Gewichtshalbierung, die Zweite: Der Neuanfang

Eva Hartmann

Es hat länger gedauert, als geplant: Nach ausgiebiger Schwangerschafts- und Babypause ist Gewichtshalbiererin Eva endlich wieder am Start. Nach 15 Monaten fast ohne Sport muss sie fast wieder von vorn anfangen.



Kennt ihr mich noch? Ja richtig, es ist ein Weilchen her – 15 Monate, um genau zu sein. Aber es gibt mich tatsächlich noch. In den vergangenen Monaten war ich schwanger und habe ein Kind bekommen. Max ist mittlerweile schon ein halbes Jahr alt. Das Leben mit Kind ist zwar wesentlich unstressiger als ich mir ausgemalt hatte, trotzdem hat die Eingewöhnung und Etablierung eines routinierten Alltags irgendwie doch um einiges länger gedauert, als ich erwartet hatte. Aber mittlerweile sind wir drei ein eingespieltes Team, es geht uns super und wir haben viel Spaß.


An dieser Stelle ein großes Dankeschön an all die treuen Blogleser, die mir immer wieder Nachrichten geschickt haben, fragten wie es mir geht und ob die Gewichtshalbierung irgendwann nochmal weitergeführt wird. Manchen von euch habe ich ziemlich spät geantwortet, anderen gar nicht und allesamt hab ich euch jetzt wohl ziemlich lange vertröstet. Aber jetzt! Jetzt gehts endlich wieder los und ich freu mich über jeden von euch, der wieder mitliest.



Endlich ist es wieder so weit, dass ich ins Fitness-Studio gehen kann und möchte. Das ist ziemlich notwendig, denn während der Schwangerschaft habe wegen längerfristigen Sportverbots nicht nur einiges an Kraft und Kondition verloren, sondern vor allem auch so richtig ordentlich zugelegt. Irgendwas zwischen 32 und 35 Kilo dürfte ich zum Schluss mehr gehabt haben. Fühlte sich so sch**** an, dass ich darüber nicht bloggen wollte.

Das meiste davon muss Wasser gewesen sein, denn bereits drei Tage nach der Geburt waren schon 12 Kilo davon wieder weg. Mittlerweile sind insgesamt circa 20 bis 23 Kilo schon wieder abgenommen – bleiben aber immer noch zehn, bis ich mein Ausgangsgewicht wieder habe. Also: Ab zum Sport!

Zum ersten Mal war ich vergangenen Freitag dort. Schon beim Packen meines Trainings-Rucksacks merkte ich, dass ich während der ganzen Zeit auch meine Pack-Routine verloren habe. Was brauche ich nochmal alles? Klamotten, Schuhe, Getränkeflasche, Handtuch, Socken. Und sonst? Zu spät bemerkte ich, dass mein iPod schon auf dem letzten roten Akku-Bisschen lief und in der Straßenbahn fiel mir dann ein, dass ich das Duschgel vergessen hatte. Ich Anfänger.

Je näher ich dem Fitness-Studio kam, desto mulmiger wurde mir. Dort angekommen, mischten sich noch Unsicherheit und Melancholie dazu. Früher kannte ich hier so gut wie jeden, jetzt entdecke ich kein einziges bekanntes Gesicht. Immerhin weiß ich noch die Nummer meines Lieblingsspinds. In der Umkleide knüpfe ich dann 15 Monate alte Doppelknoten an meinen Sportschuhen auf und finde in einem davon ein ebenso altes Deo. Na super.

Mein erstes Krafttraining fällt ernüchternd aus.

Bei den Abductoren habe ich zuletzt mit 30 Kilo, oder Pfund, oder was auch immer das ist, trainiert; jetzt taste ich mich übervorsichtig mal mit 10 heran – und stelle beruhigt fest, dass ich auch 15 vertrage. Bei der Beinpresse hatte ich zuletzt 90 und finde jetzt, dass 60 fürs erste auch reichen. Die restlichen Geräte muss ich ausfallen lassen: ich weiß nicht mehr, wie sie richtig eingestellt und bedient werden. Die übrige Zeit verbringe ich auf dem Crosstrainer – "bis der iPod- Akku leer ist!" nehme ich mir vor. Als das zähe Biest nach einer Stunde Gewichtsreduzierungs- und Cross- Training immer noch widerborstig Musik abspielt, reicht's aber dann doch.



Beim Auschecken entdecke ich immerhin zwei Rezeptionistinnen von früher. Und ich vereinbare einen Trainertermin, schließlich brauche ich eine Neueinweisung. Die bekam ich Sonntag nachmittag und ich spüre sie jetzt noch. Charmant, aber erbarmungslos wie eh und je verabreicht Trainer Olaf mir sechs neue Geräte. Mit Gewichten und Wiederholungen, die sich von meinem alten Trainingsplan kaum unterscheiden. Mein schmerzverzerrtes Gesicht und die Schweißperlen auf meiner Stirn kommentiert Olaf mit einem mitleidlosen "Eva! Wir sind doch hier nicht im Sanatorium!" – und schlagartig fühle ich mich wieder zuhause hier. Wie hab ich's vermisst!

Übermütig beschließe ich, gleich Montag wieder zum Spinning zu gehen. Vermutlich werde ich mir gleich wieder alles wund scheuern, konditionell sowieso grandios scheitern und den Raum am Ende, wenn ich bis dahin überhaupt durchhalte, keuchend und japsend in gebeugter Haltung verlassen. Aber als ich zum ersten Mal mit Spinning anfing, war es genauso, und es hat nur ein paar Wochen Zähne zusammenbeißen gekostet, bis ich schon einigermaßen mithalten konnte. Ich hoffe, diesmal läuft's genauso, denn ich will baldmöglichst wieder dahin zurück, wo ich zuletzt war. Vorläufiges Ziel: Zehn Kilo weniger in sechs Monaten. Müsste zu schaffen sein.

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