Legalisierung in Deutschland kommen, und wenn ja, wann?

Bei meinem ersten GMM 2015 habe ich noch gedacht, dass es noch fünf Jahre dauert. Inzwischen sehe ich das ein bisschen realistischer. In den USA wird es bald in allen Staaten legal sein, dann dauert es noch fünf bis sechs Jahre bis das Gesetz zu uns rüberschwappt.
Der Global Marijuana March ist eine internationale Demonstration für die Legalisierung von Cannabis. Seit 2015 findet der GMM jedes Jahr auch in Freiburg statt, zuletzt mit fast 1.000 Teilnehmern. Offiziell findet der GMM immer am ersten Wochenende im Mai statt, in Freiburg wird er allerdings erst am Samstag, den 12. Mai, stattfinden. Am offiziellen Termin findet in Freiburg der Megasamstag statt, außerdem ist am nächsten Tag Wahl. In Absprache mit der Polizei wurde der Termin daher eine Woche nach hinten verschoben.

Dieses Jahr geht die Demo außerdem zum ersten Mal nicht direkt durch die Innenstadt, sondern drum herum. Das liegt an den motorisierten Wägen, die dabei sind. Von diesen läuft Musik: Techno, Reggae und Psytrance. Start ist um 14 Uhr am Platz der Alten Synagoge, am Anfang und Ende der Demo gibt es Redebeiträge und außerdem eine Tombola.

Was: Global Marijuana March
Wann: Samstag, 12. Mai, 14 Uhr
Wo: Platz der Alten Synagoge
Web: Facebook-Veranstaltung