Gewagnerte Kopfbedeckung

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass Wikingerhelme ganz anders aussahen, als wir sie uns heute vorstellen? Der grimmige Nordmann, der mit Hörnern auf dem Eisenhelm nichtsahnende englische Klöster überfällt, ist uns ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Doch so eine brachiale Kopfbedeckung wäre viel zu unpraktisch gewesen.

In Wirklichkeit trugen die Wikinger, wie vor ihnen auch schon die Perser oder Byzantiner, meistens Brillenhelme. Dieser Helm war aus Leder oder Eisen, lief nach oben spitz zu und hatte um die Augen eiserne Ringe. Manchmal kamen auch noch Kettengewebe zum Schutz von Gesicht und Nacken dran.


Die Idee, dass an diesen Helmen Hörner waren, kam wahrscheinlich bei Ausgrabungen zu Tage, als neben dem Kopfschutz rituelle Trinkhörner gefunden wurden. Während die Wissenschaft diese Idee schnell wieder verwarf, blieb sie bei einem Bühnenbildner hängen.

Der machte die Kostüme für diverse germanischtümelnde Opern von Richard Wagner. Und da in dieser Zeit die Werbung mit und Verbreitung von Bildern auf dem Vormarsch war, setzte sich dieses beeindruckende Bild der Walküren mit gehörnten Helmen schnell in den Köpfen fest. Inzwischen haben sich die skandinavischen Fremdenverkehrsämter damit angefreundet und werben gern mit diesem Image. Und auch in Fußballstadien sind die blau-gelben oder rot-weißen Plüsch-Wikingerhelme nicht mehr wegzudenken.