Glamour-Fotografie: Ein Trend mit gigantischem Wow-Effekt

Cristina Morales

Ihre Facebook-Freundinnen posten sie ständig: Fotos von sich, auf denen sie aussehen wie Supermodels - sogenannte Glamour-Shots. fudder-Autorin Cristina Morales wollte wissen, wie sich so ein Shooting anfühlt - und hat bei der Freiburger Fotografin Conny Ehm den Selbstversuch gewagt. Ob ihr das Ergebnis gefallen hat?

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Der eiskalte Wind der Luftmaschine weht das Tuch aus Organza-Stoff in mein Gesicht. Das soll laut Conny Ehm, der Fotografin, vor deren Linse ich mich begeben habe, einen tollen Effekt erzeugen. Ich versuche, die Bewegungen des Tuchs zu bändigen und bemühe mich, ja nicht zu konzentriert auszusehen, sondern locker und möglichst professionell - so wie die Mädels aus den Castingshows eben. Etwas unbeholfen komme ich mir trotzdem vor. Die dunkelrote Farbe des Tuchs scheint mir null zu meinem korallfarbenen Abiballkleid zu passen, das ich noch schnell eingepackt habe.


Ich befinde mich im Fotostudio von Conny Ehm in der Atriumpassage und lasse Glamour-Shots von mir machen. Conny ist seit 20 Jahren Fotografin und besitzt seit 2006 ihr eigenes Fotostudio. "Jeder ist schön. Man muss es nur ans Licht bringen", sagt sie. "Das ist die Kunst des Fotografen." Zu ihren Referenzen gehören Firmen wie die Deutsche Bank, die AOK, die Bundesagentur für Arbeit und die Mecklemburgische Versicherungen. Conny macht mich auf einen Longdrink-Fleck auf meinem Kleid aufmerksam. "Auf dem Foto sieht man wirklich alles." Eine Erinnerung an den letzten Long Island Iced Tea auf meiner Abiballparty wird wach und lässt mich kurz das Fotostudio und den Anlass vergessen, warum ich eigentlich hier bin.  

Bestätigung per Mausklick

Es scheint ein richtiger Trend zu sein, sich durch sogenannte Glamour-Shots ausschließlich von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Das Phänomen kommt ursprünglich aus den USA, wo es sogar eine erfolgreiche Fotostudiokette namens Glamour Shots gibt, die sich auf das Fotografieren im Magazinstyle spezialisiert hat. Millionen von Menschen, vor allem Frauen, haben sich bis heute in den Fotostudios in Einkaufszentren fotografieren lassen. Glamour Shots veranstaltet auch Wettbewerbe, bei denen die besten Fotos ausgewählt werden. Dabei kann man ein hohes Preisgeld und Gutscheine von dem Unternehmen für weitere Shootings gewinnen. Das Ergebnis des Fotoshootings wird verschenkt oder auf Facebook präsentiert, um sich von möglichst vielen Facebookfreunden Bestätigung per Mausklick zu holen.

Der Trend lässt sich bei einer ehemaligen Klassenkammeradin von mir beobachten: „Wie kriegt, die eine denn so viele Likes? So besonders sind ihre Fotos doch gar nicht!“, höre ich regelmäßig, wenn wieder jemand geschönte Bilder von sich auf Facebook geladen hat.

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Conny schaltet die Windmaschine aus und baut schnell eine andere Kulisse auf: Sie stellt einen großen Sessel in die Mitte der Fotolocation. Ich versuche, mich mit meinen Highheels möglichst gekonnt auf die Lehne des Sessels niederzulassen und eine erste Pose einzunehmen. Conny gibt mir immer wieder Anweisungen zu meiner Fußstellung, damit sie meine Beine optimal ablichten kann. Conny schießt Fotos. "Die Bilder werden richtig super!", sagt sie begeistert und motiviert mich dazu, das beste aus meinem Selbstversuch herauszuholen. Zugegeben: Es macht großen Spaß - auch wenn ich mir dabei nach wie vor etwas lächerlich vorkomme, mich in Posen zu werfen und Gesichtsausdrücke anzunehmen, die von großer Selbstüberzeugung strotzen.  

Der Wow-Effekt ist gigantisch

 
In der Pubertät entstehen Fotos mit Modelposen noch mit den besten Freundinnen und der kleinen Digitalkamera, die man von seinen Eltern geschenkt bekommen hat. Als Shooting-Location für Heranwachsende und junge Frauen hat das eigene Zimmer ausgedient. Nun soll es wenigstens etwas professioneller zu gehen und mehr den perfekten Fotos gleichen, die man täglich auf unzähligen Werbeplakaten sieht. Conny versucht mit denselben Methoden Hochglanzfotos zu produzieren, wie die Werbeindustrie: Zuerst wird man von der Visagistin Denise Mönch aufwendig geschminkt und dann wird mit der richtigen Beleuchtung und Specialeffects gertrickst - so zum Beispiel mit der Windmaschine. Mit dem Slogan "In jedem schlummert eine Glamour-Version" wirbt Conny für die Verwandlungsshootings.



Nachdem ich mein Outfit zum dritten Mal gewechselt habe und Conny von mir Fotos im Stehen, im Sitzen und im Liegen geschossen hat, ist das Shooting vorbei. Conny bittet mich, eine engere Auswahl der unzähligen Fotos zu treffen, um diese zu retuschieren. Dabei zeigt sie mir ein unbearbeitetes Bild der Rückansicht einer Frau und erklärt mir, wie sie die Schulter und etwas breitere Taille der Frau "optimiert" hat. Ich habe schon oft in Reportagen gesehen, wie viel mit Computerbildbearbeitung möglich ist. Bei dem Anblick der stark bearbeiteten Bilder bin ich trotzdem geschockt: Die Frau ist kaum mehr wiederzuerkennen. Ich bitte Conny, die Bilder von mir nicht zu stark zu verändern.

Nach einer Woche halte ich die bearbeiteten Bilder von meinem Shooting sowie ein ungeschöntes Vorher-Foto in den Händen. Conny hat mir einen Vogel auf die Hand gesetzt, meinen Teint deutlich retuschiert und mich nachträglich in ein verwüstetes Haus gesetzt. Ich habe das Gefühl, dass ein Idealbild erstellt wurde, was wenig mit mir und der eigentlichen Kulisse zu tun hat. Ich vergleiche das Vorher-Bild mit den anderen Fotos und fühle mich mit dem natürlichen Bild überhaupt nicht mehr wohl. Der Wow-Effekt ist gigantisch.

Fazit: Ein umfassendes Style-Shooting gibt's ab 169 Euro. Für mich als angehende Studentin ist das nicht gerade günstig. Die zwei- bis dreistündige Fotosession mit VIP-Faktor hat mich allerdings schon beeindruckt.

Kontakt

Conny Ehm Photography
Augustinerplatz 2, im Atrium UG
79098 Freiburg

Telefon: 0761.2856564
E-Mail: mail@conny-ehm.de

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Mehr dazu:

[Fotos: Conny Ehm]